Mit einem sechsten Platz hat Dan Ticktum beim Monaco E-Prix das beste Resultat seiner Formel-E-Karriere aus Kapstadt wiederholt. Der Nio-333-Pilot sicherte sich nach einem erneut starken Qualifying damit weitere acht WM-Punkte.

Für Diskussionen sorgt jedoch nicht mal sein Zusammenprall mit Maximilian Günther, sondern vielmehr ein Interview, das der junge Brite nach dem Rennen gab. Darin erzählte er von bewussten Remplern gegen einen Konkurrenten.

Ticktum hatte von Startposition 5 einen guten Start in den Monaco E-Prix und schob sich direkt an Maximilian Günther vorbei. Wie bereits in Berlin war auch im Fürstentum die Anfangsphase von Energiesparen und Attack-Mode-Aktivierungen geprägt, sodass der Nio-333-Pilot die neunte Runde gar als Führender beendete. Dort blieb er jedoch nicht lang.

Er lag kurz nach Rennhalbzeit auf der fünften Position, auch wenn er etwas weniger Energie als die meisten Fahrer im vorderen Teil des Feldes hatte.

Ticktum über Berührung: "Habe meinen Frontflügel beschädigt"

In der 21. Runde kam Ticktum in der Rascasse-Kurve jedoch dem vor ihm liegenden Sacha Fenestraz zu nahe. Er beschädigte sich den Frontflügel, der in der Folge auf dem Boden und am Vorderrad schliff und für starke Rauchentwicklung sorgte.

"Ich habe meinen Frontflügel beschädigt, als alle um die Positionen gerangelt haben", beschreibt er die Situation mit Fenestraz: "Auf einer solchen Strecke ist der Ziehharmonika-Effekt sehr groß. Ich habe einen Teil meines Flügels verloren und er hat auf dem Boden geschliffen."

Wenige Meter später kam es dann zur Kollision zwischen Ticktum und Günther. Der Maserati-Pilot musste das Rennen in der Folge mit einer defekten Radaufhängung aufgeben, Ticktum konnte weiterfahren. Das Safety-Car kam auf die Strecke. Ticktum entschied sich daraufhin, die Situation mit seinem beschädigten Frontflügel auf unkonventionelle Art und Weise zu managen.

Ticktum verrät: Anderes Auto angestupst

"Es wäre einfach gewesen, an die Box zu fahren, weil das gefährlich werden kann. Ich dachte mir: 'Scheiß drauf, ich pushe weiter.' Zum Glück kam eine Runde später (nach dem Kontakt mit Fenestraz) das Safety-Car raus", erklärt Ticktum.

Dann folgt eine Aussage, die verwundert: "Ich konnte ein paar Mal die Curbs treffen und den Fahrer vor mir anstupsen, um den Flügel loszuwerden, damit er mich weniger behindert. Das hat richtig gut funktioniert!"

Ticktum: "Habe das Richtige gemacht, indem ich beharrlich blieb"

"Ich dachte mir: 'Du hast nichts zu verlieren'", beschreibt er weiter: "Ich habe es einfach versucht, und wenn ich gecrasht wäre, wäre ich gecrasht - solange ich sonst niemandem Probleme bereite, was ich auch nicht getan habe. Abgesehen von Günther, der in mich reingefahren ist. Aber wie auch immer, ich habe das Richtige gemacht, indem ich beharrlich blieb. Wir haben gute Punkte geholt."

Für Ticktum sind die Rempler offenbar kein Thema, sondern nur der Unfall mit Günther kurz zuvor: "Es stieg viel Rauch (an meinem Auto) auf, daher wusste er, dass ich etwas langsamer sein würde. Ich fuhr rechts auf der Strecke. Vielleicht hat er in den Spiegel geguckt, weil ihn jemand links überholen wollte oder so. Dann ist er mir ins Heck gefahren."

FIA untersucht Vorfall mit Ticktum

Günther sah die Situation naturgemäß anders. Die Rennkommissare werteten die Kollision als Rennunfall. Glück für Ticktum, der bereits vor dem Monaco E-Prix bei acht Strafpunkten stand. Mit zwölf Punkten wird ein Fahrer automatisch für ein Rennen gesperrt.

Diese Rennsperre könnte näher rücken, wenn die FIA bei einer nachträglichen Untersuchung des Rempler-Vorfalls mit Jake Hughes in der Safety-Car-Phase eine Strafe ausspricht. Auf Nachfrage von "e-Formel.de" bestätigte ein Sprecher des Automobil-Weltverbandes, dass das Thema dort bekannt sei und es aktuell im Detail untersucht werde. Ein Ergebnis wird spätestens im Rahmen des Jakarta E-Prix am ersten Juni-Wochenende (die Rennen live auf ProSieben und im Livestream) erwartet.

Ticktum "zufrieden mit Platz 6"

Durch den Crash mit Günther und die Rempler-Affäre geht das gute Ergebnis Ticktums beim Monaco E-Prix beinahe unter. Erneut zeigte er eine gute Pace und Qualifying und Rennen um kam letztlich als Sechster ins Ziel.

"Insgesamt bin ich zufrieden mit Platz 6", erklärt Ticktum: "Ohne den beschädigten Frontflügel hätte ich mich vielleicht auf dem fünften Platz halten können. Aber die Autos hinter mir hatten mehr Energie. Ohne die Safety-Car-Phasen wäre ich weiter zurückgefallen, aber in die Punkte hätte ich es auch so geschafft." Ticktum liegt nun mit 18 Punkten auf dem 16. WM-Rang.