Rene Rast. - Bildquelle: imago images/HochZweiRene Rast. © imago images/HochZwei

München - Die Aussage lässt den Zuhörer erst einmal ratlos zurück. Ja, fast schon geschockt.

"Rene Rast ist nicht unbedingt ein Naturtalent." Sagt Dennis Rostek, und der ist immerhin Manager des 34-Jährigen. Und der wiederum ist seit diesem Jahr dreimaliger DTM-Champion.

Den Stempel aufgedrückt

Rast hat seit seinem Einstieg als Stammfahrer 2017 in seinem ersten Jahr als Rookie sowie 2019 und 2020 die Meisterschaft gewonnen, 2018 wurde er Vize. Er hat die Serie dominiert, ihr seinen Stempel aufgedrückt, eine Ära geprägt, Bestmarken aufgestellt. Und das In Rekordzeit.

Und der soll kein Naturtalent sein?

Nein, ein Naturtalent ist er tatsächlich nicht. Sagt Rast auch über sich selbst.

Denn er ist keiner, der sich in ein Rennauto setzt und auf Anhieb schnellste Runden aus der Hüfte schießt. Rast muss sich seine Erfolge hart erarbeiten, die Perfektion, mit der er wie ein Uhrwerk abliefert, ist das Resultat von Akribie, von einer Detailarbeit, mit der er den Vorsprung herausholt. Pure Maloche, wenn man so will.

Keine Frage: Mit dem dritten Titelgewinn am 8. November 2020 hat Rast den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere erreicht, einer Karriere, die trotz aller Erfolge immer wieder Rückschläge bereit hielt. Während Jugendfreund Sebastian Vettel den Weg in die Formel 1 einschlug, fehlten Rast Geld und Reputation. Stattdessen arbeitete er sich durch diverse Markenpokale in den Fokus von Audi. 

Allein im Porsche-Markenpokal erkämpfte er fünf Titel, drei davon im Supercup auf Formel-1-Bühne. Im Audi R8 LMS gewann er seit 2011 die 24-Stunden-Rennen in Daytona, auf dem Nürburgring, in Spa-Francorchamps, teils mehrfach, dazu auch das ADAC-GT-Masters. 2015 stieg er ins Audi-Werksteam auf und fuhr sogar im Audi LMP1 die 24 Stunden von Le Mans. 2016 absolvierte er sogar ein Rennen in der Formel E. Rast ist nicht nur Arbeiter, sondern auch Allrounder.

Ein echter Datenfresser

Rast schlägt sich die Nächte um die Ohren, um zu analysieren, um zu verstehen, um besser zu werden. Saugt die Daten förmlich in sich auf. "Klar, das ist sehr zeitaufwändig, das kostet extrem viel Zeit", räumt er ein. Der Erfolg gibt ihm allerdings Recht. "Eigentlich ist dieses Prozedere schon in jeder Rennserie meine Art der Vorbereitung." Rast vergräbt sich in die Daten, auch in seine alten: "Man muss auch aus eigenen Fehlern lernen."

Nach dem Audi-Ausstieg aus der DTM und dem Ende der Prototypen-Ära in der Tourenwagenserie bekommt Rast nun ein neues "Spielzeug": die Formel E (live in SAT.1 und auf ran.de), natürlich mit Audi, an der Seite von Routinier und Serien-Urgestein Lucas di Grassi.

Im Vergleich zur DTM ist das ohne Frage eine andere Welt, und trotz der Teilnahme am Saisonfinale im August immer noch Neuland für Rast. "Außer Berlin kenne ich keine Strecke. Es wird eine große Herausforderung für mich, da schnell reinzukommen. Vor allem sind die Events ja eigentlich alle an nur einem Tag. Das heißt, ich muss brutal schnell lernen", sagt er.

Etwas, das ihm liegt, wie wir wissen.

"Wenn es in den Rennen um Energie-Management geht, hast du als Fahrer viel Einfluss auf dein Rennergebnis. Mir macht das sehr viel Spaß, weil ich gern vieles im Detail analysiere. In Berlin hat man gesehen, dass ich, als ich etwas in Fahrt war, einen dritten und einen vierten Platz in den letzten zwei Rennen geholt habe. Das war ganz in Ordnung. Darauf kann man aufbauen", so Rast.

Keine Prognosen

Aber Prognosen wagt er keine. "Ich möchte um Podiumsplätze kämpfen. Ob das dann am Ende zur Top 10 oder Top 5 reicht, muss man abwarten. Das hängt ja auch davon ab, wie stark wir im Vergleich zur Konkurrenz sind", sagt er.

Er wird wieder bestmöglich vorbereitet sein. Denn in der DTM war das Motto irgendwann klar: "Wenn ich zum Rennen komme, habe ich einen konkreten Fahrplan. Und wenn ich den habe, bin ich fast unschlagbar."

Am Ende ist wahrscheinlich genau das sein Naturtalent.

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