Toto Wolff wollte die Entscheidung über die Zukunft von Valtteri Bottas bis ... - Bildquelle: LATToto Wolff wollte die Entscheidung über die Zukunft von Valtteri Bottas bis 20. Juli treffen, doch noch gibt es keine Klarheit © LAT

München - Der Transfermarkt der Formel 1 scheint in der "Silly Season" 2019 eine ziemlich statische Angelegenheit zu sein. Oberflächlich betrachtet. Die großen Stars und Champions von morgen (also Lewis Hamilton, Max Verstappen, Sebastian Vettel und Charles Leclerc) sind allesamt für 2020 an ihre derzeitigen Teams gebunden. In der Theorie sollte auf den vorderen Rängen nicht viel passieren.

Wird es wahrscheinlich auch nicht. Aber im Paddock wird nicht erst seit Verstappens zweitem Saisonsieg in Hockenheim darüber spekuliert, dass der 21-jährige Niederländer unter Umständen anstelle von Valtteri Bottas zu Mercedes wechseln könnte. Und Mercedes trägt das Seine dazu bei, diese Spekulationen laufen zu lassen.

Mercedes-Junioren noch keine Option

In Spielberg hatte Toto Wolff angekündigt, man werde die Frage nach dem zweiten Fahrer diesen Sommer früher beantworten als vergangenes Jahr. Weil nicht nur Bottas Bescheid wissen muss, wie es weitergeht, sondern auch Testfahrer Esteban Ocon. Aber 2018 hat Mercedes die Vertragsverlängerung mit Bottas bereits am 20. Juli bekannt gegeben. Der ist längst verstrichen.

Das wirft die Frage auf: Worauf wartet Mercedes? Auf Ocon eher nicht. Dass der Franzose freigestellt wird, zum Beispiel für einen Wechsel zu Renault (Renault arbeitet auf Konzernebene mit Daimler zusammen), hat Wolff bereits durchklingen lassen. Für George Russell käme Mercedes zu früh. Und Fernando Alonso, das wissen wir, ist kein Thema (mehr).

Bleiben also Vettel und Verstappen. Dass Vettel bei Ferrari vorzeitig das Handtuch schmeißt, gilt als unwahrscheinlich. Ein Davonlaufen vor dem ersten WM-Titeln wäre ein Scheitern. Zumal sein Vertrag bis Ende 2020 läuft. Der beinhaltet sicher Ausstiegsklauseln - wie schon damals, als er noch für Red Bull gefahren ist. Wie diese formuliert sind, darüber können wir nur spekulieren.

Verstappen und die Ausstiegsklausel

Anders der Fall Verstappen. Das Supertalent darf Red Bull verlassen, wenn er an einem Stichtag X nicht mindestens Dritter der Fahrer-WM ist. "Aktuell" stelle sich die Frage nach einem Wechsel nicht, versichert Helmut Marko beim Blick auf die WM-Tabelle. Und dabei wird's wohl auch bleiben, denn Verstappen hat in der WM 21 Punkte Vorsprung auf Vettel.

Wir gehen davon aus: Vettel muss Ungarn gewinnen und Verstappen (fast) eine Nullrunde anschreiben, damit Verstappen wechseln darf. Sofern er das überhaupt möchte. "Ich gehe davon aus, dass jeder Fahrer Ausstiegsklauseln in seinem Vertrag hat. Aber Max glaubt an dieses Projekt. An Tagen wie heute noch mehr", so sein Teamchef Christian Horner in Hockenheim.

 

Horner findet "seit geraumer Zeit", dass Verstappen der aktuell beste Fahrer der Formel 1 ist. Hamilton würde ein Stallduell mit ihm schätzen, sagt er, weil er so die Chance hätte, der Welt seine wahre Klasse zu beweisen. Und Wolff könnte mit einer Zähmung der Jahrhundert-Paarung Hamilton-Verstappen wohl mehr gewinnen als mit noch zwei, drei Jahren eintöniger Dominanz.

Sein Wunschszenario: "Drei Autos: Max, Fernando und Lewis", lacht Wolff, stellt aber gleichzeitig klar: "Ich weiß nichts darüber. Ich habe nicht mit Max über nächstes Jahr gesprochen. Ich würde gern so weitermachen wie in der Vergangenheit, nämlich dass wir zuerst unsere bestehenden Fahrer evaluieren und mit ihnen sprechen, bevor wir in Verhandlungen mit irgendwem anderen einsteigen."

Wie Toto Wolff planen könnte

Dass Mercedes den Grand Prix von Ungarn abwartet, nach dem mutmaßlich die meisten Ausstiegsklauseln und deren Ausgang auf dem Tisch liegen, ist nachvollziehbar. Man möchte erst alle Fakten kennen, bevor man sich festlegt. Das bedeutet noch lange nicht, dass man zwangsläufig dazu tendiert, Bottas durch Verstappen zu ersetzen.

Dass der 20. Juli ohne Bottas-Verlängerung verstrichen ist, spielt Wolff, von 'Motorsport-Total.com' mit dem Widerspruch zu seiner Spielberg-Aussage konfrontiert, herunter: "Sie haben diese Daten besser im Kopf als ich! Es ist wahrscheinlich ohnehin ziemlich ungewöhnlich, die Fahrer im Juli bekannt zu geben."

"Würde man sich die Zeit nehmen, alles haarklein zu durchdenken, könnte man die Entscheidung wahrscheinlich bis in den Winter verschleppen. Wie wir bei anderen Teams gesehen haben, und was in der Vergangenheit auch der Standard war", sagt er - und ergänzt: "Für uns geht es nicht nur um die richtige Entscheidung für nächstes Jahr, sondern auch darüber hinaus."

Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass es nicht nur um einen neuen Einjahresvertrag für Bottas geht, sondern auch darum, Ocon 2021 (sofern er sich in einem anderen Cockpit bewähren sollte) zurückholen zu können. Als Rennfahrer. Oder darum, 2021 frei zu sein - zum Beispiel für Verstappen oder Vettel, deren Verträge dann auslaufen. Ganz ohne Ausstiegsklauseln.

Wolff heizt die Spekulationen um die mit Spannung erwartete Mercedes-Entscheidung weiter an, wenn er sich zum geplanten Zeitpunkt der Bekanntgabe eher kryptisch äußert: "Wir haben uns darauf verständigt, dass wir die Entscheidung im August treffen werden. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass wir sie auch im August bekannt geben werden."

Bottas nur im Qualifying mit Hamilton auf Augenhöhe

Momentan deutet alles darauf hin, dass Bottas bleiben wird. "Meiner Meinung nach sind seine Leistungen im Qualifying wirklich stark", sagt Wolff. "Gegen Lewis Hamilton eine fast ausgeglichene Bilanz zu haben, ist etwas, worauf man stolz sein kann. Das zeigt, dass er sich da im Vergleich zum Vorjahr verbessert hat."

Das soll aber nicht über Bottas' Schwächen hinwegtäuschen. Wolff spricht offen über diese, wenn er sagt: "Die Rennen sind eine andere Disziplin. Dieses Jahr steht ganz im Zeichen davon, Auto und Reifen ins optimale Fenster zu bekommen. Das bedeutet, dass man das Auto vielleicht ein bisschen anders fahren muss."

"Das bekommt er immer besser hin. In Silverstone hätte er gewinnen können, wenn nicht das Safety-Car gekommen wäre. Aber was, wäre, wenn zählt nicht - du musst es nach Hause fahren", erklärt Wolff und betont: "Ich bin mir sicher, dass sich Valtteri weiter verbessern und er auch im Rennen starke Leistungen abliefern wird."

Das war vor Hockenheim und somit vor Bottas' schmerzhaftem Abflug, der möglicherweise für die WM genauso entscheidenden Charakter hat wie Vettels Patzer vor einem Jahr in der Sachs-Kurve. Wolff hatte vor Hockenheim die Marschroute für Bottas aufgezeichnet: Hockenheim und Budapest "mit zwei soliden Leistungen" zu Ende bringen. Was Hockenheim betrifft: nicht genügend.

Hockenheim-Crash spielt Bottas nicht in die Karten

Das Timing seines Crashs, räumt Bottas ein, sei "nicht ideal" gewesen: "Leider war es ein Fehler zum falschen Zeitpunkt. Ich habe aber alles gegeben, und das ist ja das, was das Team sehen will. Ich glaube nicht, dass ein einziger Fehler alles verändert. Das ist meine Antwort. Ich sollte mich darauf konzentrieren, meine besten Leistungen abzurufen. Dann sehen wir weiter."

Er stehe "nicht unter Stress", sondern gebe weiter "Vollgas", sagt der 29-jährige Finne. Vor dem Grand Prix von Ungarn ist ihm bewusst: "Wenn du weißt, dass das Team über deine Zukunft entscheidet, kann jedes Rennen wichtig sein." Aber: "Für mich ändert das nichts. Ich bin nicht zum ersten Mal in dieser Situation. Business as usual."

An seine unklare Zukunft denke er nur, wenn er von Journalisten darauf angesprochen wird, versichert Bottas und beschreibt die Gespräche mit Wolff als "sehr ehrlich und offen" - was auch immer das bedeuten mag. Und weiter: "Ich habe es geschafft, dass ich alles andere ausblende, wenn ich im Auto sitze." Daher seien die Gerüchte "kein Problem" für ihn.

Seine Ziele mit Mercedes habe er noch nicht erreicht, erklärt Bottas - und meint damit den WM-Titel. 2019 hat in dieser Hinsicht gut angefangen, mit zwei Siegen in den ersten vier Rennen. Von den letzten sieben hat er aber keins mehr gewonnen. Trotzdem findet er, dass 2019 seine "bisher beste" Saison in der Formel 1 war und ist.

Gleichzeitig gesteht er: "Es hätte noch besser sein können. In ein paar Rennen wären mehr Punkte drin gewesen, vor allem in Hockenheim. Die Qualifying-Pace war gut, und das Tempo im Rennen besser als vergangenen Jahr. Auch wenn das immer noch ein Bereich ist, an dem ich arbeiten und in dem ich mich steigern muss."

Bottas glaubt noch an seine WM-Chance

"Ich hatte ein bisschen Pech. Nicht so viel wie vergangenes Jahr, aber manchmal hatte ich ein bisschen Pech auf meiner Seite", sagt Bottas. "Die ersten paar Rennen hatte ich Rückenwind, seither hat ihn eher Lewis. Aber ich glaube an mich und ich glaube daran, dass ich noch im WM-Kampf bin. Einige Leute glauben das nicht mehr. Ich weiß aber, dass es möglich ist."

Dem fünfmaligen Grand-Prix-Sieger fehlen aktuell 41 Punkte auf Spitzenreiter Hamilton. Das ist eine Menge Holz. Andererseits: "Es sind noch 260 Punkte zu vergeben. Von denen möchte ich so viele wie möglich holen." Auch wenn er einräumt: "Hockenheim wäre natürlich eine gute Gelegenheit gewesen, Punkte aufzuholen. Ist jetzt halt so."

Wolff wurde kürzlich gefragt, was sein Traum-Fahrerteam wäre, wenn er es sich völlig frei von vertraglichen Zwängen aussuchen könnte. "Ich habe definitiv ein Traumteam im Kopf", lautete seine Antwort. "Aber das kann ich nicht verraten." Vielleicht, weil er damit einen seiner beiden aktuellen Fahrer vor den Kopf stoßen würde?

Fortsetzung folgt.

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