Die Formel 1 soll nach Miami kommen. - Bildquelle: 2018 Getty ImagesDie Formel 1 soll nach Miami kommen. © 2018 Getty Images

München – Die Reaktion war stark, das muss man zugeben. Es war eine, auf die man aber auch nur als Football-Fan kommen kann. In Kombination mit der Formel 1 wird ein Gag raus. 

Haha, nicht schlecht. Doch ein Formel-1-Rennen rund um das Stadion der Miami Dolphins ist kein Witz, sondern ein ernsthafter Plan, der nun in den letzten Zügen liegt, wie heute bekannt wurde. Doch warum Miami? Und wieso die Dolphins? Und wie grün ist das Licht für das Rennen?

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Warum will die Formel 1 in Miami fahren? Ganz grundsätzlich wünschen sich die Formel-1-Besitzer von Liberty Media mehr Resonanz auf die Königsklasse in den USA, denn die lässt noch zu wünschen übrig. Deshalb soll es ein zweites Rennen neben dem in Austin (Texas) geben.

Formel-1-CEO Chase Carey hatte schon mehrmals betont: "Wir haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass wir mehr WM-Läufe in den USA anstreben. Wir erkennen steigende Zuschauerzahlen auf diesem Markt, und auch das Interesse auf den sozialen Netzwerken ist groß. Das alles zeigt uns, dass wir hier viel mehr Fans ansprechen könnten."

Das zweite Rennen sollte aber besonders sein. Wie zum Beispiel in Las Vegas. Oder eben Miami. Dort machten die Macher gute Fortschritte, stießen aber auch auf Probleme. 

Warum wird bei den Miami Dolphins gefahren? Eigentlich ist man viel später dran als geplant. Wäre es nach den Verantwortlichen gegangen, hätte es ein Debüt in Miami schon in dieser Saison gegeben. 

Auch aus 2020 wird nichts. Denn ursprünglich war das Rennen im Bayfront-Gebiet, also Downtown, geplant. Es gab zu viele Beschwerden der Anwohner und zu viele Klagen von Händlern, die Angst davor hatten, dass ihre Geschäfte über Wochen zugebaut würden.

Der Vorteil der Spielstätte der Miami Dolphins gegenüber Downtown Miami: Die Dolphins benötigen für eine Veranstaltung in und rund um ihr Stadion eigentlich keine Zustimmung der Anwohner.

Tom Garfinkel, CEO der Miami Dolphins und des Hard Rock Stadions: "Wir haben hier reichlich Land, also könnten wir beim Hard Rock Stadion einen Weltklassekurs bauen, der keine bestehende Infrastruktur beeinträchtigt." Dolphins-Besitzer Stephen Ross gehört das komplette Grundstück, er soll angeblich auch die Kosten übernehmen.

Ein Aber gibt es allerdings: Bei einem Rennen würde auch ein kleiner Teil der Northwest 199th Street genutzt werden, eine halbe Meile etwa, und damit wäre eine Einwilligung notwendig, da dann Teile für den Straßenverkehr gesperrt werden müssten.

Welche Hürden gibt es noch? Es sind nicht so viele wie Downtown, aber eine sehr wichtige gibt es: Das Projekt benötigt die Zustimmung der Kommissionsmitglieder des Landkreises Miami-Dade. 

Die bislang zuständige Barbara Jordan will eine Abstimmung darüber, ob der Landkreis zustimmen soll, Teile der Northwest 199th Street zu schließen. Darüber soll noch im Oktober abgestimmt werden.

Wie hoch sind die Hürden? Ziemlich hoch. Jordan und auch ihr Nachfolger Oliver Gilbert haben sich beide gegen ein Autorennen beim Stadion ausgesprochen.

"Das ist noch keine beschlossene Sache", hatte Jordan im September betont: "Ich denke, das Negative überwiegt das Positive."

Hinzu kommt: Widerstand gibt es auch von Aktivistin Betty T. Ferguson, welche sich um Anliegen der Anwohner rund ums Stadion kümmert. Die Bedenken der Menschen sind die gleichen wie zuvor an der Bayfront: Verkehr, Lärm, Verschmutzung. Noch vor wenigen Tagen hatten Anwohner gegen die Pläne demonstriert. Sie haben auch Sorge, dass von den hohen Einnahmen, von denen die Verantwortlichen sprechen, kaum etwas zur Gemeinde durchdringt.

Die Macher haben die jährlichen Einkommen durch den Grand Prix auf umgerechnet rund 360 Millionen Euro für die Region geschätzt. 

Was ist das für ein Kurs? Es liegen bereits diverse Fotomontagen zur geplanten Rennstrecke und ein vorläufiges Layout vor. 

Wie man sieht, ist der Kurs eine Mischung aus langen Geraden und sehr engen Kurven. Überholen dürfte hier gut möglich sein.

Gibt es denn überhaupt Interesse an der Formel 1 in Miami? Durchaus, Ende September 2018 wurde in Miami das Fan-Festival durchgeführt. 

80.000 Fans kamen damals, um Showruns von modernen Rennern zu sehen und Stars wie Emerson Fittipaldi in seinem 70er Jahre McLaren. 

Gleichzeitig wurde die Action aus Texas übertragen. Der zweifache Formel-1-Champion Fittipaldi ist überzeugt: "Miami könnte für die Formel 1 das Monaco von Amerika werden." Das sieht auch Garfinkel so, der twitterte: "Barcelona, Monaco...Miami...macht es möglich."

Wie sind die Aussichten? Schwer zu sagen. Die Verantwortlichen sind optimistisch, die Anwohner entschieden dagegen, die Behörden mindestens skeptisch. Die grundsätzliche Einigung zwischen Formel 1 und Promoter ist eine Absichteserklärung, allerdings auch ein starkes Signal.

Doch stimmen die Behörden nicht zu, würden die Pläne einen empfindlichen Rückschlag erleiden. Gut möglich, dass es eine Einigung mit den Anwohnern gibt, damit es am 28. Oktober dann auch endgültig grünes Licht gibt. Dann steht einem Rennen in Miami 2021 nichts mehr im Weg. 

Und dann kann auch in der Formel 1 getankt werden.

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