Steht bereits unter Druck: Nikita Mazepin - Bildquelle: Imago ImagesSteht bereits unter Druck: Nikita Mazepin © Imago Images

München/Imola - Alles sei abgehakt, versicherte Nikita Mazepin. Sein verkorkstes Formel-1-Debüt in Bahrain spiele keine Rolle mehr. "Ich bin komplett drüber hinweg", sagte der 22-Jährige vor dem zweiten Rennwochenende in Imola. 

Gelernt habe er, analysiert noch dazu. "Nun geht der Blick auf das nächste Wochenende mit dem Ziel, das Wissen zu nutzen." Dass zwischen dem sehnlichen Wunsch, es besser zu machen und der harten Motorsport-Realität aber noch einiges an Arbeit liegt, spürte der Russe nach nicht einmal fünf Minuten auf die harte Tour. 

Mazepin machte in Imola dort weiter, wo er in Bahrain aufgehört hatte. Im ersten freien Training drehte sich der Haas-Pilot gleich zu Beginn, kurz vor dem Ende verlor er erneut die Kontrolle über sein Auto. Zunächst ging es glimpflich aus, sein zweiter Einschlag beschädigte jedoch sowohl den Frontflügel als auch das Getriebe. 

Nach einem neuerlichen Ausflug im zweiten freien Training funkte er nur: "Ich bin auf Eis. Komplett auf Eis." 

Mazepin dreht sich, das Netz spottet

Und schon ging es wieder los. Im Netz machte der schon fast zum Standard gewordene Hashtag "Mazespin" die Runde, der geneigte Motorsport-Fan fragte sich: "Hat er die Rennfahrerlizenz im Lotto gewonnen?"

"Jeder schlägt auf ihn ein. Das macht es noch schwieriger", sagte sein Teamchef Günther Steiner im Anschluss bei "Sky". Noch bleibt der Österreicher gelassen, klar sei aber auch: "Zu einem gewissen Zeitpunkt müssen die Dreher weniger werden. Er strengt sich sehr an, ich glaube, er versucht es ein wenig zu sehr." 

Den Status als "Paydriver", also als ein Fahrer, der nur aufgrund finanzieller Hintergründe im Cockpit sitzt, hat der Moskauer ohnehin schon weg. Vater Dimitri, ein russischer Milliardär, der mit seinem Bergbauunternehmen Uralkali einen Haufen Geld mit Düngemitteln gemacht hat, kaufte sich vor der Saison als Titelsponsor beim Haas F1 Team ein. 

Vergangenheit von Skandalen geprägt

Die Bedingung für die dringend benötigte Finanzspritze war neben einer Neu-Lackierung des Autos auch die Anstellung von Sohn Nikita. Schon in der Formel 3 sowie in der Formel 2 lief es ähnlich ab. 

Neben passablen Leistungen stach Mazepin in den Jugendserien vor allem mit seiner aggressiven Fahrweise heraus. Es hagelte diverse Zeitstrafen, gegenüber Formel-3-Kollege Callum Illot wurde er 2016 sogar handgreiflich und verpasste dem Briten ein blaues Auge sowie Verletzungen an Kiefer, Nacken und Wange. Mazepin fühlte sich damals im Training von Illot behindert. 

Den größten Skandal leistete er sich aber ohne Zweifel nur wenige Wochen vor seinem Formel-1-Debüt. Via Social Media tauchte ein Video auf, in dem er einer Frau ohne Vorwarnung an die Brüste griff. Diese wehrte sich und zeigte den Mittelfinger. 

Mazepin nicht der einzige "Paydriver" in der Formel 1

Fans der Formel 1 forderten schnell die Kündigung. Sein Arbeitgeber verurteilte die Aktion zwar, letztendlich waren die Millionen von Vater Dimitri aber zu wichtig für das eigene Überleben. Mazepin durfte bleiben. 

Die Auftritte in Bahrain und Imola verstummten seine Kritiker nun keineswegs. Viele zweifeln mehr denn je an seiner Kompetenz für die Königsklasse des Motorsports. Ähnliches gilt im Übrigen auch immer wieder für Lance Stroll und Nicolas Latifi, die ebenfalls aufgrund der Finanzkraft des eigenen Vaters ein Cockpit bekamen. Zumindest Stroll steigerte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zuletzt aber immer häufiger. 

Steiner hält ihm noch den Rücken frei

Für Mazepin wird das ebenfalls vonnöten sein. Noch scheint sein Cockpit in naher Zukunft gesichert, zudem besitzt er im Haas einen langfristigen Vertrag. 

Teamchef Steiner hält ihm daher noch den Rücken frei, sagt: "Jetzt schon Fehler und Leistungen zu beurteilen, das ist doch ein wenig früh." 

Doch Fakt ist: Mazepin muss sich steigern. Dringend. Ansonsten wird er den Beinamen "Mazespin" wohl nicht so schnell los. 

Timo Nicklaus 

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