Werden Topverdiener wie Lewis Hamilton in Zukunft Abstriche machen müssen? - Bildquelle: Motorsport ImagesWerden Topverdiener wie Lewis Hamilton in Zukunft Abstriche machen müssen? © Motorsport Images

München - Die Formel 1 will sparen. Maximal 145 Millionen Dollar dürfen die Teams ab dem kommenden Jahr pro Saison ausgeben - Tendenz sinkend. Das Problem: In gewisser Weise ist die Budgetgrenze eine Mogelpackung, weil es zahlreiche Ausnahmen gibt, die nicht unter die Grenze fallen. Dazu gehören etwa Fahrergehälter oder die Löhne der drei höchstbezahlten Mitarbeiter.

Es besteht daher die Gefahr, dass die Teams gar nicht signifikant weniger ausgeben, sondern ihre Kosten verlagern. "Wir wissen alle, dass es nur ein Ballon ist", sagt Renault-Teamchef Cyril Abiteboul. "Wenn wir auf der einen Seite drücken, dann geht die Luft auf die andere Seite." Soll heißen: Was die Teams bei Chassis und Motor sparen müssen, können sie in Fahrer investieren.

Abiteboul: Gehalt muss unter Kontrolle gebracht werden

Nun kann man sich fragen, ob Lewis Hamilton in Coronazeiten wirklich noch so viel verdienen muss wie zuvor. Noch hat der Brite seinen neuen Vertrag mit Mercedes nicht unterschrieben, doch Berichte hatten zeitweise darauf hingedeutet, dass der sechsmalige Weltmeister in Zukunft noch mehr verdienen möchte - von 40 Millionen Pfund pro Jahr ist die Rede.

Das geht vielen mittlerweile zu weit. Sie wünschen sich eine Gehaltsobergrenze für die Sportler, wie sie etwa in vielen US-Meisterschaften bereits an der Tagesordnung ist. "Das muss unter Kontrolle gebracht werden", sagt Abiteboul. Alternativ könnte man die Fahrergehälter in die Budgetgrenze inkludieren. Dann könnte man den Fahrern weiterhin viel Geld zahlen, müsste aber an anderer Stelle Abstriche machen.

Diese Idee kommt bei vielen kleineren Teams gut an. "Wir unterstützen diese Idee definitiv", sagt McLaren-Teamchef Andreas Seidl. Und auch Haas-Teamchef Günther Steiner hätte nichts dagegen. "Es macht einen Performance-Unterschied. Wenn man viel Geld für einen Fahrer ausgibt, kann man andere Dinge nicht machen. Das würde das Feld noch weiter angleichen, und die Gehälter würden sich anpassen."

Aktuell herrscht nämlich eine hohe Diskrepanz zwischen den einzelnen Fahrern. "Für mich ist es nicht akzeptabel, dass Lewis Hamilton mehr als 40 Millionen verdient, während andere Fahrer für den gleichen Job 150.000 pro Jahr verdienen", sagt Romain Grosjean als Sprecher der Fahrervereinigung GPDA.

"Unfair": Die einen werden entlassen, die anderen reich

Mehr noch: Dass ein Fahrer in Coronazeiten so viel verdienen kann, ist auch schlecht für die Außendarstellung, meint Renaults Abiteboul. "Einige Teams werden hunderte Leute entlassen müssen", sagt er. "Und wenn wir gleichzeitig eine ungeheuere Inflation an Fahrerkosten haben, dann ist das für mich unfair und ergibt keinen Sinn", so der Franzose.

Frederic Vasseur würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Wenn die Fahrergehälter in die Budgetgrenze fallen, dann bitte auch die drei bestbezahlten Mitarbeiter - alles andere fände der Alfa-Romeo-Teamchef seltsam. "Wenn wir in diese Richtung gehen, dann müssen wir alle in die Budgetgrenze einbinden."

Der Franzose sieht das als gute Option, denn das könnte Teams dazu bringen, in junge Fahrer zu investieren. "Das wäre gut für die Nachwuchskategorien und die weltweite Pyramide des Motorsports", sagt er zu 'auto motor und sport'. Doch was passiert dann mit den großen Stars, die derzeit große Gehälter verdienen? Würden diese dann aus dem Sport verschwinden und eine Lücke hinterlassen?

Wolff fürchtet um Superstars

Deswegen ist Toto Wolff auch dagegen: "Wir dürfen die Superstars nicht verlieren", sagt der Mercedes-Motorsportchef und findet, dass Hamilton & Co. ihre großen Gehälter verdienen. "Sie sind die weltweiten Superstars und die Besten ihrer Meisterschaft."

Sein Vorschlag: Ab 2024 eine schrittweise Einführung einer Gehaltsobergrenze - "damit zukünftige Generationen von Fahrern auf einem vernünftigeren Level sind", wie er sagt.

Die Aussagen verwundern jedoch Red Bulls Helmut Marko: "Zuerst bestand er darauf, eine Obergrenze für Pilotengehälter schon 2021 festzuzurren. Jetzt will er diesen Schritt erst ab 2024 gehen", sagt er bei 'f1-insider.com'. Ob das etwas damit zu tun hat, dass Lewis Hamilton noch nicht unter Vertrag ist und noch möglich viel herausholen möchte?

Grosjean fürchtet: Obergrenze schlecht für Förderung

Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer glaubt jedenfalls nicht, dass die Topstars wegen Gehaltseinbußen plötzlich nicht mehr fahren würden. "Ich glaube, dass die Gehälter auch innerhalb der Grenze noch höher wären als das, was sie in anderen Rennserien bekommen würden", sagt er.

 

Romain Grosjean sieht jedoch ein anderes Problem, sollte man eine Obergrenze einführen. "Wir laufen Gefahr, die ganze Leiter im Motorsport zu zerstören", warnt er. Denn: "Wer würde noch Geld in Fahrerprogramme investieren und für ihre Karriere zahlen, wenn sie ihr Geld nicht durch einen gewissen Anteil am Gehalt später zurückbekommen?"

Das sei die Debatte, die man in der Fahrervereinigung zu diesem Thema geführt habe. "Ich war nicht dagegen, die Fahrergehälter in die Budgetgrenze aufzunehmen", sagt er. "Aber dann fragt man sich, welcher Hersteller oder Manager gibt dann ein Vermögen für einen Fahrer aus, nur um dann 20 Prozent von etwas zurückzubekommen, das gecappt ist? Sie bekommen ihr Geld nie zurück."

Die Diskussionen dürften also noch weitergehen.

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