Fernando Alonso fuhr im Aston Martin komplett ohne Sponsorenaufkleber - Bildquelle: Motorsport ImagesFernando Alonso fuhr im Aston Martin komplett ohne Sponsorenaufkleber © Motorsport Images

Zwei Tage nach dem Ende der Formel-1-Saison 2022 fand auf dem Yas-Marina-Circuit in Abu Dhabi am Dienstag der letzte offizielle Testtag des Jahres statt. Die Bestzeit sicherte sich Carlos Sainz (Ferrari) in 1:25.245 Minuten, vor seinen beiden Teamkollegen Charles Leclerc (+0,138) und Robert Schwarzman (+0,155).

Ferrari verabschiedet sich also mit einem zumindest psychologisch erfreulichen Ergebnis in die Winterpause. Vor allem Schwarzman, auf den Teamchef Mattia Binotto große Stücke hält, konnte mit seiner Zeit überzeugen. Die fuhr er übrigens - anders als die meisten anderen Fahrer - erst in der letzten Stunde, als die Bedingungen am kühlsten waren.

Im Zentrum des Interesses standen aber jene Fahrer, die ihren ersten Auftritt in neuen Farben hatten. Zum Beispiel Fernando Alonso (Aston Martin), Pierre Gasly (Alpine) und Oscar Piastri (McLaren). Und natürlich Nico Hülkenberg, 2023 der einzige Deutsche in der Formel 1, der bei Haas Mick Schumacher ersetzt und am Dienstag seine ersten Kilometer im VF-22 zurücklegte.

Dabei lief nicht alles rund. Der 35-jährige Deutsche hatte 26 Runden absolviert, als er nach gut einer Stunde ausrollte. Es seien "ein paar Fehlerteufel" aufgetreten, berichtete das Team, weshalb das Auto zurück an die Box gebracht werden musste. Hülkenberg stand dann länger als zwei Stunden an der Box, ehe er sein Testprogramm fortsetzen konnte.

Hülkenberg am Ende 19. unter 24 Fahrern

Bis zum Ende des Tages schaffte Hülkenberg insgesamt 110 Runden. Die Zeitenjagd war dabei zweitrangig. Bereits am Montag hatte er erklärt, was bei der Haas-Premiere im Vordergrund steht: "Für mich ist es eine kleine Vorschau, ein Gefühl für das Auto zu bekommen. Dafür, wie dieses Auto funktioniert. Wie ich reinpasse. Die ganzen Grundlagen können wir mal erledigen."

Gut eine Stunde nach Hülkenbergs Panne passierte die erste rote Flagge des Testtags, als Piastri (14./+1,095) ausrollte. Der bestritt seinen ersten Einsatz für McLaren und musste aufgrund von Warnmeldungen sicherheitshalber abstellen. Er hatte bis dahin 50 Runden zurückgelegt. Am Ende waren es 123, und er war sogar schneller als Lando Norris (18./+1,645).

Gasly bei Alpine-Debüt auf Platz 4

Hinter dem Ferrari-Trio an der Spitze belegte Gasly beim Alpine-Debüt Platz 4. Der Franzose verbesserte sich in den letzten Minuten des neunstündigen Testtags auf eine Bestzeit von 1:25.689 Minuten und hatte damit 0,444 Sekunden Rückstand auf Sainz. Fünfter wurde Max Verstappen (Red Bull/+0,600), gefolgt von Alexander Albon (+0,714) und Logan Sargeant (beide Williams/+0,818).

Die Rundenzeiten spielten beim Test allerdings eine ziemlich untergeordnete Rolle. Im Fokus standen zwei Dinge: Erstens die neuen Reifen für die Saison 2023, die Pirelli einem finalen Check unterziehen wollte, und zweitens die Gelegenheit für Nachwuchsfahrer mit maximal zwei Renneinsätzen in der Formel 1, sich Erfahrung im Auto anzueignen.

Teams dürfen zwei Autos einsetzen

Daher durften die Teams, anders als bei den klassischen Wintertests vor Saisonbeginn, zwei Autos einsetzen, sofern sie das wollten. Erstens einen beliebigen Fahrer für die Reifentests, zweitens einen sogenannten "Young-Driver" für die Rookietests. Insgesamt waren 24 Piloten für Dienstag gemeldet, darunter auch Verstappen und Lewis Hamilton.

Die beiden Superstars stiegen erst am Nachmittag in den Test ein. Verstappen sprengte mit einem seiner schnelleren Runs die bis dahin aufrechte Ferrari-Dreifachführung, war kurzzeitig Dritter und am Ende Fünfter; Hamilton konzentrierte sich mit dem Mercedes auf Longruns und belegte am Ende Rang 17. Sein Rückstand auf die Bestzeit betrug 1,505 Sekunden.

Alonso: Wie lang bleibt er noch?

Star des Geschehens war allerdings Alonso, der bereits am Sonntagabend mit seinem Krempel von Alpine zu Aston Martin übersiedelt war. Der 41-Jährige zeigte sich am Dienstagmorgen im schwarzen Rennoverall und sorgte in seiner anschließenden Medienrunde für hochgezogene Augenbrauen, als er ankündigte, Aston Martin sei nur "vielleicht" sein letztes Team in der Formel 1.

Weil er vertraglich streng genommen noch an Alpine gebunden ist und nur für diesen Test eine vorzeitige Freigabe erhalten hat, durfte Alonso keine Sponsoren von Aston Martin abbilden. Er fuhr daher mit einem neutralen Rennoverall, einem Helm im neutralen Camouflage-Design und einem Auto, bei dem bis auf Serienpartner wie Pirelli alle Sponsorenaufkleber entfernt werden mussten.

In etwas mehr als fünf Stunden drehte Alonso 97 Runden. Am Ende stand eine Bestzeit von 1:26.312 Minuten. Damit war er um 1,216 Sekunden langsamer als im Alpine am Samstag im Qualifying, aber: Auch der Tagesschnellste Sainz blieb beim Test um gut eine Sekunde hinter seiner Zeit aus dem Qualifying drei Tage zuvor.

Wie das an einem ersten Testtag in einem neuen Team so üblich ist, passte der Aston Martin für Alonso noch nicht wie angegossen: "Der Sitz tut auf der linken Seite ein bisschen weh. Es gibt ein paar Kleinigkeiten, das betrifft aber nur den Komfort", sagt der Spanier. "Sonst war ich von allem angenehm überrascht."

Alonso: Seitenhieb gegen Alpine

Der obligatorische Seitenhieb auf seinen bisherigen Arbeitgeber Alpine darf natürlich auch in Alonsos Testfazit nicht fehlen: "Als sie mir gestern gesagt haben, wie viele Kilometer der Motor schon drauf hat, war ich sehr besorgt. Gemessen an dem, was ich gewöhnt bin, war das eine sehr hohe Zahl. Aber wir haben 97 Runden ohne Probleme geschafft. Außergewöhnlich!"

Außerdem neu: Der langjährige McLaren- und Mercedes-Junior Nyck de Vries (8./+0,866) saß bereits im AlphaTauri und Mercedes ermöglichte Frederik Vesti (22./+1,971) sein Debüt in einem Formel-1-Boliden. Vesti ist 20 Jahre jung, kommt aus Dänemark und war 2022 Neunter in der Formel-2-Meisterschaft. Er gehört dem Mercedes-Nachwuchskader an.