Lewis Hamilton im Mercedes W13 beim Kanada-Grand-Prix in Montreal - Bildquelle: Motorsport ImagesLewis Hamilton im Mercedes W13 beim Kanada-Grand-Prix in Montreal © Motorsport Images

"Es fühlt sich großartig an, wieder vorne mitzumischen", sagt Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton nach dem Kanada-Grand-Prix 2022. Und das ist auch kein Wunder: Erstmals seit dem Auftakt in Bahrain fuhr der siebenmalige Formel-1-Weltmeister wieder unter die Top 3. Doch mehr wert als die Punkte für den dritten Platz sind laut Hamilton die neuen Erkenntnisse über den Mercedes W13.

Das Ergebnis gebe zwar Anlass zu "viel Hoffnung" für das Team, wichtiger sei aber, dass sich in Montreal gezeigt habe, dass der aktuelle Silberpfeil über "noch mehr Potenzial" verfüge, so Hamilton. Der einzige Haken an der Sache: "Es ist da, wenn wir das Set-up richtig treffen. Und das ist in diesem Jahr das Schwierige."

Wiederholt haben sich Hamilton und Mercedes auf Experimente bei der Abstimmung eingelassen, zuletzt im Freitagstraining in Kanada. Und immer mehr zeigt sich dabei: Mag das Auto ein Set-up nicht, dann bockt es. Oder wie es Hamilton formuliert: "Das Set-up-Fenster für dieses Auto ist deutlich kleiner als bei jedem anderen Auto, das wir hatten."

Hamilton schließt Longrun im Training nicht mal ab

Der Mercedes W13 erweist sich also als schwierig abzustimmen und ist dementsprechend schwierig zu fahren, wenn die Abstimmung nicht passt. Letzteres hat Hamilton im Freien Training erlebt: "Ich habe deshalb meinen Longrun nicht abgeschlossen, weil das Auto in diesem Set-up-Fenster unfahrbar war."

Ohne näher ins Detail zu gehen, erklärt Hamilton weiter, man habe sich bewusst für einen Versuch bei der Abstimmung entschieden, habe seinen W13 anders eingestellt als das Schwesterauto von George Russell. Ergebnis: Russell erzielte ordentliche Rundenzeiten und gute Werte, Hamilton aber stieg entnervt aus.

"Es war ein Experiment, um zu sehen, ob das Auto so funktionieren würde, und es funktionierte nicht", sagt Hamilton, der auch bei manchen bisherigen Rennen alternative Abstimmungen und Teile ausprobiert hatte. In Kanada seien es "zwei unterschiedliche Varianten" gewesen und er habe im Freitagstraining schlicht "die katastrophale" erwischt.

"Dann haben wir die Daten zusammengeworfen und die Abstimmung dramatisch umgebaut. Damit war es deutlich besser, mehr in die Richtung, wie wir es erwartet hatten", sagt Hamilton. Der Silberpfeil habe im Rennen "eine gute Tendenz zum Untersteuern" gehabt, auch eine "bessere Traktion" und ein stabileres Heck. "Es war wie Nacht und Tag", meint er.

Das Bouncing ist dem Mercedes geblieben, aber weniger extrem

Einzig das Bouncing ist geblieben, wenn auch weniger ausgeprägt als zuvor in Baku. Es sei "bei Weitem nicht so schlimm" gewesen, sagt Hamilton. Und: "Man konnte es aushalten. Ich glaube trotzdem: Wir als Sport müssen das besser hinkriegen und wir als Team ebenso."

Doch handelt es sich hierbei um eine streckenspezifische Besserung oder hat Mercedes technisch nachgeholfen? Hamilton deutet Letzteres an, wenn er sagt: "Es liegt an der Aufhängung, die wir verwenden." Mehr sagt er dazu nicht, nur: Die Schläge, die er im Cockpit verspürt habe, seien etwa ein Fünftel oder ein Drittel dessen gewesen, was er in Baku zu erleiden hatte.

Das sei eine der positiven Erkenntnisse aus Montreal. "Und auch bei der Zuverlässigkeit sind wir wirklich stark", meint Hamilton. "Deshalb müssen wir jetzt weiter dranbleiben. Hoffentlich weiß ich, wo wir auf [Red Bull und Ferrari] verlieren. Denn darauf will ich mich konzentrieren."