Mick Schumacher lag im Qualifying nur zweimal vor Kevin Magnussen - Bildquelle: Motorsport ImagesMick Schumacher lag im Qualifying nur zweimal vor Kevin Magnussen © Motorsport Images

München - Der eigene Teamkollege ist immer der erste Gegner - diese Weisheit kennt in der Formel 1 jeder.

Denn die oberste Prämisse eines jeden Formel-1-Piloten ist es, erst einmal den Fahrer auf der anderen Seite der Garage zu besiegen. Im Grunde steht und fällt damit die ganze Karriere, weil es der einzig realistische Vergleich mit einem anderen Fahrer im Feld ist.

Besonders wird hier gerne auf das Qualifying-Duell geschaut, weil das die reine Geschwindigkeit eines Fahrers am besten darstellt. Zwar haben einige Fahrer ihre Stärken eher im Rennen, dort gibt es aufgrund von Aus- und Zwischenfällen aber einige Faktoren, die das Verhältnis verfälschen können. Trotzdem geben natürlich auch diese Duelle durchaus einen Einblick in das Kräfteverhältnis.

Am ausgeglichensten ist das Teamduell bislang in dieser Saison bei Mercedes. George Russell führt zwar in beiden Wertungen gegen Rekordweltmeister Lewis Hamilton, allerdings jeweils nur knapp mit 7:6.

Vor allem in den Rennen hat Hamilton zuletzt wieder seine Form gefunden. Russell lag zwischen Dschidda und Baku sieben Mal in Folge vorne und führte dort mit 7:1, doch die vergangenen fünf Rennen gingen alle an Hamilton, der jedes Mal auch auf dem Podium stand.

Klare Angelegenheit bei Red Bull - und Ferrari?

Deutlich einseitiger ist die Angelegenheit bei Red Bull, wo Max Verstappen seinen Teamkollegen Sergio Perez nach einer umkämpfteren Anfangsphase mittlerweile wieder im Griff hat. Der Niederländer führt im Qualifying mit 10:3 und war dort zuletzt fünfmal in Folge vorn, im Rennen führt er mit 9:4.

Perez konnte Verstappen nur in Monaco und Silverstone, wo sich ein Teil unter Verstappens Auto verklemmt hatte, auf der Strecke schlagen, ansonsten profitierte er von Verstappens Ausfall in Melbourne und davon, dass der Niederländer seine technischen Probleme in Bahrain eine Runde früher bekam als Perez - beide wurden damals als 18. und 19. gewertet.

Auch bei Ferrari ist zumindest das Qualifying eine deutliche Angelegenheit. Lediglich drei Erfolge hat Carlos Sainz jr. dort zu Buche stehen, gegenüber den zehn von Charles Leclerc. Den Sieg in Montreal bekam er durch die Motorenstrafe seines Teamkollegen im Grunde geschenkt - auf der anderen Seite profitierte aber auch Leclerc in Frankreich einmal von einer feststehenden Strafe.

Das Duell bei den Rennen ist mit 6:6 ausgeglichen. Auffällig dabei: Leclerc führte nach den ersten fünf Rennen mit 5:0, lag seit Barcelona aber nur einmal vor Sainz: beim Sieg in Spielberg. Die Liste der Gründe ist lang: von eigenen Fehlern wie in Frankreich über Technikpech in Barcelona und Baku bis zu Strategiefehlern Ferraris in Monaco, Silverstone und Ungarn.

Qualifying-Debakel für Ricciardo und Schumacher

Die beiden einseitigsten Qualifying-Duelle findet man bei McLaren und Haas. Daniel Ricciardo konnte seinen Teamkollegen Lando Norris erst zweimal schlagen (Rennen 4:9) und steht dementsprechend auch vor dem Rauswurf. Die gleiche Bilanz hat Mick Schumacher, der nur in Melbourne und Miami vor Kevin Magnussen gelandet war - und das jeweils als 15. und Letzter in Q2.

Dafür ist die Rennbilanz des Deutschen deutlich besser. Zwar liegt er in der offiziellen WM-Tabelle mit zwölf zu 22 Punkten auch dort deutlich hinter dem Dänen, eigentlich schrieb er aber achtmal das bessere Ergebnis - Magnussen nur viermal. Aber Magnussen war vorne, wenn es darauf ankam, wie beim fünften Platz zum Saisonauftakt in Bahrain.

Vettel hat Stroll im Griff

Sebastian Vettel hat seinen Teamkollegen Lance Stroll in seiner letzten Saison einigermaßen im Griff. Zwar führt der Deutsche in den Rennduellen nur knapp mit 6:5, im Qualifying steht es aber 8:3 für den Heppenheimer. Zuvor hatte sich Nico Hülkenberg zweimal mit dem Kanadier messen dürfen - da steht es aber in beiden Wertungen 1:1.

Während es im Mittelfeld bei AlphaTauri (für Pierre Gasly) und Alpine (im Qualifying für Fernando Alonso und im Rennen für Esteban Ocon) mit jeweils 8:5 in allen Wertungen recht ausgeglichen aussieht, finden sich die beiden generell einseitigsten Duelle bei Alfa Romeo und ganz hinten bei Williams.

Valtteri Bottas hat Rookie Guanyu Zhou erwartungsgemäß deutlich im Griff und führt im Qualifying mit 10:3, wobei der Finne in Baku, Montreal und Silverstone eine Schwächephase hatte und dreimal in Folge unterlag. Im Rennen konnte Zhou nur zweimal die Oberhand behalten - in beiden Fällen schied Bottas aber aus.

Latifi ohne Stich gegen Albon

Die wohl schlechteste Bilanz hat aber Nicholas Latifi aufzuweisen, dessen Bilanz von jeweils 3:10 gegen Alexander Albon noch geschönt ist. Ja, der Kanadier hat im Qualifying von Silverstone mit seinem Einzug in Q3 ein Ausrufezeichen gesetzt, ansonsten hatte er am Samstag klar das Nachsehen.

Die beiden weiteren Erfolge kamen in Melbourne, als der eigentlich schnellere Albon im Nachhinein aufgrund zu wenig Sprits disqualifiziert wurde, und in Imola, als Albon aufgrund einer explodierten Bremse keine Zeit setzen konnte.

In den Rennen profitierte Latifi zweimal von einem Ausfall des Thailänders. Zwar hat Albon im Gegenzug auch von drei Ausfällen Latifis profitiert, dennoch kam der Nordamerikaner nur ein einziges Mal vor seinem Teamkollegen ins Ziel: beim Rennen in Barcelona.

Die verbleibenden neun Saisonrennen sind für die Fahrer noch einmal Gelegenheit, ihre Bilanz aufzuhübschen.

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