Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel fährt 2022 im zweiten Jahr bei Aston Martin - Bildquelle: Motorsport ImagesFormel-1-Fahrer Sebastian Vettel fährt 2022 im zweiten Jahr bei Aston Martin © Motorsport Images

"Ich will gewinnen", sagt Sebastian Vettel. Davon aber ist der viermalige Formel-1-Weltmeister in der Saison 2022 weit entfernt. Denn die ersten Rennen haben gezeigt: Mit dem Aston Martin AMR22 darf sich Vettel höchstens einzelne Punktepositionen ausrechnen. Sein Traum von großen Erfolgen mit der britischen Traditionsmarke erfüllt sich nicht in diesem Jahr, vielleicht nie.

"Das Team sieht nicht so aus, als ob es Weltmeister werden kann", meint Formel-1-Experte Marc Surer im Video-Interview auf dem YouTube-Kanal von 'Formel1.de' und sagt weiter: "Also was soll [Vettel] da noch?" Die Antwort auf seine Frage gibt sich Surer gleich selbst: "[Vettel] erfüllt seinen Vertrag und dann sagt er bye-bye."

Möglich ist ein solches Szenario: Vettels Zweijahresvertrag mit Aston Martin läuft nach der Saison 2022 aus. Doch im Gespräch mit der französischen Nachrichtenagentur 'AFP' betont Vettel: "Ich habe noch keine Entscheidung zu meiner Zukunft getroffen."

Warum die sportlichen Aussichten eine Rolle spielen

Vielleicht macht er weiter, vielleicht nicht. Die sportlichen Erfolgsaussichten dürften dabei eine entscheidende Rolle spielen. "Ich bin nicht hier, um außerhalb der Top 10 anzukommen", sagt Vettel. Doch genau das ist häufig die Realität bei Aston Martin seit 2021. Oder wie es Vettel selbst formuliert: "Wir als Team wollten vorne dabei sein, aber wir sind jetzt hinten."

Weshalb sich einige Beobachter die Frage stellen, warum Vettel überhaupt noch mitfährt, obwohl "das Auto nicht geht", so Surer. "Dass er [nach den positiven Coronatests zu Saisonbeginn] zurückkommt und trotzdem fährt, spricht für ihn, weil er hilft dem Team. Er versucht das Team vorwärts zu bringen, und es gibt ja schon ein bisschen Anzeichen, dass es Besserungen gibt. Also er macht seinen Job."

Surer findet Vettels Einstellung "großartig", weil dieser sich eben nicht entmutigen lasse von der sportlich schwierigen Situation. "Er hätte auch das Handtuch schmeißen können und es hätte ihn keiner übelgenommen, außer vielleicht das Team", meint Surer.

Vettel: Wettbewerb immer und überall

Doch Vettel tickt anders. In allem, was er tue, sehe er einen gewissen Wettbewerbscharakter, erklärt Vettel. Ein Beispiel: "Wenn ich koche, dann soll es perfekt sein. Gelingt mir das nicht, bin ich enttäuscht. Dann denke ich darüber nach, wie ich es perfekt hinkriegen kann. Ich lege die Messlatte so hoch an."

Deshalb habe er aktuell "nicht den Eindruck, dass ich weniger gut fahre als früher", so Vettel. Er fügt hinzu: "Ich habe mich ziemlich weiterentwickelt. Meine Erfahrung hilft mir auch dabei, mich von gewissen Dingen nicht stressen zu lassen."

Surer sieht Vettel allerdings nicht mehr in allererster Reihe auftreten. Er könne sich "nicht vorstellen, welches Topteam" den Ex-Champion noch unter Vertrag nehmen würde. "Er ist bei Ferrari weg, er hatte sich die Chance ausgerechnet bei Aston Martin, da klappt es jetzt auch nicht." Außerdem dränge eine junge Fahrergeneration in die Formel 1.

Das, so betont Surer, bedeute nicht, dass Vettel zum alten Eisen zähle. "Wenn es normal läuft, schlägt er Stroll", sagt Surer. "Und wir wissen, dass zum Beispiel ein Perez sich immer schwergetan hat, Stroll zu schlagen. Also das ist schon ein Niveau, das er nach wie vor noch hat."

"Da ist eher die Frage der Motivation, wenn du weißt, ich kämpfe um den Platz zehn, ist das für einen viermaligen Weltmeister wirklich noch die Motivation, um alles zu geben? Ich weiß nicht."

Wie sich Vettel die Zeit "danach" vorstellt

Die Frage nach dem "Danach" wird Vettel daher immer häufiger gestellt: Seine Formel-1-Karriere ist ihrem Ende näher als dem Beginn. Ob Vettel also schon Pläne geschmiedet hat für die Zeit nach der aktiven Fahrtätigkeit?

Eine eindeutige Antwort bleibt aus. Vettel sagt nur so viel: "Vielleicht bleibe ich dem Rennsport erhalten, aber vielleicht nicht sofort. Es ist, was ich liebe, also wer weiß?"

Nur eine Sache schließt Vettel für seine Zukunft aus: "Ich werde kein TV-Experte."

Und es sei ihm darüber hinaus herzlich egal, wie die Öffentlichkeit seine Formel-1-Karriere im Rückblick betrachte. "Unterm Strich", meint Vettel, "kommt es doch nur darauf an, was ich fühle."