Max Verstappen hätte gleich zweimal auf Pole fahren können - Bildquelle: Motorsport ImagesMax Verstappen hätte gleich zweimal auf Pole fahren können © Motorsport Images

Was war denn da bei Max Verstappen los? Zweimal lag der Niederländer in der Schlussphase der Formel-1-Qualifikation von Singapur nach dem zweiten Sektor deutlich vor Charles Leclerc, doch beide Male brach er seine Runde ab, sodass er den Grand Prix am Sonntag nur von Startplatz acht aus angehen wird. Schuld war ein Missverständnis.

Es war schon kurios, dass Verstappen die vorletzte Runde abbrach, obwohl er mit zwei lila Sektoren 0,767 Sekunden vor Leclerc lag, dessen Bestzeit bis zum Ende halten sollte. Das war aber von Red Bull beabsichtigt, denn Verstappen lief auf Pierre Gasly (AlphaTauri) auf und wollte lieber Abstand halten und alles auf die letzte Runde setzen, als die aktuelle Zeit ins Ziel zu bringen.

Denn wäre er in der letzten Runde zu nah an Gasly gewesen, hätte er nicht mehr richtig attackieren können. Da war aber die abtrocknende Strecke am schnellsten, sodass Red Bull diese Chance nutzen wollte. Und es schien aufzugehen: Verstappen lag nach zwei Sektoren neun Zehntelsekunden unter der Bestzeit und sah wie der sichere Polesetter aus.

Dann aber bog er zum Erstaunen vieler in die Box ab - und zu seinem Ärger. "What the fuck? Warum?", fragte er wütend am Funk. Die Antwort ist aus Red-Bull-Sicht bitter.

Red Bull verrechnet sich

"In dieser Diskussion hat man übersehen, dass wir nur für fünf Runden getankt haben und deshalb haben wir die letzte Runde abbrechen müssen", gibt Motorsportkonsulent Helmut Marko im 'ORF' zu.

Denn wäre Verstappen noch einmal über die Ziellinie gefahren, hätte er danach noch eine Runde fahren müssen. Dann hätte er zu wenig Sprit im Tank gehabt und wäre mutmaßlich aus der Wertung genommen worden. "Das war eine Misscommunication", ärgert sich Marko.

"Das sowas passiert, haben wir immer gesagt, ist möglich. Das kann nicht nur Ferrari passieren, aber es ist natürlich doppelt ärgerlich, dass es hier passiert." Und noch einmal ärgerlicher ist es im Nachhinein, dass man dafür die Runde abgebrochen hat, die schon für die Poleposition gereicht hätte.

"Laut unserer Kalkulation wäre er 48,5 gefahren", sagt der Österreicher. Damit wäre Verstappen knapp eine Sekunde schneller gewesen als Leclerc, der 1:49.412 Minuten brauchte.

Verstappen bedient: "Unglaublich frustrierend!"

Statt von der Poleposition startet der Weltmeister damit am Sonntag nur von Rang acht und ist entsprechend bedient. "Sie haben mir gesagt, ich soll die [vorletzte] Runde abbrechen, also habe ich gesagt, okay, das können wir machen", schildert Verstappen.

"Aber dann haben sie mir in der letzten Runde gesagt, ich soll an die Box gehen, und da habe ich gemerkt, was passieren würde", so der Niederländer. "Uns ist der Sprit ausgegangen."

"Das ist unglaublich frustrierend und sollte nicht passieren", schimpft er und kritisiert sein Team: "Selbst wenn man zu wenig Sprit hat oder nicht plant, diese sechs Runden zu fahren, sollte man das zumindest während der gesamten Session verfolgen, um zu wissen, dass man es nicht schaffen wird. Wir hätten das schon viel früher erkennen müssen", ärgert er sich.

"Ich bin im Moment überhaupt nicht zufrieden. Ich weiß natürlich, dass es immer eine Teamleistung ist und ich Fehler machen kann, und auch das Team kann Fehler machen. Aber das ist niemals akzeptabel", sagt er. "Natürlich lernt man daraus, aber das ist wirklich schlimm. So etwas sollte nicht passieren."

Am Sonntag trotzdem siegfähig?

Verstappen steht nun am Sonntag vor einer schwierigen Aufgabe. Zwar hat er bei seinen jüngsten fünf Siegen auch von den Startplätzen sieben, zehn und 14 aus gewonnen, doch bei Red Bull weiß man, dass das in Singapur schwieriger werden dürfte.

"Das ist ja ähnlich wie Monte Carlo. Überholen ist ganz schwierig", sagt Marko, glaubt aber trotzdem noch an einen möglichen Sieg. "Angeblich ist ja Regen vorhergesagt und dann ist natürlich wieder einiges möglich", so der Österreicher.

Und: "Die positive Tendenz ist, dass wir schnell genug sind, um vorne mitfahren zu können. Aber hier nach vorne kämpfen, wird ganz, ganz schwer."

Pierre Gasly, der direkt vor Verstappen starten wird, macht sich nach den jüngsten Performances jedoch keine Sorgen, auch wenn es seiner Meinung nach "etwas schwieriger" auf dieser Strecke sein wird. "Vielleicht dauert es 15 Runden, bis er vorne ist", lacht er. "Aber mit Sicherheit wird er auf dem Podium landen - hinter Ferrari, die an diesem Wochenende ziemlich konkurrenzfähig aussehen."