Mick Schumacher hat seine Zukunft mit starken Leistungen selbst in der Hand - Bildquelle: Motorsport ImagesMick Schumacher hat seine Zukunft mit starken Leistungen selbst in der Hand © Motorsport Images

Die Chancen, dass 2023 zumindest ein deutscher Fahrer in der Formel 1 am Start sein wird, steigen. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' sind für das noch freie Cockpit im Haas-Team Mick Schumacher und Nico Hülkenberg inzwischen die beiden Topfavoriten. Und Schumacher hat es vermutlich selbst in der Hand, das Ticket für sich zu lösen.

Teamchef Günther Steiner und Teameigentümer Gene Haas bleiben bei der Ansage der vergangenen Wochen: "Wir stehen nicht unter Druck. Wir wollen die richtige Entscheidung treffen und nehmen uns die dafür nötige Zeit." Um, zum Beispiel, auch auf einem anspruchsvollen Stadtkurs wie Singapur zu sehen, inwieweit sich Schumacher seit Saisonbeginn weiterentwickelt hat.

"Das ist eine der Sachen, die man sich natürlich anschauen will: Wie schlägt sich Mick die nächsten Rennen?", erklärt Steiner. Denn aus seiner Sicht gilt es zu bewerten, ob der seit einigen Wochen gezeigte Aufwärtstrend Schumachers dem aus Formel 3 und Formel 2 bekannten Muster entspricht, dass er einfach etwas länger braucht, um eine Rennserie zu beherrschen.

"Im zweiten Teil der Saison war er viel besser als im ersten", stellt Steiner fest. "Ich weiß nicht, ob das bedeutet, dass sich die Geschichte wiederholt. Aber wir haben ja noch ein paar Rennen, um das sicherzustellen." Sollte Schumacher wie in den Nachwuchsserien nach eineinhalb Jahren konstant gute Leistungen zeigen, dann stehen seine Chancen für 2023 sehr gut.

Steiner lobt: Monza war ein gutes Rennen!

Womöglich muss auch menschlich der eine oder andere Graben überwunden werden. Dass die Stimmung zwischen Steiner und dem Schumacher-Umfeld 2022 nicht immer positiv war, konnte man zwischen den Zeilen mehrfach lesen. Zuletzt hatte Chefrenningenieur Ayao Komatsu angedeutet, dass man bei Haas etwa über Schumachers Verhalten in Spielberg nicht begeistert war.

Doch das Team bemüht sich um eine gute Atmosphäre. Mit Schumacher selbst, hat Steiner immer wieder betont, habe er ohnehin nie ein Problem gehabt. Und inzwischen ist sich der Teamchef auch nicht mehr zu schade dafür, dessen Leistungen öffentlich zu loben: "Monza, würde ich sagen, war gut", sagt Steiner zum Beispiel.

"Ich weiß ja, was das Auto kann und was es nicht kann. Und er ist ein gutes Rennen gefahren. Das Qualifying war schwierig für ihn, weil wir so viele Probleme hatten. Das erste Training ist er wegen Giovinazzi nicht gefahren, im zweiten hatten wir ein Problem mit der Elektronik, im dritten mit der Kupplung. Das Quali kann man also nicht zählen. Aber das Rennen hat er gut gemacht."

Magnussen gerät in Erklärungsnot

Langsam ändert sich bei Haas auch die teaminterne Dynamik. Kevin Magnussen war nach seinem herausragenden fünften Platz beim Saisonauftakt in Bahrain die gefühlte Nummer 1 im Team. Doch seit einigen Wochen dämmert den Ingenieuren, dass Schumachers Potenzial auf lange Sicht größer sein könnte als das des Dänen.

Magnussen scheint das zu spüren. Er kommt in Erklärungsnot, wenn er auf seine jüngsten Leistungen angesprochen wird: "Es war schwierig für mich, weil wir so oft den Ingenieur gewechselt haben. Da bin ich ein bisschen vom Weg abgekommen", sagt er. In Singapur arbeitet er erstmals mit Mark Slade zusammen, dem langjährigen Renningenieur von Kimi Räikkönen.

Magnussen hofft auf mehr personelle Beständigkeit

"Manchmal", gibt Magnussen zu, "habe ich Set-ups ausprobiert, die vielleicht nicht streng wissenschaftlich ausgetüftelt waren, sondern mehr aus dem Bauch kamen. Aber so arbeitet man in der Formel 1 heutzutage nicht mehr. Es ist schwierig, wenn der Ingenieur sich dauernd ändert. Vielleicht muss ich da jetzt einen Schritt zurück machen."

Bedeutet konkret: "Es nochmal so probieren wie am Saisonbeginn, einfach nochmal ganz vorn anfangen", sagt der 30-Jährige. "Ich arbeite jetzt mit Mark, dann in Japan wieder mit Dom (Harlow; Anm. d. Red.), in den USA wieder mit Mark. Es ist keine Ruhe drin. Hoffentlich kriegen wir die rein und ich kann mit Mark arbeiten, um dann nächstes Jahr gut zu starten."

Wer 2023 sein Teamkollege sein wird, sei ihm egal, betont Magnussen: "Ich mag Mick. Ich halte ihn für einen guten Fahrer und finde, dass er sich dieses Jahr enorm verbessert hat. Er hatte nicht den besten Saisonbeginn, aber er hat wirklich gut aufgeholt und in den letzten paar Rennen einen tollen Job gemacht. Besonders in den Rennen am Sonntag."

Haas in Singapur: Besser als Spa und Monza?

Was Singapur betrifft, erwartet Magnussen im Vergleich zu den Hochgeschwindigkeitsrennen in Spa und Monza, in denen Haas nicht konkurrenzfähig war, eine Steigerung. Topspeed ist nicht die Stärke des Teams, kurvenreiche Strecken schon eher. Das käme Schumacher, der sich für 2023 empfehlen möchte, natürlich gelegen.

Magnussen prophezeit: "Es ist definitiv so, dass uns Low-Downforce-Strecken nicht unbedingt liegen. Medium- und High-Downforce-Strecken sind sicher der Bereich, in dem wir am besten sind. Aber wir haben da keine Garantien", sagt er und ergänzt: "Aber stimmt schon: In der Theorie sollte Singapur besser für uns sein."