Köln/Abu Dhabi -Große Ovationen und feuchte Augen bei Sebastian Vettel vor dem Start, aber keine großen Geschenke auf der Strecke: Der viermalige Weltmeister hat sich mit Rang zehn und damit einem Pünktchen beim Großen Preis von Abu Dhabi in den selbst gewählten Formel-1-Ruhestand verabschiedet.

5635 Tage nach seinem Grand-Prix-Debüt kämpfte Vettel, der einige Jahre die Königsklasse dominiert hatte, leidenschaftlich um ein Top-Ergebnis - die von Aston Martin gewählte Ein-Stopp-Strategie erwies sich aber als Fehler.

"Wie konnten wir bei der Strategie nur so daneben liegen", funkte Vettel, als er neun Runden vor Rennende aus den Punkterängen fiel. Zumindest ein Punkt wurde es, weil sein alter Rivale und heutiger Freund Lewis Hamilton wegen Hydraulikproblemen spät ausschied.

Dennoch sagte der viermalige Weltmeister nach dem Rennen: "Ich hätte gern ein paar Punkte mehr gehabt, aber ich habe das Rennen genossen", sagte Vettel mit einem Lächeln: "Es ist ein großes Wochenende, ein großes Dankeschön an alle Fans. Ich bin mir sicher, dass ich das noch mehr vermissen werde, als es mir im Moment klar ist." Und er setzte hinzu: "Ich fühle mich im Moment etwas leer."

Max Verstappen holt den Sieg

Der Sieg ging an Weltmeister Max Verstappen, der mit 15 Erfolgen in einer Saison eine bemerkenswerte Rekordmarke aufstellte. Den zweiten Platz in der Fahrerwertung hinter dem alles überstrahlenden Red-Bull-Piloten sicherte sich Ferrari-Pilot Charles Leclerc durch Rang zwei vor Verstappen-Kollege Sergio Perez. Beide waren punktgleich ins Saisonfinale gegangen. 

Rekordweltmeister Lewis Hamilton musste sein Auto in seinem 200. Rennen für Mercedes abstellen. Damit riss eine beeindruckende Serie: Erstmals seit seinem Formel-1-Einstieg 2007 beendete der Brite eine Saison ohne Sieg.

Mick Schumacher belegte in seinem vorläufig letzten Formel-1-Rennen den 16. Rang. Abu Dhabi wird der 23-Jährige nicht nur wegen seiner Demission bei Haas schnell vergessen wollen: Im Rennen verursachte Schumacher übermütig eine Kollision mit dem Williams von Nicholas Latifi.

Nachdem er 2023 seinen Platz beim US-Rennstall für Nico Hülkenberg räumen muss, zerschlug sich für Schumacher am Sonntag auch die letzte, wenn auch kleine Chance auf ein Stammcockpit in der kommenden Saison.

Den Platz bei Williams sicherte sich Logan Sargeant. Der US-Amerikaner beendete die Formel-2-Saison als Gesamtvierter und sammelte damit die notwendigen Punkte für den Königsklassen-Führerschein, die sogenannte Superlizenz. Eine realistische Option für Schumacher ist nun ein Platz als Ersatzpilot beim Topteam Mercedes.

Um das Sportliche ging es für den 35-jährigen Vettel am Ort seines ersten Titelgewinns 2010 nur noch am Rande. Dafür war reichlich Raum vorhanden für Emotionen. So überraschte Vater Norbert Vettel seinen berühmten Sohn mit dem ersten Rennhelm, den ersten Rennhandschuhen und dem ersten Overall. Schumacher und Alonso trugen in Abu Dhabi Helme im typischen Vettel-Design: weiß mit schwarz-rot-gold.

Sebastian Vettel: Ein emotionales Wochenende

Vettel wiederum war am Donnerstag mit allen Fahrerkollegen zum Abendessen verabredet, für Samstagabend lud er das gesamte Fahrerlager ein, mit ihm eine letzte Runde auf der Strecke zu laufen. Viele folgten seinem Ruf, unter anderem Formel-1-Boss Stefano Domenicali und Kumpel Mick Schumacher. "Der Lauf war mega, es hat sehr viel Spaß gemacht", freute sich Vettel. Sein Ex-Team Ferrari schenkt ihm eine Motorabdeckung, überall im Paddock prangte der Schriftzug "Danke Seb".

Der aus dem beschaulichen Heppenheim stammende Vettel verlässt die Formel 1 als einer der ganz Großen. Von 299 Grand Prix gewann er 53 - erstmals 2008 in Monza im unterlegenen Toro Rosso, zuletzt 2019 in Singapur für Ferrari. 57-mal stand der Hesse auf der Pole Position. Von 2010 bis 2013 gewann er die Fahrer-WM. 2009, 2017 und 2018 wurde er Vizeweltmeister.

Für Vettel steht mittlerweile aber nicht mehr nur das Rennfahren im Fokus. "Es gibt wichtigere Dinge, als im Kreis zu fahren", sagte der viermalige Weltmeister nach seinem 299. Grand Prix: "Aber es ist das, was wir lieben. Es war eine absolute Freude während meiner ganzen Karriere", stellte der Heppenheimer klar.

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