Sebastian Vettel bei seinem Dreher in Silverstone. - Bildquelle: HOCH ZWEI/Pool/REUTERSSebastian Vettel bei seinem Dreher in Silverstone. © HOCH ZWEI/Pool/REUTERS

München – Ein Satz reicht. Er fasst die Gemütslage perfekt zusammen, bringt die Situation auf den Punkt. Mehr muss man über die Formel-1-Saison von Sebastian Vettel nicht wissen.

"Ich glaube, von da wo ich bin, kann es nicht mehr viel schlimmer werden", meinte der 33-Jährige nach zwei desaströsen Wochen in Silverstone. 

Der Tiefpunkt ist erreicht, weiter runter geht es tatsächlich kaum. Keine Frage: In dieser Corona-Saison scheint nichts normal zu sein.

Verhältnis zerrüttet

Viel ist passiert, viel zwischen den Zeilen wie Vettels eisiges Schweigen am Funk, oder die Vorwürfe, mal zurückhaltend, mal offensiv formuliert. 

Das Verhältnis zwischen Ferrari und Vettel ist seit der Posse um die Entscheidung des Rennstalls, ohne Vettel weiterzumachen, belastet. Inzwischen scheint es zerrüttet, das Vertrauen zerstört, auch wenn beide Seiten das Gegenteil behaupten. 

Vettel hat mit seinen Fehlern auch dazu beigetragen, bietet Angriffsfläche. Allerdings hat er sich in der Vergangenheit immer vor das Team gestellt, egal, wer gepatzt hat. Diese Rückendeckung gibt es für ihn im Moment nicht.

Von Verschwörungstheorien wie einem absichtlich schlechteren Auto will er nichts wissen, auch wenn er sich den Rückstand auf seinen Teamkollegen Charles Leclerc nicht erklären kann. Ist es gar Sabotage? Ist es das Chassis? Der Fahrstil? War es die Strecke? "Ich weiß es nicht. Ich denke ... Es gibt etwas, das ich übersehe. Ich bin aber nicht sicher, was es ist", sagte er.

Frust sitzt tief

Fakt ist: Die ungewöhnliche verbale Offenheit und Härte, mit der Vettel in der Öffentlichkeit zur Sache geht, zeigt, wie tief der Frust sitzt.

In Italien sind sie schwer genervt von Vettel. Die "Gazzetta dello Sport" wetterte gegen den Deutschen: "Das Dreher-Festival geht weiter, dieses Jahr stehen wir schon bei zwei. Aber anstatt, dass der Deutsche seine Schuld eingesteht, beschuldigt er die Maschine und die Strategie. Es wird Zeit, eine neue Platte aufzulegen."

Wie sagt man so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Ja, das Aus zwischen Vettel und Ferrari ist sowieso absehbar, doch so, wie es im Moment läuft, ist es unwürdig, und das gilt für beide Seiten. 

Berger: Wechsel vorziehen

DTM-Chef Gerhard Berger schlägt deshalb das vor, was bereits einige Beobachter für das Beste halten: die Trennung vorziehen. Berger, der Vettel zuletzt bereits nahelegte, nach der Saison seine Karriere zu beenden, sagte bei RTL: "Am besten wäre es für die Stimmung in den Teams, wenn man jetzt schon auf die Konstellation von 2021 wechselt."

Das würde bedeuten, dass es zum großen Stühlerücken kommen müsste: McLaren-Pilot Carlos Sainz geht dann vorzeitig zu Ferrari, für den Spanier kommt Daniel Ricciardo zu McLaren und Fernando Alonso ersetzt den Australier bei Renault.

Oder aber Ferrari setzt auf Ersatzmann Antonio Giovinazzi, der für Alfa Romeo an den Start geht. Für den Italiener wiederum gibt es mehrere Alternativen wie Ersatzmann Robert Kubica oder Marcus Ericsson. Nicht zu vergessen Nico Hülkenberg, der als Joker ja auch noch da ist.

Ohne Cockpit

Was in beiden Fällen die Folge wäre: Vettel stünde komplett ohne Cockpit da. Stellt sich die Frage, welches Ende unwürdiger wäre, das vorzeitige oder das am Saisonende. 

Hinzu kommt: Der 33-Jährige ist eigentlich keiner, der den Kopf in den Sand steckt, der aufgibt oder wegläuft. Schwer vorstellbar, dass der 33-Jährige tatsächlich hinschmeißt. Doch schwer vorstellbar war die momentane Situation vor einigen Wochen auch. 

"Ich bin ein optimistischer Mensch. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, versuche ich, mein Bestes zu geben. In der Hinsicht hatte ich jetzt nicht meine besten vier, fünf, sechs Tage", sagte Vettel.

Er freue sich auf das nächste Rennen, so Vettel: "Ich bin mir sicher: Wenn ich wieder ein normales Rennen habe, dann bin ich auch weiter vorne."

Doch was ist 2020 schon normal? 

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