Sebastian Vettel (ganz rechts) war zu Gast in einer britischen Politik-Talks... - Bildquelle: BBC Question Time (Twitter)Sebastian Vettel (ganz rechts) war zu Gast in einer britischen Politik-Talkshow © BBC Question Time (Twitter)

Sebastian Vettel hat bei seinem Auftritt in der 'BBC'-Fernsehsendung 'Question Time', vergleichbar etwa mit dem deutschen ARD-Format "Hart aber fair", viele Sympathien gesammelt. Nicht nur wegen seiner humorigen Art, etwa als er das britische Publikum mit dem "Brexit" aufzog, sondern auch mit seinem offenen Umgang mit Selbstzweifeln.

Es geht gerade um das Thema Umweltschutz und Unabhängigkeit von russischem Öl und Gas, als Moderatorin Fiona Bruce Vettel attackiert, ob er nicht ein Heuchler sei, solche Fragen aufzuwerfen, wenn er doch gleichzeitig im wahrscheinlich fossilsten Sport der Welt, der Formel 1, als Fahrer antrete.

Auf das Lachen des Publikums reagiert Vettel souverän: "Ihr habt recht, dass ihr da lacht", sagt er - und räumt ein, seinen Job tagtäglich zu hinterfragen: Das Rennfahren sei eben seine große Leidenschaft, "aber wenn ich aus dem Auto aussteige, denke ich mir auch: 'Sollten wir das wirklich tun, um die Welt reisen und Ressourcen zu verschwenden?"

Mit der U-Bahn in London unterwegs

Vettel war mit der U-Bahn zur Aufzeichnung der Sendung in London gefahren. Aber der viermalige Formel-1-Weltmeister räumt ein, nicht immer so sauber mobil zu sein: "Es gibt vieles, was ich besser machen kann. Nehme ich jedes Mal das Flugzeug? Nein, nicht wenn ich mit dem Auto fahren kann. Manches habe ich unter Kontrolle, manches auch nicht."

Es sei legitim, findet Vettel, die Formel 1 zu hinterfragen. Ob es notwendig sei, dass man für rennfahrende Autos einen ganzen Reisetross durch die Welt jetten müsse. "Fragen, die ich mir selbst auch stelle", unterstreicht er. Andererseits sei nicht alles an der Formel 1 schlecht. Man habe zum Beispiel als eine der ersten Sportarten in der Pandemie wieder Unterhaltung geboten.

"Wir waren mit die Ersten, die angefangen haben, als bei vielen Menschen die Köpfe zu explodieren drohten. Ich sage nicht, dass die Formel 1 so wichtig ist, Unterhaltung in die Welt zu liefern. Es gibt aber viele Bereiche der Unterhaltung - Sport, Kultur, Kabarett -, die nicht stattfinden konnten und die vielen Menschen gefehlt haben. Wenn wir das nicht hätten, würden wir durchdrehen."

Vettel: Lacher des Publikums auf seiner Seite

In der Sendung geht es teilweise auch im britische Innenpolitik. Als etwa die umstrittenen COVID-Gartenpartys des britischen Premierministers Boris Johnson diskutiert werden, setzt Vettel sein spitzbübisches Grinsen auf und meint: "Wenn du in der Position bist, gibt's einfach bestimmte Dinge, die kannst du nicht bringen!"

Beim Thema "Brexit", das zwischen Publikum und den anwesenden Politikern emotional diskutiert wird, muss Vettel grinsen - sinngemäß: "Ihr habt euch den Mist eingebrockt, jetzt müsst ihr ihn auch wieder auslöffeln!" Statt Buhrufen erntet Vettel für die Wortmeldung aber Applaus und Zuspruch von den anwesenden Zuschauern.

Er ermutigt die Briten, den Dialog zur Europäischen Union wieder aufzunehmen, und fordert bei seinem Herzensthema Umweltschutz erneut einen frühestmöglichen Ausstieg aus fossilen Energieträgern: "Die Lösungen sind ja da. Ihr in Großbritannien sitzt auf einer echten Goldmine, nämlich der Windkraft."

Erwähnung von Österreich beim Thema Energie

Jedes Land habe im Energiebereich andere Vorzüge, ist Vettel klar - und nennt dabei Österreich als eines der Beispiele: "Die haben die Alpen und sie haben Wasser. Das Wasser können sie auf den Berg pumpen, dort speichern - und es wieder runterfließen lassen, wenn sie die Energie brauchen." Wieder woanders habe man viel Sonne und könne daher auf Solar setzen.

Von russischen Energielieferungen hält Vettel nichts. Erstens, weil diese den Krieg in der Ukraine indirekt finanzieren. Jeden Tag sterben unschuldige Menschen, so der Formel-1-Pilot, und alle anderen Argumente seien so gesehen zweitrangig, wenn auch sehr ernst zu nehmen. Es sei ihm klar, sagt er, dass die Politik gerade komplexe Probleme lösen muss.

Vettel stellt sich gegen Energielieferungen aus Russland

Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist seiner Meinung nach alternativlos, "nicht nur, um unabhängiger zu werden, sondern auch, damit wir auch in Zukunft noch auf einem lebenswerten Planeten leben können". Dass fossile Energieträger die Menschheit langfristiger viel teurer kommen als erneuerbare, haben seiner Meinung nach viele noch nicht verstanden.

Erneuerbare Energieträger sollte man seiner Meinung nach als "Friedens- oder Freiheitsenergie" bezeichnen, weil erstens in der Vergangenheit viele Kriege wegen Öl geführt wurden und zweitens eine stabile und nachhaltige Energieversorgung langfristig betrachtet auch und gerade für Geringverdiener die einzige Chance auf leistbaren Strom und Benzin sein wird.

Sich von fossilen Energien unabhängig zu machen, sei aber auch aus politischen Gründen wichtig. Großbritannien beziehe einen Großteil seiner Energie von Norwegen. Auch dort könne man nicht wissen, wer irgendwann mal an der Macht ist, sagt Vettel - wie das viele trotz seiner Meinung nach ausreichender Warnsignale auch bei Wladimir Putin nicht kommen sehen haben ...