Anton Segner hat einen Traum: Er will der erste deutsche Rugby-Spieler werde... - Bildquelle: GettyAnton Segner hat einen Traum: Er will der erste deutsche Rugby-Spieler werden, der das Trikot der neuseeländischen Nationalmannschaft trägt. In der Jugend hat er es schon geschafft. Der Weg zu den Profis ist aber noch lang. © Getty

München/Nelson - Der deutsche Rugby-Spieler Anton Segner erobert Neuseeland. Er ist Kapitän einer der traditionsreichsten College-Mannschaften des Landes, wurde als Austausch-Schüler in die neuseeländische U18-Nationalmannschaft berufen und hat bereits jetzt seine ersten Profi-Verträge unterzeichnet.

ran.de spricht mit dem Frankfurter über seinen ungewöhnlichen Weg, seinen ersten Haka und den Traum, einmal für die neuseeländische A-Nationalmannschaft auf dem Feld zu stehen:

ran.de: Herr Segner, Sie spielen für die U18-Nationalmannschaft Neuseelands. Wie kam das zustande?

Anton Segner: Das habe ich zum ersten Mal letztes Jahr geschafft. Da sind wir nach Brisbane geflogen, haben gegen Tonga, die Australia Barbariens und die Australia Schools gespielt und alle drei Spiele gewonnen. Das war von den Regeln kein Problem, denn man muss dafür nur auf eine neuseeländische Schule gehen, um für das Team spielen zu dürfen. Als ich herkam dachte ich nicht einmal, dass ich es in die erste Mannschaft meiner Schule schaffe. Dass ich dann für die Nationalmannschaft spielen durfte, war einfach nur unglaublich.

ran.de: Wie sind Sie überhaupt nach Neuseeland gekommen?

Segner: In Frankfurt wurde ich fünf Jahre lang von Tim Manawatu trainiert. Dann hat Tim ein Angebot hier in Nelson von einer Schule bekommen. 2016 ist er mit seiner Familie hergezogen und ein Jahr später hat er mich kontaktiert und gesagt, dass ich eine Chance hätte, fürs Nelson College zu spielen. Auch wenn meine Eltern zunächst nicht von der Idee überzeugt waren, hatte ich richtig Bock in Neuseeland Rugby zu spielen. Ich konnte sie dann überreden.

ran.de: Manawatu hat dann den Kontakt hergestellt, Sie haben überzeugt und sind mit 15 Jahren alleine nach Neuseeland gegangen. Wie wurden Sie zu Beginn aufgenommen?

Segner: Ich wurde immer wieder gefragt, wie ich auf Rugby gekommen bin und ob man in Deutschland überhaupt Rugby spielt.

ran.de: Wie haben Sie geantwortet?

Segner: Ich habe immer gesagt, dass Fußball der dominante Sport ist und ich genau deswegen nach Neuseeland gekommen bin. Hier läuft jedes Kind mit einem Rugby-Ball unter dem Arm rum und an jeder Ecke gibt es Rugby-Stangen. Das ist genau das, was ich wollte. Und auch wenn es am Anfang ein paar blöde Blicke gab, dass ein Deutscher hier versucht Rugby zu spielen, hat es sich am Ende gelohnt.

ran.de: Sie sind Kapitän ihrer Schulmannschaft, wollen diese Rolle auch bald bei der U18-Nationalmannschaft einnehmen. Natürlich träumen Sie da auch von der A-Nationalmannschaft. Was muss dafür noch passieren?

Segner: Ende letzten Jahres habe ich einen Vertrag für die zweite neuseeländische Liga unterschrieben. Der nächste Schritt ist dann ein "Super Rugby Vertrag", also für die erste Liga. Am liebsten würde ich bei den Crusaders aus Christchurch unterschreiben, weil die die meisten "All Blacks" gestellt haben. Außerdem muss ich fünf Jahre im Land leben und darf es nicht länger als sechs Wochen pro Jahr verlassen, bevor ich den neuseeländischen Pass bekomme. Deswegen kann ich auch nicht für die U20 spielen, weil da die Regelung auch schon gilt. 2017 bin ich nochmal nach Deutschland, um mein Schuljahr da zu beenden. Deswegen bin ich jetzt quasi im zweiten Jahr.

ran.de: Schon die Jugendmannschaften tanzen den berüchtigten Haka vor Spielbeginn. Wie war es für Sie, den das erste Mal zu tanzen?

Segner: Das war ein unglaubliches Ereignis in meinem Leben. Als ich in Deutschland war, habe ich den Haka der "All Blacks" nur auf Youtube gesehen. Und dann habe ich mich plötzlich wie in den Videos gesehen, die ich als kleines Kind geguckt habe.

ran.de: Wie haben Sie den Haka gelernt?

Segner: Jede Schule in Neuseeland hat ihren eigenen Haka. Für den Schul-Haka habe ich mich für ein Wochenende mit einem Freund zusammengesetzt und er hat mir die Wörter und die Aktionen beigebracht. Beim Haka für die Nationalmannschaft war das Glück, dass ich viele Wörter und Aktionen von den ganzen Videos schon kannte, die ich früher geschaut habe. Deswegen war es ziemlich einfach (lacht).

ran.de: Gibt es Momente, in denen Sie Heimweh nach Deutschland haben?

Segner: Ich vermisse meine Familie natürlich sehr. Aber in den letzten drei Jahren hatte ich nicht einmal Heimweh. Solange ich weiß, dass ich hier mit meinem Erfolg meine Familie stolz mache, bin ich auf jeden Fall glücklich. Und ich habe auch nicht wirklich Zeit für Heimweh, weil ich am Trainieren bin, Zeit mit meinen Freunden verbringe. Ich bin hier in guten Händen und das weiß meine Familie auch.

ran.de: Wie oft sind Sie überhaupt noch in Deutschland?

Segner: Ich bin einmal im Jahr über Weihnachten in Deutschland.

ran.de: All der Erfolg basiert auf ganz viel Arbeit. Wie sieht so eine Woche bei Ihnen aus?

Segner: Montags, dienstags und donnerstags stehe ich um 6:30 Uhr auf und bin um 7 Uhr im Kraftraum. Ich habe viermal die Woche positionsspezifisches Training, einmal Videoanalyse, einmal Ausdauertraining und einmal Ball-Skills – also den Ball fangen, rennen, passen und sowas. Dienstags und donnerstags bin ich mit dem Team auf dem Feld und wir trainieren unseren Game-Plan. Am Freitag haben wir einen Captains-Run, wo wir durch unsere letzten Spielpläne laufen. Samstags ist ein Spiel und sonntags haben wir eine Pool-Session zur Erholung.  

ran.de: Auch Ihre Ernährung ist speziell. Stimmt es, dass Sie zum Frühstück rohes Eiweiß trinken?

Segner: Ja, das stimmt. Das mache ich mittwochs und freitags. Das schmeckt nach nichts, aber ich probiere es auch so schnell es geht zu trinken. Denn die Konsistenz ist schon ein bisschen ekelhaft (lacht). Montag, Dienstag und Donnerstag trinke ich nach meinem Krafttraining Proteinshakes. Das ist quasi mein Frühstück. Wir bekommen hier Ernährungspläne, die ich verfolgen kann.

ran.de: Für die Karriere verzichten Sie auch auf Alkohol und essen so gut wie keine Süßigkeiten. Wie schwer ist der Verzicht?

Segner: Da ich noch nie einen Tropfen Alkohol probiert habe, fällt mir das gar nicht schwer. Seit sechs oder sieben Jahren trinke ich auch nur noch Wasser – abgesehen von den Proteinshakes. Wenn man das so lange macht, dann hat man auf nichts anderes mehr Bock. Und bei Süßigkeiten weiß ich einfach, dass ich besser spielen kann, wenn ich darauf verzichte. Daher fällt es mir leicht.

ran.de: Sie leben in Neuseeland, das alles kostet Geld. Wie finanzieren Sie das?

Segner: Ich habe quasi ein halbes Stipendium von der Schule. Glücklicherweise kriege ich von meinen Eltern finanzielle Unterstützung. Das ist quasi das Taschengeld, wovon ich mir Essen kaufen kann und manchmal bleibt auch etwas übrig für ein Paar Turnschuhe oder so.

ran.de: Wie wird es in Zukunft weitergehen?

Segner: Zum Glück habe ich bereits Profi-Verträge unterschrieben, die nächstes Jahr anfangen. Da verdiene ich dann mein eigenes Geld. Davon kann ein normaler Mensch auf jeden Fall leben. Aber hoffentlich kriege ich auch nächstes Jahr noch ein bisschen finanzielle Unterstützung von meiner Familie (lacht).

ran.de: Die "All Blacks" gehören auch zu den Topfavoriten bei der WM. Wie ist die Erwartungshaltung im Land?

Segner: Die Leute hier sehen sich auch als Favorit. Hier wird dann alles schwarz gemacht. Beim Burgerladen sind plötzlich die Brote schwarz, die Milchkartons sind schwarz – einfach alles. Die "All Blacks" gehören zur Kultur, das sind quasi die Götter in Neuseeland. Ich glaube fest daran, dass sie den Titel holen.

ran.de: Auf welchen neuseeländischen Spieler sollten die deutschen Rugby-Fans besonders achten?

Segner: Mein Lieblingsspieler ist auf jeden Fall Ardie Savea. Aber gibt es auch noch Superstars wie Beauden Barrett, der seit den letzten Jahren alle Teams auseinander nimmt.

Das Interview führte Julian Reusch

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