Diue ran Rugby-Experten (von links): Manuel Wilhelm, Jan Lüdeke und Simon Ju... - Bildquelle: getty Diue ran Rugby-Experten (von links): Manuel Wilhelm, Jan Lüdeke und Simon Jung © getty

München - Sehenden Auges ins Unheil. Zumindest erhält der Rugby-Fan diesen Eindruck.

Nach der Absage zweier Gruppenspiele bei der Rugby-WM in Japan (bis 2. November live auf ProSieben MAXX und ran.de) wegen des heranziehenden Tropensturms "Hagibis" sorgt der Eingriff ins Turniergeschehen einerseits für Verständnis, andererseits für reichlich Kritik.

Um die Sicherheit der Athleten und Zuschauer zu gewährleisten sei der Schritt nachvollziehbar, sagen die ran Rugby-Experten Manuel Wilhelm und Simon Jung sowie Kommentator Jan Lüdeke. Allerdings sehen sie große Versäumnisse beim Verband und Gastgeber Japan.

"Die Sicherheit der Fans, Helfer und Spieler hat absolute Priorität, darüber gibt es keine zwei Meinungen", sagt der ehemalige deutsche Rugby-Nationalspieler und heutige Sportdirektor des Deutschen Rugby-Verbandes Wilhelm.

"Jetzt kommt das aber: Im European Challenge Cup erhalten - zumeist vermeintlich kleinere Teams aus Russland oder Italien - empfindliche Geldstrafen und Punktabzüge, wenn ihre Plätze bei Schnee und Eis nicht bespielbar sind und keine Ausweichspielfelder zur Verfügung stehen."

Zwei Gruppenspiele fallen nun dem heranziehenden Wirbelsturm zum Opfer - ohne Ausweichplatz, ohne Ausweichtermin. Ersatzlos gestrichen. 

"In Japan erreicht unter Umständen der Ausrichter aufgrund höherer Gewalt das Viertelfinale", sieht Wilhelm Eingriff in den sportlichen Ausgang. "Selbst kleine Nationen werden bei Länderspielen mit penibelsten Anforderungen bezüglich der Beschaffenheit ihrer Spielfelder gegängelt, aber eine Bewerbung von Japan zur Unwetter-Hochsaison wird durchgewunken."

Vor allem der Ausfall der Partie zwischen Neuseeland und Italien hat großen Einfluss auf die K.o.-Runde. "Erschwerend kommt hinzu, dass Italien um seine - sei sie auch noch so klein - sportliche Chance auf ein Weiterkommen gebracht wurde. Auch das Spiel England gegen Frankreich ist nicht unbedeutend." Dass der Gastgeber keine Alternativen habe, kann Wilhelm nicht nachvollziehen. 

"Dies schadet der Integrität des Wettbewerbs!"

"Warum hat man die für die K.o.-Runde entscheidenden Spiele nicht an andere Orte gelegt und die an Taifun-sicheren Standorten angesetzten Spiele zwischen Teams die ohnehin nicht mehr Weiterkommen, dementsprechend nach Hinten geschoben. Hier mangelte es an Flexibilität und Kreativität. Für den Weltverband ist das kein Ruhmesblatt und es schadet der Integrität des Wettbewerbs", kritisiert Wilhelm. 

ran-Kommentator Lüdeke sieht es ähnlich: "Der Weltverband hat die WM nach Japan vergeben und wusste um die Taifun-Saison. Dann keinen Plan B in der Tasche zu haben, solche Spiele verlegen zu können, ist peinlich und allen Teilnehmern gegenüber respektlos. Wir reden hier von einem Endspiel um den Gruppensieg zwischen England und Frankreich sowie einem Endspiel um das Viertelfinale zwischen Neuseeland gegen Italien - ganz egal wie realistisch oder unrealistisch ein italienischer Sieg gewesen wäre."

Lüdeke sieht Einfluss auf die Turnier-Entscheidung

Der Moderator ist sich sicher: "Diese Absagen werden Einfluss auf die WM nehmen, in welcher Form auch immer. Ich weiß nicht, ob England im Viertelfinale einen Vorteil haben wird, weil das Team zwei Wochen Pause hatte - oder vielleicht sogar einen Nachteil, weil es ohne ernsthaften Test in die K.o.-Phase geht. Ein Spiel mit über einstündiger Überzahl gegen Argentinien halte ich für keinen echten Test. Aber diese Absagen werden den Verlauf beeinflussen!"

 

Neben den Fans denkt Lüdeke auch an die Akteure: "Abseits des sportlichen Aspekts tun mir Spieler wie Sergio Parisse oder Leonardo Ghiraldini leid. Eine Legende wie Parisse beendet so seine WM-Karriere ohne abschließendes Spiel, Ghiraldini sollte gegen die All Blacks einen Abschiedseinsatz bekommen. Ich kann nur hoffen, dass Japan gegen Schottland stattfindet. Ein Weiterkommen dieser sympathischen japanischen Mannschaft am Grünen Tisch würde diese wundervolle Geschichte zerstören."

Jung: "Es steht viel auf dem Spiel!"

ran-Experte Jung sieht in der Absage eine klare Benachteiligung der Italiener und beruft sich auf ein Zitat von Italiens Kapitän: "Ich wiederhole in dem Fall gerne die Worte von Sergio Parisse: 'Wenn die All Blacks aus diesem Spiel vier oder fünf Punkte bräuchten, wäre es nicht komplett abgesagt worden.'"

Jung weiter: "World Rugby hat den einfachen Weg gewählt, Spiele abzusagen, in denen eigentlich nicht mehr viel hätte passieren können."

Das für Sonntag angesetzte Spiel Japan gegen Schottland - das derzeit noch nicht von den Absagen betroffen ist, darf laut Jung "nicht einfach sang- und klanglos abgesagt werden". Käme es wie Lüdeke bereits anmerkt zu einem Weiterkommen der Japaner am Grünen Tisch aufgrund der Absage, hätte dies ein bösen Beigeschmack.

"Dafür steht zu viel auf dem Spiel! Das müssten sie meiner Meinung nach wenn dann verschieben. Dann wiederum müssen eigentlich alle drei Spiele verschoben werden, um den Wettbewerb fair zu halten."

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