Der Fußball kann vom Rugby einiges lernen. - Bildquelle: imago images/Inpho PhotographyDer Fußball kann vom Rugby einiges lernen. © imago images/Inpho Photography

München – Es ist ermüdend. Frustrierend. Und am Ende einfach nur noch desillusionierend. Denn es ist immer wieder das Gleiche. Ätzend. Ewige Diskussionen, unnötiges Lamentieren, unaufhörliches Meckern. Kein Fußballspiel ohne Unterbrechungen, in denen nicht wild gestikuliert und rumgehampelt wird. 

Und dann diese andauernden Schauspieleinlagen. Sie sind inzwischen so lächerlich und werden so inflationär und plump eingesetzt, dass man nicht mehr anders kann, als sich zu schämen. Und zu langweilen. Denn die emotionale Phase der Wut wurde durch Gleichgültigkeit verdrängt.

 

Vom ganzen Brimborium rund um das Spiel ganz zu schweigen. Der völlig überzogene, groß aufgezogene und überladene Event-Charakter hat den eigentlichen Charakter des Spiels versaut. Übersättigung droht schon lange in Zeiten, in denen es keinen Tag mehr ohne Fußball gibt. 

Es geht um Milliarden

Gut, dass jetzt bald auch noch die "Europa Conference League" eingeführt wird. Gähn.

Denn es geht schon lange nicht mehr um das Spiel an sich, sondern um die Milliarden, die sich damit verdienen lassen. 

Keine Frage: Als mündiger Fußball-Fan weiß man das alles. Und schaut trotzdem immer wieder hin. Weil es wie in einer guten Ehe ist: In guten wie in schlechten Zeiten. Im Moment hat man es als Fußball-Romantiker eben nicht so leicht.

Denn es gibt da ein Problem: Immer mal wieder wird man daran erinnert, wie es sein könnte. Denn dass es anders geht, ist kein Geheimnis. Doch man verdrängt das. Wodurch es dann umso mehr schmerzt, wenn man darauf hingewiesen wird. Man wird sozusagen mit dem Vorschlaghammer aus der Verdrängungsphase geholt. 

Jaja, eigentlich sind Vergleiche verpönt, diese "Das kann der Fußball von Sportart XY lernen"-Artikel mögen schief sein und vor allem nichts ändern.

Finger in die Wunde

Trotzdem: Was im Januar der Handball war, ist jetzt Rugby. In Deutschland ein Nischen-Sport, legt die WM in Japan (live auf ProSieben MAXX und ran.de) mal wieder den Finger in die Wunde. 

Diese herrlichen Heroen stürzen sich in eine Schlacht, die so unfassbar brutal erscheint, in Wirklichkeit aber zu den fairsten Sportarten gehört. Keine miesen Tricks, keine versteckten Fouls, und vor allem keine Schwalben. Was zeigt: Es könnte so schön sein, so ehrlich, so fokussiert sein auf das, was auf dem Platz passiert. Auf das, worum es am Ende gehen soll.

All das garniert mit Respekt, der im Fußball zumeist nur noch propagiert, aber nicht mehr vorgelebt wird. Die Tacklings sind krachend, ebenso wie der Handshake danach. 

Was der Schiedsrichter sagt und entscheidet, ist Gesetz. Der frühere deutsche Nationaltrainer Peter Ianusevici brachte das einmal sehr anschaulich auf den Punkt: Der Schiedsrichter im Rugby kommt gleich hinter dem lieben Gott. Sprechen dürfen sowieso nur die Kapitäne. Rudelbildungen? Undenkbar. 

Eine Wohltat

Dass der Videobeweis im Rugby auch noch besser funktioniert, ist da nur noch das ironische I-Tüpfelchen. 

Unter dem Strich ist es eine Wohltat. 

Ein Sport, bei dem der Sport noch im Mittelpunkt steht. Es gibt nicht umsonst den Spruch, den Schriftsteller Oscar Wilde formulierte: "Rugby ist ein Hooligan-Sport betrieben von Gentlemen, Fußball ein Gentlemen-Sport betrieben von Hooligans."

Es ist bei allem auch der Bezug zur Basis, der einen Sport ausmacht. Den verliert der Fußball mehr und mehr. Wie man ihn zurückgewinnen kann, zeigen andere Sportarten sehr anschaulich.

Vergleiche mögen verpönt sein. Für einen Lerneffekt sind sie aber unerlässlich.

Andreas Reiners

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