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ELF-Star Sandro Platzgummer: "In der NFL geht es nicht um Leistung, sondern um Geld"

  • Aktualisiert: 02.06.2023
  • 14:31 Uhr
  • ran.de / Oliver Jensen
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© IMAGO/Icon Sportswire
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Der Running Back Sandro Platzgummer verbrachte drei Jahre im Practice Squad der New York Giants in der NFL. Nun ist der Österreicher in die Heimat zurückgekehrt und wird in der ELF für die Raiders Tirol (Sonntag, 4. Juni, 13:00 Uhr, live auf ProSieben Maxx und ran.de) aktiv sein. Im exklusiven ran-Interview verrät der 26-Jährige, warum er in der NFL nie eine echte Chance bekam und in die ELF gewechselt ist und warum ihm bei den Giants Daniel Jones sympathischer war als Saquon Barkley.

Von Oliver Jensen

ran: Herr Platzgummer, warum haben Sie die USA verlassen und sich für ein Engagement in der ELF entschieden?

Sandro Platzgummer: Dafür gab es mehrere Beweggründe. Ich will bei den Raiders wieder Spielzeit haben, komme auch ursprünglich von hier und kann hier auch mein Studium zu Ende bringen. Ich hatte mir im Fernsehen bereits einige Spiele aus der ELF angesehen und habe das Gefühl, dass das Niveau von Jahr zu Jahr besser wird. In der ersten Saison war das vielleicht noch ähnlich wie in den nationalen Ligen. Aber seitdem kamen gefühlt bessere Import-Spieler in die Liga.

ran: Sie haben die vergangenen drei Jahre in den USA verbracht. Wurde auch dort wahrgenommen, dass in Europa eine neue Liga entstanden ist?

Platzgummer: Die nehmen dort nicht so viel von der restlichen Welt wahr. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Ein Beispiel: Als ich damals zu den New York Giants kam, gab es einen Trainer, der sehr voreingenommen war. Der dachte, ich hätte noch nie Football gespielt, weil wir in Europa nur Fußball und Rugby spielen würden. Aber ich denke, das ändert sich. Sicherlich hilft es auch im Ansehen, wenn die US-Amerikaner merken, dass ich und einige andere Spieler mit NFL-Hintergrund nun in der ELF spielen.

ran: Ist das Kapitel NFL für Sie nun abgeschlossen?

Platzgummer: Es gab über meinen Agenten einige Angebote aus der Canadian Football League. Mit einigen NFL-Teams gab es zwar Gespräche, aber kein konkretes Angebot. Es kann sein, dass die Gespräche noch einmal intensiviert werden, wenn ich in der ELF gut spiele. Aber das ist nicht mein Hauptziel. Mein Hauptziel ist es, einfach wieder Football zu spielen.

ran: Hat Ihnen das bei den New York Giants, bei denen Sie dem Practice Squad angehörten, gefehlt?

Platzgummer: Ja, das hat mir gefehlt. Ich habe bei den Giants in den drei Jahren nur sechs Preseason-Spiele machen dürfen. Ich war als Österreicher, der nie College-Football gespielt hat, immer der Außenseiter. Daher hat es für mich dort auch keinen Sinn mehr gemacht. Ich wusste, dass ich teilweise besser bin als andere, bekam aber trotzdem nicht die Spielzeit. Ich bekam auch nicht viel Feedback. Erst am Ende der Saison gab es ein Gespräch mit dem Head Coach und GM. Die haben eigentlich nur positive Dinge gesagt. Trotzdem bekam ich keine Chance. In den Special Teams wurde ich überhaupt nicht eingesetzt, obwohl das der Schlüssel für einen Kaderplatz gewesen wäre. Daran habe ich gemerkt, dass das Interesse doch nicht so groß ist. Daher wollte ich nicht mehr dort sein. Es macht für mich keinen Sinn, nur drüben zu sein, weil es irgendwie cool ist, in der NFL zu sein. 

ran: Ist das International Pathway Program der NFL überhaupt ein guter Einstieg oder wird man doch immer nur als der Europäer betrachtet?

Platzgummer: Das ist auf jeden Fall ein Faktor. Trotzdem ist es gut, dass man auf diesem Wege in die Liga kommt und gesehen wird. Aber das bringt natürlich nur etwas, wenn man auch eine Chance bekommt. Es war natürlich klar, dass ich nicht erster oder zweiter Running Back sein würde. So etwas wird immer durch die Verträge vorgegeben. 

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ran.de: Wie meinen Sie das?

Platzgummer: Wenn jemand zehn Millionen Dollar verdient, wird das kein Backup sein. Auch die gedrafteten Spieler sind im Vorteil, weil in sie investiert wurde. Diese Jungs werden zum Beispiel sofort in den Special Teams eingesetzt. Die müssen gar nicht viel leisten, um ins Team zu kommen. Die können es höchstens vermasseln, wenn sie ganz schlecht sind. Und dahinter kommen vielleicht 20 Free Agents pro Team, von denen es vielleicht ein oder zwei in den Kader schaffen. Zumindest mit denen sollte man gleichgestellt sein, um eine echte Chance zu haben. Man müsste genauso viel Spielzeit und Vertrauen bekommen. Aber das ist nicht der Fall, wenn man kein College-Football gespielt hat. Ich hatte in den drei Jahren insgesamt 25 Plays in der Preseason. Andere Free Agents auf meiner Position bekamen in einer einzigen Preseason 70 bis 100 Spielzüge.

ran: Das macht es natürlich schwer, sich in den Vordergrund zu spielen...

Platzgummer: Selbst wenn ich der beste Running Back oder der beste Special Teamer in der Geschichte der NFL gewesen wäre – wie gesagt, wenn -  hätten die Trainer das nie gesehen, weil ich gar nicht die Einsatzzeit dafür bekam.

ran: In einem Preseason-Spiel im Jahre 2021 sorgten Sie im Spiel gegen die New York Jets mit einem Lauf über 48 Yards für Furore. Hatten Sie erwartet, dass Sie danach mehr Vertrauen bekämen?

Platzgummer: Ich war gespannt, wie es danach weitergeht. Bei meinen Combine-Werten bewegte ich mich mit den Top-Spielern auf einem Niveau. Dann habe ich auch noch gut gespielt. Die meisten Running Backs haben in der Preseason einen Schnitt von zwei bis drei Yards. Ich stand bei acht Yards. Das ist relativ gut. Ich hätte gedacht, dass ich nach dem Spiel gegen die Jets mehr Chancen bekäme. Ich war der Leading-Rusher der Liga und hatte den längsten Run der Giants hingelegt. In den Meetings wurde ich immer wieder gelobt, mein Run wurde sogar als Vorbild gezeigt. So nach dem Motto: "Genau so muss ein Run aussehen". Und letztendlich bekam ich im nächsten Spiel überhaupt keine Einsatzzeit.

ran: Das dürfte sehr enttäuschend gewesen sein…

Platzgummer: Ich weiß nicht, ob es so geplant war. Eigentlich sollte ich im dritten Viertel reinkommen, aber dann kam es anders. Natürlich war das enttäuschend. Und das hat mir auch ein Gefühl dafür gegeben, wofür die NFL steht. Es geht nicht um Leistung, es geht primär um das Geld und das Business. Es geht darum, wo du herkommst und wem die Trainer vertrauen. Selbst mit so einem Lauf kann man niemanden davon überzeugen, dass man genauso behandelt wird wie andere. Das war für mich ein Schock-Moment. Dass ich dann nicht in den Kader kam, sondern lediglich in den Practice Suad, war für mich von vornherein klar. 

  

ran: Sie hatten mit Saquon Barkley einen sehr prominenten Positionskollegen, der zu den besten Running Backs der NFL zählt. Wie haben Sie ihn persönlich wahrgenommen? Konnten Sie von ihm etwas lernen?

Platzgummer: Viel lernen würde ich nicht sagen, weil er relativ viel freelanct. Ich glaube, es gibt die talentierten Spieler und die harten Arbeiter. Er gehört zu den Talentierten. Daher ist es schwierig, von ihm etwas mitzunehmen. Ansonsten war er in der Facility immer ganz freundlich. Er war vielleicht ein klein bisschen abgehoben, weil er ein großer Superstar und sehr bekannt ist. Daher ist so jemand ein bisschen außen vor. Aber grundsätzlich war er völlig in Ordnung.

ran: Und wie haben Sie den Quarterback Daniel Jones wahrgenommen, der lange in der Kritik stand und erst in der vergangenen Saison durchgestartet ist?

Platzgummer: Er ist ein sehr netter und bescheidener Typ. Er trainiert sehr hart, war aber auch ziemlich gestresst und fühlte sich wohl unter Druck gesetzt. Ich denke, er wusste, dass er anfangs nicht so gut gespielt hat und 2022 funktionieren muss. Ansonsten wäre es für ihn schwer geworden. Aber er hat das gut gemacht. Ich glaube, die Coaches sind ihm mit dem Gameplan auch ein bisschen entgegengekommen. Er ist mehr gelaufen, was er gut kann, auch die O-Line war besser. Daher hat er nun auch seinen dicken Vertrag bekommen. Und ich muss sagen: Wenn man das jemandem wünscht, dann ihm. Einfach, weil er so hart trainiert und ein richtig guter Mensch ist. Ich glaube, er könnte keiner Fliege etwas zu leide tun.  

ran: Man hört heraus, dass Ihnen Jones sympathischer war als Barkley...

Platzgummer: Ja, auf jeden Fall. Es gab auch noch andere Spieler, mit denen ich mich richtig gut verstanden habe. Mit solchen Stars wie Jones oder Barkley verbringt jemand wie ich eher weniger Zeit. Die gehen in Restaurants, die ich mir nicht unbedingt leisten kann (lacht). Man freundet sich eher mit Leuten an, die nicht ganz so reich sind. Wobei es auch Ausnahmen gibt.

ran: 2021 gewannen die Giants lediglich vier Spiele, 2022 waren sie dann die Überraschungsmannschaft und gelangten bis in die Divisional Playoffs. Worauf führen Sie das zurück? Vielleicht auch auf Brian Daboll als neuen Head Coach?

Platzgummer: Ja, das Coaching und das Playcalling hat sicherlich eine große Rolle gespielt. Die Spielzüge wurden mehr nach den Stärken der Spieler ausgerichtet. Der größte Unterschied war für mich aber das Training unter Brian Daboll. Unter seinem Vorgänger Joe Judge war es noch ein bisschen High-School mäßig. So nach dem Motto: Je mehr und härter man trainiert, desto besser wird man auch spielen. Aber das geht auf hohem Niveau nicht auf. Als Jugendlicher kann man vielleicht Erfolg haben, indem man einfach viel trainiert. Aber auf NFL-Niveau, wenn man bereits 99 Prozent des sportlichen Potenzials ausgeschöpft hat, hilft mehr Training nicht automatisch. Wenn man dann, wie unter Joe Judge, täglich zweieinhalb Stunden oder mehr trainiert und ständig hartes Konditionstraining macht, bringt das eher wenig. Wir hatten damals viele Verletzungen. Ich glaube, das hing auch mit dem vielen Training zusammen, weil die Spieler am Wochenende noch müde Beine hatten. Dies hat Brian Daboll verändert.

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