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Missverständnis mit Folgen

FC Bayern München wird Lucas Hernandez nicht vermissen - ein Kommentar

  • Aktualisiert: 09.07.2023
  • 17:38 Uhr
  • ran / Chris Lugert
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© IMAGO/Kirchner-Media
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Lucas Hernandez ist bis heute der teuerste Neuzugang in der Geschichte des FC Bayern München. Einen entsprechenden Gegenwert in Form von Leistungen bekam der Rekordmeister aber nie. Nach seinem Abschied Richtung Paris wird ihm in München niemand eine Träne nachweinen. Ein Kommentar.

Von Chris Lugert

Im Sommer 2019 staunte der Fußball-Laie, und der Bundesliga-Fachmann wunderte sich. 80 Millionen Euro gab der FC Bayern München zu jener Zeit für Abwehrspieler Lucas Hernandez aus. Das war einsamer Klubrekord, nie zuvor zahlten die Münchner so viel Geld für einen Neuzugang.

Der damals 23-Jährige hatte sich ein Jahr zuvor bei der WM in Russland einen Namen gemacht und davor und danach auch bei seinem Klub Atletico Madrid starke Leistungen gezeigt.

80 Millionen Euro war Hernandez dennoch nicht wert, diese Summe aber wurde fällig, weil Atletico auf die Ausstiegsklausel pochte und keinen Cent abweichen wollte. Die Bayern nahmen das in Kauf. Denn sie sahen in Hernandez ihren künftigen Abwehrchef.

Vier Jahre später endet das Kapitel mit Wechsel zu Paris Saint-Germain vorzeitig. Und nicht nur die Bayern-Fans fragen sich, wo denn der vermeintliche Weltklasse-Spieler die ganze Zeit war.

Der Rekordtransfer war letztlich ein Missverständnis. Der FC Bayern wird Hernandez nicht vermissen.

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Lucas Hernandez: Unglaubliche Verletzungshistorie

Schon von Beginn an stand die Verpflichtung unter keinem guten Stern. Hernandez kam bereits mit einer schweren Knieverletzung nach München. Es folgte die erste und nicht letzte Operation, die Hernandez als Bayern-Spieler über sich ergehen lassen musste. Vielmehr war diese Diagnose ein Omen für die folgenden Jahre.

Innenbandriss im Sprunggelenk, Meniskuseinriss, Muskelbündelriss und als negativer Höhepunkt der Kreuzbandriss bei der WM in Katar - das waren nur die langwierigsten seiner Verletzungen während seiner Zeit in München.

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Wenn Hernandez spielte, erkannte man durchaus die Qualitäten, die er mitbringt. Doch das kam einfach viel zu selten vor - vor allem mit Blick auf die Ablösesumme.

Hernandez aber veränderte trotz - oder gerade wegen - seiner vielen Verletzungen die Lage beim FC Bayern komplett. Denn der übrige Kader registrierte sehr wohl, wie viel Hernandez kostete und vor allem, wie viel er verdiente. Bis zu 20 Millionen Euro sollen es gewesen sein.

Dies hatte für die Bayern Folgen bei den Vertragsverhandlungen mit anderen Spielern. David Alaba etwa pochte 2021 auf einen deutlich höher dotierten Vertrag, der sich an Hernandez zumindest orientierte. Letztlich verloren die Münchner eine potenzielle Klub-Legende an Real Madrid.

Hernandez sprengte das Gehaltsgefüge im Kader. Sein Abschied ist daher auch eine Befreiung von einer horrenden finanziellen Belastung.

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Hernandez offenbart Söldner-Mentalität

Doch was vor allem die Bayern-Fans weitaus mehr schmerzen dürfte, ist die Undankbarkeit und Söldner-Mentalität, die der 27-Jährige an den Tag legte. Der Klub hielt Hernandez trotz seiner Verletzungshistorie die Treue und bot ihm in den vergangenen Monaten, als er sich von seinem Kreuzbandriss erholte, eine Vertragsverlängerung an.

Einen größeren Vertrauensbeweis kann es nicht geben, aber Hernandez verhandelte stattdessen lieber mit PSG einen Vertrag aus.

Ein solches Verhalten ist mehr als fragwürdig. Sein aktueller Klub, dem er bislang außer Kosten nichts gebracht hat, hätte es zumindest verdient gehabt, frühzeitig über die Abwanderungswünsche informiert zu werden.

Zumal Hernandez auch außerhalb des Platzes stets auf die Unterstützung der Bayern zählen konnte. So auch als ihm in Spanien zeitweilig eine Haftstrafe drohte.

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Von Dankbarkeit gegenüber dem FC Bayern ist nichts zu spüren

Der Klub stand die ganze Zeit hinter ihm und betonte mehrfach, weiter mit ihm zu planen. Von Dankbarkeit war zwar in seinen Abschiedsworten zu lesen, zu spüren waren diese bei Hernandez aber eigentlich nie. Für den FC Bayern ist das Ende des Kapitels Lucas Hernandez daher in vielerlei Hinsicht ein Segen.

Die rund 45 Millionen Euro Ablöse, die die Münchner für ihn bekommen, können sie zudem direkt in Nachfolger Kim Min-jae von der SSC Neapel investieren. Der Südkoreaner hat bislang kaum eine Verletzungshistorie und dürfte mit geschätzten 14 Millionen Euro pro Jahr deutlich weniger Gehalt kosten.

Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Rekordspieler, der schlussendlich ein Missverständnis war.

Sollten die Münchner in diesem Sommer aber noch den von vielen erwarteten 100-Millionen-Transfer tätigen - voraussichtlich für Harry Kane -, ist Hernandez nicht einmal mehr Rekordhalter.

In ein paar Jahren wird er in München vermutlich vergessen sein. Eine Träne wird ihm kaum jemand nachweinen.


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