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DFB-Pokal

Steffen Baumgart: Eine Wutrede für die Ewigkeit

  • Aktualisiert: 03.02.2021
  • 15:06 Uhr
  • ran.de
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© Imago Images
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Paderborns Trainer Steffen Baumgart war schon immer ein Mann der klaren Worte. Seine Schimpftirade nach der verlorenen Pokal-Schlacht gegen den BVB hat Kultpotenzial.

München/Dortmund - Die mahnenden Worte, die Steffen Baumgart am Dienstagabend am "ARD"-Mikrofon stehend an sich selbst richtete, sollten keine Wirkung zeigen.

"Jetzt muss ich aufpassen, dass die Worte nicht zu doll werden", sagte der Trainer des SC Paderborn - und polterte schon im nächsten Satz weiter.

"Respekt bedeutet auch, sich den Scheiß anzugucken und dann eine Entscheidung zu treffen. Das ist respektvoller Umgang mit dem Gegner und nicht mit den Kleinen, denen wir wieder in den Arsch getreten haben", schimpfte Baumgart.

Und sorgte für eine der kultigsten Wutreden in der Geschichte des DFB-Pokals.

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Steffen Baumgart (SC Paderborn)
News

Baumgart wütet nach VAR-Chaos: "Eine Frechheit!"

Steffen Baumgart ist kaum noch zu beruhigen. Die Bewertung des Siegtores von Borussia Dortmund gegen seinen SC Paderborn macht den Trainer so richtig zornig.

  • 03.02.2021
  • 15:09 Uhr

"Wir frieren uns den Arsch ab - und dann so eine Entscheidung?"

Was war passiert? Baumgarts Paderborner hatten dem Champions-League-Klub Borussia Dortmund einen denkwürdigen Kampf geliefert. Auf maximal dramatische Weise drehte der Zweitligist einen zwischenzeitlichen 0:2 Rückstand in der siebten Minute der Nachspielzeit durch einen Elfmeter. Und erzwang dadurch die Verlängerung, in der sich die Szene, die die Gemüter - allen voran das von Baumgart - erhitzte.

Dortmunds Thomas Delaney schickte Erling Haaland mit einem Steilpass in die Tiefe und der Norweger traf zum 3:2. Die Krux: Haaland stand beim Zuspiel im Abseits. Weil aber Paderborns Svante Ingelsson das Zuspiel auf den Stürmer wohl minimal berührt hatte, entschied Schiedsrichter Tobias Stieler darauf, dass der Ball vom Gegner gekommen war: kein Abseits also, sondern ein regulärer Treffer.

"Es ist keine Veränderung des Balles, es ist keine Berührung des Balles und der Ball rutscht durch", hatte Baumgart im Anschluss eine etwas andere Meinung. Diese tat er mittlerweile mit einem Pulli bekleidet kund, nachdem er zuvor 120 Minuten lang im T-Shirt durch den Dortmunder Februarregen getigert war.

Allen voran die minutenlange Überprüfung der Situation durch den VAR, in deren Folge Stieler sich die Szene nicht selbst noch einmal am Monitor ansah, erzürnte den Coach des SCP: "Wir stehen da sieben Minuten und frieren uns den Arsch ab - und dann so eine Entscheidung?"

Für Paderborn ging es um eine Siegprämie von zwei Millionen Euro. "Ich bin keine Aktiengesellschaft", stichelte Baumgart in Richtung des börsennotierten Gegners, "wir kämpfen um jede müde Mark. Und dann kommt mir so einer so entgegen? Das finde ich arrogant."

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Bundesligastürmer statt KfZ-Mechaniker

Baumgarts Wutrede sprach an jenem Abend nicht nur den Fans des SC Paderborn aus der Seele, ganz Fußballdeutschland feierte die offenen und emotionalen Worte des Trainers. Einer, der nicht rumeiert, ein Typ vom Typ "Typ", wie es nur noch viel zu wenige gibt - so der Tenor.

Ein Mann der klaren Worte und einer bodenständigen Haltung war der heute 49-Jährige schon immer. Der gebürtige Rostocker heuerte nach dem Mauerfall ohne große Hoffnungen auf eine berufliche Laufbahn im Fußball als Vertragsamateur beim Oberligisten SpVg Aurich an. Vor allem auch, weil er dort nebenher eine Ausbildung als KfZ-Mechaniker machen konnte.

Bald schon aber holte ihn Hansa Rostock, nach weiteren Stationen beim VfL Wolfsburg, Union Berlin und Energie Cottbus beendete Baumgart seine Profikarriere mit 225 Bundesliga- sowie 142 Zweitligaspielen, in denen der Stürmer insgesamt 65-mal traf und nach der er im Anschluss an einige Kurzstationen als Coach im April 2017 als Trainer beim Drittligisten SC Paderborn landete.

Trotz eines passablen Punkteschnitts in den letzten Spielen könnte Baumgart Paderborn nicht vor dem sportlichen Abstieg in die Regionalliga retten. Weil aber Zweitligaabsteiger 1860 München keine Lizenz für die 3. Liga bekam, hielt Paderborn doch die Klasse.

Was folgte, war dann ein kleines Fußballmärchen: Nach zwei Aufstiegen in Folge marschierte der SCP direkt in in die Bundesliga durch. Aus jener stieg man zwar in der vergangenen Saison direkt wieder ab, Baumgart nahm aber dennoch einen Eintrag in die Geschichtsbücher mit: Er war der erste Coach, der hierzulande jemals mit einer Geben Karte verwarnt wurde. Man möchte sagen: natürlich.

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Baumgart über Niederlage: "Das hat keiner verdient"

Aktuell dümpelt der SC Paderborn im Niemandsland der 2. Liga umher, auf Platz neun mit zehn Zählern Rückstand auf die Aufstiegsränge und acht Punkten Polster auf die Abstiegszone. Umso größer war die Vorfreude auf das Achtelfinale im Pokal gegen den BVB, nachdem der SCP zuvor mit Union Berlin schon einen Bundesligisten eliminiert hatte.

Und umso größer der Zorn nach der bitteren Niederlage.

"Damit das klar ist", betonte Baumgart in seiner Schimpftirade mehrfach, "ich finde die Videoschiedsrichter richtig gut, es bringt viel Fairness rein." Wie das aber alles abgelaufen sei an diesem Dienstagabend im Signal Iduna Park, das ärgere ihn "für meine Jungs und ihre Leistung. Und das hat auch keiner verdient."

Am Ende seines denkwürdigen Interviews rätselte Baumgart dann noch: "Ich bin gespannt, ob ich einen Brief vom DFB kriege, weil ich mich etwas zu doll aufgeregt habe." Die Antwort lieferte der DFB selbst schon am Tag danach. Er werde "mit Zustimmung des DFB-Sportgerichts kein Verfahren einleiten".

Umso passender war somit der finale Satz, mit dem Baumgart seine Tirade beendete: "Egal, weiter geht's."

David Kreisl

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