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Hummels, Boateng und Müller aussortiert

Plötzlich radikal: Joachim Löws Wandlung verblüfft

  • Aktualisiert: 06.03.2019
  • 18:04 Uhr
  • ran.de/ Thomas Nowag
Article Image Media
© Getty
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Joachim Löw galt als sensibler Zauderer mit einem Hang zur Nibelungentreue. Nun griff er knallhart durch. Wird das seine neue Linie?

Köln/München - Joachim Löw weiß genau, wie es sich anfühlt, nicht mehr gut genug zu sein. 1981 beispielsweise, der junge Stürmer war 21 und von einem schlimmen Schien- und Wadenbeinbruch halbwegs genesen, wollte er beim VfB Stuttgart richtig durchstarten. Doch sein Trainer Jürgen Sundermann, so steht es in Löws Biographie, habe "keinen Zweifel daran gelassen, dass er nicht mehr allzu viel mit diesem Löw anzufangen wusste".

Es ist nur eine von vielen Anekdoten, die den heutigen Bundestrainer charakterisieren. Aber sie mag erklären, wie schwer sich der sensible Gemütsmensch damit tut, verdiente Spieler, die über zehn Jahre Freunde geworden sind, derart vor den Kopf zu stoßen.

Dennoch hat Löw es mit Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng getan. Noch dazu in einer Art, die kalt wirkt und den FC Bayern "irritiert". Er war schlicht dazu gezwungen.

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Selbstveränderung für Teamveränderung

Um diese Mannschaft, die er 2014 eher zum WM-Titel moderierte als coachte, noch einmal grundlegend verändern zu dürfen, muss sich der Bundestrainer selbst verändern. Wer eine Mannschaft in ihren Grundfesten erschüttern will, um sie ohne ihre alten Mauern wieder aufzurichten, darf nicht so sein, wie Löw es stets war: ein Durchdenker und Zauderer mit Hang zur Nibelungentreue gegenüber Altgedienten. 

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Das wurde Löw vorgeworfen, wenn er Lukas Podolski oder Bastian Schweinsteiger zu lange mit durchzog. Doch der 59-Jährige wehrt sich schon lange gegen den Vorwurf, handlungsschwach zu sein. "Ich treffe seit vielen Jahren jeden Tag schwierige Entscheidungen. Ständig. Es gab auch in der Vergangenheit Spieler, denen ich gesagt habe: Deine Zukunft liegt nicht mehr bei der Nationalmannschaft", sagte er im Dezember im "Aktuellen Sportstudio" des "ZDF".

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Harter Schritt zu spätem Zeitpunkt 

Doch warum derart spät? Acht Monate nach dem WM-Desaster von Russland, ein halbes Jahr zudem nach einer zweistündigen Pressekonferenz, auf der Löw mit sich selbst überraschend knallhart ins Gericht ging, aber nicht im Ansatz einen Umbruch präsentierte. Ein neuer Co-Trainer, das Bauernopfer Sami Khedira - dachte Löw, das würde ausreichen?

Selbstverständlich hat es nicht ausgereicht. Seinen radikalen Schnitt, den Schritt aus der Komfortzone aufs Drahtseil, wagt Löw erst jetzt. Das allerdings mit Macht und in einer Härte in der Außenwirkung, die nicht zu ihm passen will. Huldigungen via Social Media, die Ankündigung eines großen Abschieds - nichts dergleichen gab es am Dienstag. 

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Dabei ist auch das zu erklären. Löw, sagen Beobachter, wirke nun wie "ein Getriebener" (Spiegel), der "voll auf Risiko" (Zeit) geht. Der erst hart handelt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das wiederum entspricht dem Bundestrainer sehr.

Wer erwartet, dass dieser Joachim Löw zum Hardliner mutiert, ein neuer Mensch, entscheidungsfreudig, eindeutig in der Linie, klar in der Ansprache, wird sich wahrscheinlich getäuscht sehen. Weniger "schon auch", mehr Klartext: Das wird es kaum geben. Niemand kann so schnell derart rigoros aus seiner Haut. 

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Weltmeister-Trio in der Löw-Hirachie schnell gesunken

Es wird vergessen, dass der angezählte Bundestrainer den Kahlschlag durchaus vorbereitet hat. Als Ende 2018 die Frage nach Hummels, Müller und Boateng kam, spielte er lange mit Daumen und Zeigefinger an seiner Lippe und formulierte wie auf rohen Eiern. "Diese Spieler sind nach wie vor leistungsfähig", sagte er dann. Es klang ein wenig, als rede er über alte Autos, die mal wieder zum TÜV müssen. Dabei war es noch nicht lange her, dass er das Trio zu den Unverzichtbaren gezählt hatte.

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Er sei "kein Hellseher", sagte Löw. Auch, er wisse nicht, was in drei oder vier Monaten sein werde. Also genau jetzt. Womöglich hat er geahnt, was kommen würde, vielleicht hatte er es schon entschieden. Es gelte "nun, die Weichen für die Zukunft zu stellen", sagte er am Dienstag. Nun. Eigentlich gilt es das seit Juni 2018.

Warum es so lange gedauert hat, die bittere Nachricht zu überbringen, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht, weil er weiß, wie es sich anfühlt.

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