Wintersport
Nach ARD-Recherche: DESG-PK mit Spannung erwartet
Zurückgehaltene Haushaltspläne? Nicht ausgezahlte Prämien? Schlechte Kommunikation? Recherchen der ARD rund um die die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) während der Olympischen Winterspiele in Italien hatten Verbandspräsident Matthias Große unter Druck gesetzt, nun will sich der Berliner Immobilienunternehmer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz (11 Uhr) zu den Vorwürfen "vollumfänglich äußern".
Die Sportler um Athletensprecher Hendrik Dombek "erwarten von der Verbandsspitze, dass sie im Rahmen der Pressekonferenz umfassend zu allen offenen Punkten Stellung nimmt", sagte der 28-Jährige auf SID-Anfrage: "Für die Athletenvertretung steht im Mittelpunkt, das Beste für alle Athletinnen und Athleten von beiden Sportarten zu erreichen und konstruktiv an Lösungen für die angesprochenen Kritikpunkte mitzuwirken."
Und die Kritik ist massiv. Nachdem Dombek in der ARD seinen Unmut über die Verbandsführung geäußert hatte, prüft sogar die für den Sport zuständige Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) den Sachverhalt. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte sich aufgrund der Berichterstattung "sensibilisiert" gezeigt. "Die Beobachtung der Gesamtthematik durch Politik und DOSB begrüßen wir ausdrücklich", sagte Dombek: "Wir sind überzeugt, dass es für alle Beteiligten hilfreich ist, wenn unabhängige Stellen zur Klärung und Lösung beitragen."
Die ARD selbst wird am Donnerstag aber wohl vor die Tür gesetzt. Die Akkreditierungs-Anfrage "blieb bislang unbeantwortet", bestätigte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf SID-Anfrage. "Da andere Journalisten zugelassen wurden", müsse man davon ausgehen, "dass der Zutritt verwehrt bleiben soll. Sollte sich dies bestätigen, verstößt dies eklatant gegen Grundsätze einer freien und unabhängigen Berichterstattung. Die Nicht-Zulassung ausgewählter Berichterstatter zu einer offiziellen Pressekonferenz ist aus unserer Sicht grundsätzlich nicht akzeptabel", so Balkausky.
Große, Lebensgefährte der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein, steht seit 2020 an der Spitze der DESG. Der Berliner Immobilienunternehmer war angetreten, um den einst sehr erfolgreichen Verband, der seit 2010 keine Olympiamedaille mehr gewonnen hat, zu alter Stärke zurückführen. Seine Amtsführung ist seit längerer Zeit umstritten.
"Die Athletinnen und Athleten aus der DESG, mit denen wir gesprochen haben, sind sehr frustriert", sagte Johannes Herber, Geschäftsführer des unabhängigen Vereins Athleten Deutschland, nach den jüngsten Recherchen: "Sie wollen eigentlich mitgestalten, und es wurde ihnen immer wieder die Tür vor der Nase zugeschlagen."