Wintersport
"Nicht nachzuvollziehen": Behle kritisiert Umgang mit Fall Carl
Der frühere Skilanglauf-Bundestrainer Jochen Behle hat den Umgang mit der nach einem positiven Dopingtest suspendierten Olympiasiegerin Victoria Carl scharf kritisiert. Dass sie knapp zehn Monate nach dem Vorfall noch immer nicht über die Dauer ihrer Sperre Bescheid wisse, könne er "überhaupt nicht nachvollziehen", sagte der Eurosport-Experte dem Sport-Informations-Dienst.
"Das Delikt liegt klar und deutlich vor, es gibt ja gar keine Strittigkeiten in irgendeiner Form. Es geht jetzt eigentlich nur um die Urteilsfindung und darum, wie lange sie gesperrt wird", sagte Behle.
Carl (30), die 2022 mit Katharina Hennig Dotzler in Peking Olympia-Gold im Teamsprint geholt hatte, war im März 2025 bei den Militär-Weltmeisterschaften positiv auf den Wirkstoff Clenbuterol getestet worden. Der Wirkstoff sei in einem Hustensaft enthalten gewesen, den Carl auf Weisung eines Bundeswehrarzt eingenommen habe. Nach Bekanntwerden des positiven Tests wurde Carl suspendiert.
Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) hatte im September 2025 den Sanktionsbescheid erlassen. Nachdem eine einvernehmliche Streitbeilegung unter Einbeziehung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nicht zustande kam, entschloss sich Carl, das Verfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht zu beantragen. Die NADA hatte nach eigenen Angaben kurz nach Ablehnung des Sanktionsbescheides die Schiedsklage eingereicht. Seitdem ist das Verfahren beim unabhängigen Deutschen Sportschiedsgericht anhängig.
Deutschlands beste Skilangläuferin der Vorsaison fehlt bei den kommenden Winterspielen in Norditalien und darf seit der Suspendierung nicht mit dem Team trainieren.
"Wenn eine es hinkriegt, so lange alleine zu trainieren, dann die Vici. Die kann sich motivieren", sagte Behle: "Aber du musst auch irgendwo ein Ziel sehen. Du musst ja irgendwo einen Punkt haben, wo ich sage, ja, ab da kann ich wieder definitiv losmarschieren, und da muss man mal eine Entscheidung treffen." Sollte Carl auch die WM 2027 in Falun verpassen, wäre dies laut Behle "megahart".
Der frühere Erfolgscoach der deutschen Langlauf-Mannschaft rechnet im Fall Carl mit einer Sperre von 18 Monaten - analog zum Fall der Norwegerin Therese Johaug, bei der 2016 ein Test auf das verbotene anabole Steroid Clostebol positiv ausgefallen war, was sie mit der Verwendung einer ärztlich veordneten Lippencreme gegen Sonnenbrand erklärt hatte. Im schlimmsten Fall müsste Carl vier Jahre aussetzen.