Wintersport Olympia
Viel Ruhe, viel Kraft: Aufsteiger Hoffmann springt um Medaille
Eigentlich müsste Felix Hoffmann vor Aufregung fast platzen: Mit 28 Jahren steht Deutschlands Skisprunghoffnung vor dem späten Olympia-Debüt, geht mit stattlichen Medaillenchancen in die erste Entscheidung von Predazzo und steht im zehnten Karrierejahr vor seinem größten Wettkampf. Doch auch im Trubel der Winterspiele bringt den Thüringer nichts aus seinem betulichen Wohlfühlmodus.
"Ich habe Gesellschaftsspiele mitgenommen, damit die Tage nicht allzu lang bleiben, dass wir uns ein bisschen ablenken können", berichtete Hoffmann vor dem Springen von der Großschanze (19.00 Uhr/ARD und Eurosport). Dort will der "Anti-Glamour-Boy" der DSV-Adler, der in der schrillen TikTok- und Instagram-Welt wie ein Ruhepol erscheint, dann aber gnadenlos fokussiert statt abgelenkt sein.
"Ich hoffe, dass ich im Wettkampf alles abrufen kann", sagte Hoffmann, der schon in den ersten Trainingsdurchgängen zu den besten im Feld gehörte: "Wofür es reicht, wird man am Ende sehen."
Schon jetzt hat es für eine märchenhafte Saison gereicht: Wie einst auch Pius Paschke war Hoffmann lange im zweitklassigen Continental Cup "gefangen". Seit dem Wechsel in die Trainingsgruppe von Andreas Wellinger läuft es aber so richtig: Im Herbst wurde Hoffmann überraschend deutscher Meister, sprang dann im Weltcup zunächst beständig in die Top 10 und dann sogar aufs Podest, schließlich wurde der "unverhoffte Hoffmann" starker Sechster bei der Vierschanzentournee.
Setzt sich nun das Märchen des geduldigen Schanzenarbeiters in Val di Fiemme fort? Zumindest die Knieprobleme, die Hoffmann zuletzt nervten, sind weitgehend unter Kontrolle. "Alles gut", sagte er lächelnd. Es könnte als Überschrift über Hoffmanns derzeitigem Wesen und Wirken stehen.