Beben beim FC Barcelona
ranSicht zu Lionel Messis Wechselwunsch: Eine große Chance für alle Seiten
- Aktualisiert: 31.08.2020
- 14:51 Uhr
- ran.de / Justin Werner
Lionel Messi will den FC Barcelona verlassen, aber die Katalanen kämpfen um das Gesicht des Vereins. ran.de-Mitarbeiter Justin Werner glaubt, dass ein Wechsel von "La Pulga" die große Chance für Barca ist, endlich an der Zukunft des Vereins arbeiten zu können.
Barcelona/München - Ein Drama für die Fans des FC Barcelona, ein Drama für die spanische Liga. Ganz sicher.
Aber wäre ein Abgang von Lionel Messi wirklich eine so große Katastrophe für den Klub?
Emotional, ja, offensichtlich. Der Argentinier ist spätestens seit den Abgängen von Andres Iniesta und Xavi das alleinige Gesicht des Vereins. Doch nicht immer hat Messi diese Last tragen können.
Emotionen des Klubs entladen sich auf Messi
Es ist sein Gesicht auf den Titelseiten, wenn Barca die größten Siege erlangt. Es ist immer noch sein Gesicht, wenn Barca die schlimmsten Niederlagen einsteckt.
Nun haben beide Seiten die Chance, eine gesichertere Zukunft aufzubauen.
Jeder, den etwas mit dem FC Barcelona verbindet, hat dieser Tage etwas zu sagen. Ob es Ex-Präsidenten sind, die Messi um den Verbleib anbetteln, oder Fans, die das Stadiongelände stürmen, um ihren Superstar in Katalonien zu halten. Doch rein sportlich haben den Wechselwunsch die wenigsten überdacht.
An 46 von 86 Toren war "La Pulga" in der vergangenen Ligasaison beteiligt. Das ist viel. Gut für Messi, schlecht für Barca. Denn die Abhängigkeit von einem einzigen Spieler ist erschreckend.
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Barcas katastrophale Transferbilanz
Und auch andersherum siedet das Wasser seit Monaten. Messi zeigte sich vermehrt beunruhigt ob der miesen Transferpolitik seines Vereines. Fast eine Milliarde Euro hat Barca in den letzten fünf Jahren auf den Transfermarkt gepumpt.
Bis auf den jungen Arthur (der schon wieder weg ist) und Frenkie de Jong blieb so gut wie nichts hängen.
Dazu kommen dunkle Machenschaften im Klub. Es geht um Machtspielchen, um Korruption und darum, dass all diese Probleme - egal ob sportlich oder wirtschaftlich - auf Messi abgeladen werden.
Und der ist doch eigentlich nur zum Fußballspielen da.
Messi bekommt keine Unterstützung
Umso größer ist die Chance nun für beide Seiten. Der FC Barcelona braucht endlich wieder einen Grund, eine Mannschaft zu entwickeln. Die jahrelange Garantie auf Spektakel durch Messi hat den Klub in seinem Handeln beschränkt. Zu wichtig war, wen man dem Superstar an die Seite stellt, um ihn besser zu machen.
Doch auch dieses Vorgehen litt in den letzten Jahren. Seinen besten Kompagnon verkaufte Barca mit Neymar nach Paris. Mit Ousmane Dembele und Philippe Coutinho sollte es funktionieren - doch das Ende der Geschichte ist bekannt. Antoine Griezmann schaffte es bisher ebenfalls nicht, Messi besser zu machen. Aber wie soll das gehen, wenn nur das wichtig ist und nicht das Wohl des Spielers selbst?
Barca braucht wieder einen Grund, einen guten Spieler zu holen. Es muss wieder wichtig sein, wie viel ein Neuzugang leistet und dass er etwas leistet. Nur so kann die Blaugrana wieder in eine erfolgreichere Zukunft blicken. "Mehr als ein Klub" - das Motto muss wieder für etwas Positives stehen.
Barca kann die Kassen füllen
Und Barca braucht Geld. Die Transferbilanz der letzten Jahre spricht Bände. Der Klub ist verschuldet, lieh sich Berichten von "El Pais" zufolge Ende 2019 bereits 140 Millionen Euro von zwei Investment-Firmen. Ein Verkauf jetzt würde bis zu 200 Millionen Euro bringen.
Dazu würden die Katalanen bei einem Messi-Verkauf rund 35 Millionen Euro an jährlichem Gehalt einsparen. Im nächsten Jahr würde der 33-Jährige gehen, ohne einen einzigen Cent zu generieren. Barca muss sich also überlegen, nach welchem Vorsatz sie handeln wollen: Ehre oder Vernunft? Und sich, endlich, richtig entscheiden.
Und auch für Messi könnte eine neue Herausforderung Schwung mit sich bringen. Endlich wieder befreit Fußball spielen. Endlich wieder einfach nur Fußball spielen. Dafür braucht der Argentinier einen Klub, bei dem sich nicht alles auf ihm ablädt. Vieles, ja, er ist schließlich immer noch Messi. Aber nicht alles.
Dafür muss "La Pulga" lernen, andere erfolgreich sein zu lassen. Nur so kann er noch einmal zeigen, dass er der beste Spieler der Welt ist. Etwas, das er bei Barca wohl nicht mehr zeigen kann.
Ein Wechsel ist die einzige Chance. Und eine Win-win-Situation für alle Seiten.
Justin Werner
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