Erfolg im College, Pech in der NFL: Dwayne Haskins - Bildquelle: Getty Images/imago imagesErfolg im College, Pech in der NFL: Dwayne Haskins © Getty Images/imago images

München/Washington - Die Ohio State University in Columbus gehört zu den besten Talentschmieden im American Football. Jahr für Jahr schaffen College-Spieler wie Ezekiel Elliott oder Michael Thomas den Sprung in die NFL und werden auch dort zu absoluten Stars.

Allerdings hat die Hochschule auch ein deutliches Defizit in ihrer Talententwicklung: Egal wie erfolgreich sie auf dem College-Niveau letztlich sind, die Quarterbacks der Buckeyes scheinen sich in der NFL durchweg schwerzutun. 

 

Dwayne Haskins: Vom Erstrundenpick zum Bankdrücker

"Du denkst irgendwann darüber nach und kommst zu dem Schluss: 'Weißt du was, vielleicht ist es genau das, was wir jetzt brauchen.'" Ron Rivera schien seine Worte gut bedacht zu haben, als er am Mittwoch die Entscheidung verkündete, dass Dwayne Haskins nicht länger der Starting-Quarterback des Washington Football Teams sein werde.

Nach einem katastrophalen Saisonstart mit nur einem Sieg aus vier Spiel zog der erfahrene Cheftrainer die Reißleine und beendete damit vorläufig die Haskins-Ära in der US-Hauptstadt. "Wir sind gerade in einer schweren Situation", sagte Rivera, der Haskins in der vorangegangenen Woche noch sein Vertrauen ausgesprochen hatte.

Der 23 Jahre alte Haskins wurde 2019 zum neuen Franchise-Quarterback auserkoren, als die damaligen Washington Redskins den Spielmacher an der 15. Stelle im Draft auswählten. Nach seiner Degradierung könnte sich der Erstrundenpick nun in eine lange Reihe von Ohio-State-Spielmachern einreihen, die ihre Erfolge im College nicht in die NFL übertragen konnten. 

Stars am College, Unbekannte in der NFL

J.T. Barrett, Cardale Jones und Braxton Miller - allesamt Stars am College, in der NFL gehören Haskins' Vorgänger allerdings nicht zur Elite. 2014 führten Barrett und Jones die Hochschule zum Gewinn der College-Football-Nationalchampionship, während der eigentliche Starter Miller verletzt pausieren musste.

In die NFL schafften es letzten Endes alle drei, allerdings auf unterschiedlichen Wegen. Jones schaffte es 2016 als Viertrundenpick zu den Buffalo Bills, während Barrett 2018 sein Glück als Undrafted Free Agent versuchte. Braxton Miller entschied sich während seines letzten Jahres am College für einen Positionswechsel und wurde als Wide Receiver in der dritten Runde des Drafts 2016 von den Houston Texans ausgewählt. 

Zurzeit ist keiner der drei in einem NFL-Kader, Miller und Barrett sind beide Free Agents, während Jones sich zuletzt erfolglos in der XFL versuchte.

Art Schlichter: Wettbüro statt Footballfeld

Der größte Quarterback-Flop der Buckeyes ist dennoch ein Anderer. Art Schlichter wurde 1982 von den Baltimore Colts an der 4. Stelle im Draft ausgewählt und sollte nach einer erfolgreichen Karriere am College auch in der NFL zum Star werden.

Schon während seiner College-Zeit entwickelte Schlichter einen Hang zu Sportwetten, welcher sich zu Beginn seiner NFL-Karriere deutlich verschlimmerte. Nachdem seine Sucht bekannt wurde, wurde der ehemalige College-Star für die Saison 1983 gesperrt. 1985 entließen ihn die Colts, nachdem Schlichter erneut rückfällig geworden war.

Ein Undrafted Free Agent als erfolgreichster Quarterback

"Auf jeder anderen Position ist das Resume von Ohio State eigentlich ziemlich bemerkenswert", gestand der Journalist Bill Rabinowitz hinsichtlich der entwickelten NFL-Talente im Jahr 2019. Rabinowitz berichtet seit Jahren über die Buckeyes und ist mit den Misserfolgen der Hochschule bestens vertraut.

"Hinsichtlich einer Profi-Karriere dürfte der beste Quarterback, den sie jemals herausgebracht haben, vermutlich Mike Tomczak sein. Er war ein Undrafted Free Agent. Troy Smith hatte das Talent für eine große Karriere, leider hat sich das bei den Profis nie so richtig ergeben."

Tomczak verbrachte als Backup 15 Jahre in der NFL und gewann als Backup Super Bowl XX mit den Chicago Bears. Smith gewann 2006 die Heisman Trophy und schaffte als Fünftrundenpick den Sprung in die NFL. Nach 20 Spielen und einer respektablen Bilanz von acht Touchdowns zu fünf Interceptions fand Smiths Karriere dann 2010 ihr jähes Ende.

 

Besser als der Rest

Von Haskins war Rabinowitz hingegen schnell überzeugt, als Passer sei er schließlich auf einem anderen Level, glaubte der Journalist im Sommer 2019. "Er hat einige tiefe Pässe geworfen, die genau auf dem Punkt waren. Seine Wurffähigkeiten sollten nicht in Frage gestellt werden."

Rabinowitz hatte für seine Aussagen auch gute Gründe: Haskins beeindruckte 2018 mit einer der besten College-Quarterback-Saisons aller Zeiten. Mit 4.831 Passing Yards und 50 Touchdowns stellte der Spielmacher zwei neue Rekorde in der Big Ten auf und belegte bei der Wahl zur Heisman Trophy Platz drei hinter Kyler Murray und Tua Tagovailoa.  

Namhafte Konkurrenz für Haskins

Ob Haskins die in ihn gesetzten Erwartungen letztlich doch noch erfüllen kann, bleibt abzuwarten. In den ersten vier Spielen der Saison 2020 agierte der 23-Jährige deutlich aufgeräumter als in seiner Debütsaison und erzielte gegen die Baltimore Ravens mit 314 Passing Yards die beste Leistung seiner Karriere.

 

Zudem ist Haskins im Moment nicht mehr der einzige Ohio-State-Quarterback, der den schlechten Ruf der Buckeyes verbessern könnte. Auch Joe Burrow spielte einst in Columbus, entschied sich aber im Mai 2018 für einen Wechsel an die Louisiana State University.

Auslöser für Burrows Wechsel war damals übrigens die Beförderung eines anderen Backups - sein Name lautete Dwayne Haskins.

Tom Offinger

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