Gehört zu den größten Quarterback-Talenten in Europa: Alexander Honig von de... - Bildquelle: Manfred LöfflerGehört zu den größten Quarterback-Talenten in Europa: Alexander Honig von den Schwäbisch Hall Unicorns. © Manfred Löffler

München - Schon seine Erscheinung ist beeindruckend. Wenn Alexander Honig das Football-Feld betritt, sind automatisch die Blicke auf ihn gerichtet. Mit seinen 17 Jahren misst er bereits 1,97 Meter und wiegt dabei 105 Kilogramm.

Gleichaltrige überragt der Quarterback mühelos. Wer jetzt denkt, dass er mit seiner Statur eher ungelenk daher kommt, der irrt. Denn der Teenager aus dem beschaulichen bayrischen Dorf Roth weiß, wie er seinen Körper einzusetzen hat.

Er erinnert dabei ein wenig an Cam Newton (Carolina Panthers) oder Josh Allen (Buffalo Bills) - nur teilweise noch athletischer. 

Zahlen wie Robert Griffin III 

Den 40 Yards Dash läuft Honig in 4,75 Sekunden. Beim Broad Jump (Weitsprung aus dem Stand) schafft er eine 10,3 (über 3,1 Meter) und beim Vertical Jump (Hochsprung aus dem Stand) überzeugt er mit 38 Inches (98 Zentimeter) - was kein NFL-Quarterback seit Robert Griffin III bei einem Combine mehr geschafft hat. Doch der auf dem Papier beeindruckendste Wert liefern seine riesigen Hände. Sie haben einen Durchmesser von fast 28 Zentimeter.

Ohne Frage, der Passgeber der U19 der Schwäbisch Hall Unicorns hat Anlagen, die es in Europa selten gibt. Er gehört zu den vielversprechendsten Talenten auf der Quarterback-Position. Obwohl er nie eine Highschool besucht hat, liegt ihm bereits ein Angebot für ein College-Stipendium für 2021 vor. Von U-Mass - einem Divisional-I-College.

"Das war alles eigentlich spontan, ich hatte kaum Kontakt mit U-Mass. Die haben meine Videos gesehen und sich über mich informiert. Und plötzlich kam das Angebot", erzählt Honig im Gespräch mit ran.de.

Seit 2017 jedes Jahr auf US-Tour

Mit dem Recruiting-Programm PPI war Honig bereits seit 2017 jedes Jahr in den USA, um bei verschiedenen Colleges vorzuspielen. Eine Ochsentour, um auf den Zetteln der Coaches zu landen. Zuletzt war er im Juni dieses Jahres da, schon im Januar machte er bei einem Quarterback-Workout in Texas mit.

Fürs Training und die Spiele der Unicorns fährt er rund dreimal die Woche ins ca. 130 Kilometer entfernte Schwäbisch Hall - der einfache Weg dorthin dauert rund 75 Minuten. Früher hat Mutter Susanne die Fahrten übernommen. Seitdem der zwei Jahre ältere Bruder Christian, mit dem Alexander noch zusammen in der U19 der Unicorns spielt, seinen Führerschein hat, bilden sie eine Fahrgemeinschaft. Aktuell kämpft ihr Team um den deutschen Meistertitel.

All die Strapazen nimmt Honig gerne auf sich: "Ich setze mir das Ziel mit der Universität in Amerika. Ich bin da auch so ehrgeizig, dass ich so viel dafür mache. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich am Wochenende feiern gehe, anstelle eines Trainings."

Eine Ausnahme in seinem Alter: "Für Außenstehende sieht das vielleicht komisch aus, wenn ich das Wochenende und meine komplette Freizeit dafür nutze, Football zu spielen und zu trainieren."

Hoffen auf weitere Angebote

Doch das Angebot von U-Mass gibt Honig Recht. Trotzdem will er noch etwas abwarten, bevor er sich entscheidet. Er hofft auf weitere Angebote, und das bald: "Theoretisch kann ich bis 2021 warten. Das will ich aber nicht. Die Schulen versuchen, die Quarterbacks schon früh auszuwählen, weil es die wichtigste Position ist. Daher sollte man sich eher früh als spät festlegen."

Bis Ende des Jahres will er sich entscheiden. Hoch im Kurs steht für ihn auch die Universität von Michigan. Der Head Coach dort: Jim Harbaugh.

Natürlich war Honig auch dort bereits für ein Workout - mit 400 weiteren Quarterbacks. Bei Wurfübungen ging der ehemalige Coach der San Francisco 49ers die Liste mit den Maßen der Teilnehmer durch. Bei Honig wurde er stutzig. Die Hände. So ging er zum deutschen Import und hielt seine gegen jene von Honig. Danach war er überzeugt: Die Angaben auf dem Zettel stimmen tatsächlich.

Guter Quarterback - Elite-Tight-End?

Doch nicht nur als Spielmacher scheint der deutsche Juniorennationalspieler Talent zu haben. Bei Penn-State sollte Honig nach den Quarterback-Drills auch ein paar Bälle fangen. Als Tight End. Er bekam drei Pässe, alle drei fing er sicher.

Der Positions-Coach war beeindruckt, wie Honig verrät: "Nach dem Camp kam er auf mich zu, gab mir seine Visitenkarte und meinte, dass ich ein guter Quarterback bin, er aber davon ausgeht, dass ich ein Elite-Tight-End sein könnte."

Doch ein Positionswechsel kommt für Honig noch nicht in Frage. Er will als Quarterback ans College. Um das zu erreichen, möchte er von den Besten auf seiner Position lernen. Besonders beeindruckt den Patriots-Fans dabei die Spielweise von Tom Brady. Warum? "Wie ruhig er in der Pocket ist. Die Entscheidungen, die er trifft. Er kann einfach die Defense so gut ausspielen und weiß immer, wer offen sein wird."

Vater hat mit Stecker und Motzkus Football gespielt

Bei seinen Trips durch Amerika ist auch immer Vater James an seiner Seite. Dieser war Mitbegründer der Football-Mannschaft der Nürnberg Rams, wo auch Alexander mit Flag Football begann. In den 80er Jahren schaffte er es als Linebacker in die deutsche Nationalmannschaft.

James Honig spielte dabei unter anderem mit ranNFL-Kommentator Jan Stecker und -Experte Roman Motzkus zusammen. Da die Strukturen damals noch nicht gegeben waren, konnte der Vater nie in Amerika Football spielen. Nun lebt er seinen Traum durch Sohn Alexander weiter.

Erst einmal Abitur in Deutschland

Einen Masterplan für die kommenden Jahre hat das deutsche Football-Talent nicht. Erst einmal will er hierzulande sein Abitur machen. Danach soll es dann über den großen Teich gehen für ein College-Stipendium.

Aber natürlich ist im Hinterkopf der Traum NFL: "Es ist superschwer in die NFL zu kommen, nur ein geringer Prozentsatz schafft das. Ich habe riesiges Potenzial, weil ich auch im Vergleich zu den Amerikanern - was das Training angeht - hinterher bin und trotzdem auf dem gleichen Level spiele. Und ich glaube, dass, wenn ich an einer Uni regelmäßig trainiere, noch große Sachen passieren können."

Vielleicht so große Sachen, dass bald auch die Amerikaner auf Honig schauen und beeindruckt sind. Und dann nicht mehr nur wegen seiner großen Hände.

Julian Reusch

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