Simon Krizak spielt für die Bucknell University. - Bildquelle: Twitter/SimonKrizakSimon Krizak spielt für die Bucknell University. © Twitter/SimonKrizak

München - Wirklich alles ist anders in diesem verrückten Jahr 2020. Vieles, was vor einigen Monaten noch selbstverständlich schien, ist derzeit höchst ungewiss.

Schuld daran ist in erster Linie die COVID-19-Pandemie, die die Welt nach wie vor im Griff hat. In den USA kommt durch das unberechenbare Vorgehen von Präsident Trump noch ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu.

Unter der Woche verkündete die Polizei- und Zollbehörde "Immigration and Customs Enforcement" (ICE) im Auftrag der Trump-Regierung, dass ausländische Studenten, deren Kurse online stattfinden sollen, das Land verlassen müssen beziehungsweise nicht einreisen dürfen.

Was konkret bedeutet, dass die akademischen und sportlichen Ziele und Träume tausender Studentinnen und Studenten aus der ganzen Welt in großer Gefahr sind.

"Eine komische Situation"

"Tatsächlich bin ich gerade in einer komischen Situation", berichtet Simon Krizak bei ran.de: "Wegen des bestehenden Reiseverbots aus dem Schengen-Gebiet sind Jasper Friis und ich gerade in der Türkei angekommen, um in zwei Wochen von hier aus in die USA zu fliegen. Und das war noch vor den neuen ICE-Regelungen."

Krizak spielt seit drei Jahren in der Offensive Line der Bucknell Bison, dem Football-Programm der Bucknell University aus Lewisburg, Pennsylvania. In der vergangenen Saison kam er in allen elf Partien zum Einsatz, trotzdem ist plötzlich sein Senior-Jahr in Gefahr. Ähnlich geht es Jasper Friis, der ebenfalls als O-Liner für das Snow College in Utah spielt.

Die Ungewissheit beginnt mit bei der Einreise. Seit März ist Personen, die sich in den letzten 14 Tagen im Schengen-Raum, also einem Großteil der EU-Staaten, aufgehalten haben, wegen der Corona-Pandemie die Einreise in die USA nicht gestattet.

Zahlreiche College-Athleten und -Studenten aus Deutschland wählen deshalb den Umweg über die Türkei, von wo aus es nach 14-tägigem Aufenthalt weiter in die USA gehen soll, wo bald das Herbstsemester beginnt.

Demokraten, Presse und Unis kritisieren ICE-Regelung

Durch die neue ICE-Regelung, die von der Opposition der Demokraten, der Presse und den Universitäten gleichermaßen scharf kritisiert wurde und gegen die mehrere Unis bereits gerichtlich vorgehen, kommt noch ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu.

Es gilt nun, den nicht gerade zimperlichen Grenzpolizisten bei der Einreise in die USA zu beweisen, dass man sich erstens in den letzten 14 Tagen nicht im Schengen-Raum aufgehalten hat und dass man zweitens an der Universität Kurse mit körperlicher Anwesenheitspflicht belegen wird, die nicht online durchgeführt werden können. Die Einreise werde entsprechend "spannend wie nie", sagt Simon Krizak.

Mehr als 9.000 Deutsche studierten zuletzt in den USA, nicht wenige mit einem Sport-Stipendium in den unterschiedlichsten Disziplinen wie Football, Fußball, Basketball, Tennis oder Leichtathletik. Ob sie ihr Studium vor Ort fortsetzen dürfen, ist ungewiss. Ob sie in absehbarer Zeit ihren Sport ausüben können, ist ebenfalls völlig offen.

Angesichts der hohen Infektionszahlen in den USA ist die College-Football-Saison in akuter Gefahr, in den anderen Sportarten sieht es nicht anders aus.

Krizak rechnet mit der Verlegung der Saison

Entschieden sei zwar noch nichts, Krizak rechnet aber damit, dass die Spielzeit der Patriot League, in der die Bisons spielen, auf das nächste Semester verschoben wird.

Sein Studium könnte der 22-jährige Stuttgarter im Zweifel zwar auch in Deutschland fortsetzen, angenehm wären die Online-Kurse aufgrund der Zeitverschiebung aber vermutlich nicht. Außerdem würde in diesem Falle das Visum des O-Liners verfallen und er müsste für sein letztes Semester noch einmal eine neue Aufenthaltsgenehmigung beantragen.

Anstatt sich auf den Sport konzentrieren zu können, haben Deutschlands College-Athleten derzeit also ganz andere Sorgen. Ein Brief mit der Bitte um Unterstützung wurde an die Bundesregierung geschickt, Online-Petitionen zur Unterstützung ausländischer Studenten in den USA fanden weltweit hunderttausende Unterzeichner.

Trotzdem fliegt die Ungewissheit auf dem Weg über den Atlantik mit. Letztlich bleibt im Sinne der Studenten nur zu hoffen, dass die Klagen erfolgreich sind oder die Proteste die Regierung um Donald Trump dazu bringen, ihre Meinung noch einmal zu überdenken.

Wirklich ausgeschlossen scheint in diesem verrückten Jahr selbst eine weitere Kehrtwende nicht.

Christian Stüwe

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