Es bleibt höchst unwahrscheinlich, dass das College-Finale 2020/2021 auch nu... - Bildquelle: 2020 Getty ImagesEs bleibt höchst unwahrscheinlich, dass das College-Finale 2020/2021 auch nur annähernd so aussehen wird © 2020 Getty Images

München - Nahezu täglich gibt es neue Entwicklungen rund um die Planungen beim College-Football in den USA. Aufgrund der weltweit anhaltenden Corona-Pandemie stehen die Verantwortlichen weiterhin vor dem Rätsel, ob - und vor allem wie -  im Jahr 2020 American Football unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften gespielt werden kann. 

Natürlich ist auch die NFL von den Unklarheiten betroffen. Schließlich spielen die kommenden Top-Talente im College, der Draft 2021 wird stark beeinflusst und bei einer gebündelten Absage der NCAA könnten neue Sendeplätze am Wochenende frei werden. 

Um einen Überblick über die aktuelle Lage zu geben, beantwortet ran.de die wichtigsten Fragen in Bezug auf Division-I-Football und die NFL.

Welche Conferences haben die Saison bereits abgesagt?

Zwei der "Power 5 Conferences" haben die Saison im Herbst offiziell abgesagt. Wie die Big Ten und die Pac-12-Conference bekannt gaben, kann 2020 nicht mehr gespielt werden. 

"Die geistige und körperliche Gesundheit und das Wohlergehen unserer studentischen Athleten standen im Mittelpunkt jeder Entscheidung, die wir getroffen haben, um voranzukommen", so Big Ten-Commissioner Kevin Warren in der offiziellen Erklärung. 

Auch kleine Conferences haben sich bereits gegen eine Saison ausgesprochen. Die Mid-American und die Mountain-West-Conference haben die Spielzeit unlängst gecancelt. 

Wann soll stattdessen gespielt werden? 

Die großen Conferences haben die Hoffnung, dass die Saison im Frühling 2021 nachgeholt werden kann. Ob es dazu kommt, wird wohl stark von den Infektionszahlen in den USA abhängen. 

Welche Conferences wollen im Herbst spielen?

Entgegen der Entscheidung der beiden anderen "Power 5 Conferences", planen die Big 12, die SEC und die ACC, im Herbst 2020 zu spielen. Auf Nachfrage von ran.de sagte Rechteinhaber "ESPN", dass die Big 12 voraussichtlich am 26. September die Saison beginnen wird. Man hoffe zudem, dass SEC und ACC ebenfalls im September starten.

SEC-Chef Greg Sankey sagte: "Wir werden unsere Richtlinien und Protokolle für eine sichere Rückkehr zum Sport weiter verfeinern, während wir die Entwicklungen rund um COVID-19 überwachen, um unsere studentischen Athleten jeden Tag zu unterstützen, auszubilden und zu betreuen."

Neben den drei großen Conferences haben auch die "AAC" und die Sun Belt Conference angekündigt, den aktuellen Plänen Folge zu leisten und vorher nichts abzusagen. 

Was wollen die Spieler? 

Einige Spieler, vor allem diejenigen mit mehr Medien-Präsenz, schließen sich derzeit zusammen, um eine Spieler-Gewerkschaft zu gründen. Nach Vorbild der NFLPA verlangen Stars um Clemson-Quarterback Trevor Lawrence mittels ihrer Stimmen, "eine offene Kommunikation und Vertrauen zwischen Spielern und Verantwortlichen zu schaffen." 

Die Forderung einer Spieler-Gewerkschaft geht mit der dringenden Bitte einher, die Saison 2020 wie geplant zu absolvieren. Unter den gemeinsamen Hashtags #WeWantToPlay (engl. wir wollen spielen; Amn. d. Red) und #WeAreUnited (engl. wir sind vereint; Amn. d. Red.) zeigten sie auf ihren Social-Media-Plattformen Einigkeit. 

So soll die Saison zwar gespielt werden, unter anderem um die Zukunft der aufstrebenden Athleten zu sichern, es soll aber auch eine Opt-Out-Option geben, wie sie bereits zwischen der NFL und der NFLPA vereinbart wurde. 

Gibt es schon Absagen von Spielern - und warum?

Natürlich gibt es aber auch Talente, die sich unter den gegebenen Voraussetzungen nicht vorstellen können, die Saison durchzuziehen.

Ein prominentes Beispiel ist Greg Rousseau, ein Top-Pass-Rusher der University of Miami. Rousseau konnte in der vergangenen Spielzeit 15,5 Mal den gegnerischen Quarterback sacken - nur Chase Young, der es bereits zum Washington Football Team geschafft hat, war besser.

Auch Linebacker Micah Parsons wird die, wenn sie denn stattfindet, ungewöhnliche Saison 2020 nicht bestreiten und sagte Penn State bereits ab. Beide Spieler wollen sich aber trotzdem für den NFL Draft 2021 anmelden und ihr Glück bei einem NFL-Team versuchen. 

Gegenbeispiele sind Vanderbuilt-Kicker Oren Milstein und Safety Kerry Martin Jr. von West Virgina, die sich durch Vorerkrankungen, beispielsweise Asthma, zu große Sorgen um ihre Gesundheit machen. 

Mit weiteren Absagen ist nahezu täglich zu rechnen. 

Was bedeutet die Situation für den NFL Draft 2021

Die NFL hat sich in diesem Jahr bereits sehr flexibel gezeigt. Es gab keine Rookie-Minicamps, keine OTAs und teilweise nur virtuelle Meetings. Der NFL Draft 2021 kann zwar nicht einfach abgesagt werden, jedoch wird sich die Liga auf eine Verschiebung der großen Talente-Ziehung einig werden müssen. 

Stand jetzt soll der Draft vom 29. April bis 1. Mai 2021 in Cleveland abgehalten werden. Startet die College-Saison einiger Conferences erst im Frühling, also zu einem ähnlichen Zeitraum, wird das Datum kaum einzuhalten sein.

Schließlich ist der Scouting Combine für den Draft nahezu unabdingbar. Dieser kann während einer laufenden Saison schlichtweg nicht abgehalten werden. Diesbezüglich gibt es aber noch weitere Probleme ...

Welche Probleme gibt es für die NFL-Scouts?

Schon beim Draft 2020 hatten General Manager und Verantwortliche teils große Probleme, Talente aus dem College genügend zu scouten. Reisen durch das Land stellten und werden weiterhin ein Gesundheitsrisiko, gerade in den USA, darstellen. 

So werden die Scouts erneut Probleme kriegen, Prospects genügend zu evaluieren. Medizinchecks, und da kann beispielsweise Tua Tagovailoa ein Lied von singen, sind nur schwer in die Wege zu leiten. Pro Days und der angesprochene Scouting Combine erfordern einen noch höheren organisatorischen Aufwand als sowieso schon. 

Für den Combine müssten ca. 335 Spieler nach Indianapolis gebracht werden. Die Spieler müssen genau untersucht werden, sollen teilweise gemeinsame Workouts absolvieren und werden in jeglicher Art getestet. In Indianapolis müsste die Liga also fast eine eigene Bubble einrichten. 

So viel jedenfalls zu den Spielern, die die Saison absolvieren können. Doch was ist mit Top-Talenten wie Greg Rousseau? Der meldet sich zwar zum Draft an, kann sich aber nicht weiter empfehlen, wenn er das Jahr aussetzt. Bei ihm und seinen Opt-Out-Kollegen werden die Scouts vor weitere Probleme gestellt. 

Es könnte ihnen also nicht nur die persönliche Evaluierung mit den eigenen Augen verloren gehen, sondern auch noch Tape- und Video-Material. 

Kann die NFL trotzdem von der College-Absage profitieren?

Möglicherweise. Denn sollte die College-Saison komplett mit allen Conferences abgesagt werden, könnte die NFL kurzfristig die Spieltagsgestaltung an den Wochenenden abändern - und somit mehr TV-Slots füllen. Damit würde die Liga ein Gesetz umgehen, dass Partien am Samstag grundsätzlich verbietet

Es stehen wohl schon Überlegungen der NFL im Raum, die Spieltage auf den Samstag und möglicherweise auch den Freitag auszuweiten. Damit wären die einzelnen Gamedays gestückelter, die Spiele würden weniger in direkter Konkurrenz zueinander stehen und es würde außerdem die Spieler entlasten. 

Teams, die bereits vier Tage später ein Thursday Night Game absolvieren müssten, würden einen weiteren Tag zur Regeneration und zur Anreise gewinnen.

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