Football-Trainer John "Doc" Holliday hat den gleichen Namen wie ein berühmte... - Bildquelle: imago sportfotodienstFootball-Trainer John "Doc" Holliday hat den gleichen Namen wie ein berühmter Western-Held, der bereits Protagonist vieler Filme gewesen ist © imago sportfotodienst

München/Huntington - Die Marshall University mag den meisten Football-Fans hauptsächlich als Ausbildungsstätte des ehemaligen NFL-Wide Receivers Randy Moss bekannt sein.

 

Inzwischen sind allerdings 22 Jahre vergangen, seitdem Moss das College verließ und zum NFL-Superstar aufstieg. Einen guten Ruf haben die Marshall Thundering Herd, so der Name der Football-Mannschaft, auch heutzutage noch, wenn sie wie am Samstag gegen Eastern Kentucky ab 18:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de antreten.

Das liegt nicht zuletzt an der Konstanz auf der Trainerposition.

Lediglich vier verschiedene Trainer hatte die Football-Mannschaft aus Huntington, der zweitgrößten Stadt im US-Bundesstaat West Virginia, seit dem Jahre 1990. Der amtierende Trainer Doc Holliday steht bereits seit dem Jahre 2010 an der Seitenlinie. 2013 und 2014 führte er die Truppe auf den ersten Platz der Conference USA, wurde daraufhin sogar zum C-USA Coach of the Year ernannt.

Die vergangenen beiden Spielzeiten schlossen die Thundering Herd jeweils auf dem 2. Platz ab.

Ein Gouverneur als Gegner  

Holliday genießt an seiner Universität ein so hohes Ansehen, dass selbst hochrangige Politiker ihm wenig anhaben können.

Jim Justice, der seit 2017 der Gouverneur des US-Bundesstaats West Virginia ist, soll laut einem Bericht von "cbssports" nämlich im Jahre seines Amtsantritts versucht haben, Holliday aus dem Traineramt zu drängen.

Der Grund: Justice ist ein enger Freund von Bobby Pruett, der von 1996 bis 2004 bereits die Marshall Thundering Herd trainiert und eine erfolgreiche Ära geprägt hatte. Pruett nutzte seine Popularität später, um Justice bei seinem Wahlkampf zu unterstützen - mit Erfolg.

Daraufhin wollte sich Justice offenbar revanchieren und Pruett seine alte Funktion wiederbeschaffen.

"Das ist für alle Beteiligte ein trauriger Tag", sagte Holliday, als die Geschichte publik wurde. "Aber letztendlich gelten meine Gedanken lediglich dieser Football-Mannschaft. Meine Aufgabe ist es, diese Mannschaft zu trainieren, mit diesen Jungs zusammen zu sein und sie besser zu machen."

Nick Casey, der Stabschef des Gouverneurs, versuchte daraufhin, die Geschichte herunterzuspielen. "Es war kein Treffen, um zu sagen: 'Entlasse den Trainer und stelle Pruett ein'. Es war einfach ein Treffen, in dem gesagt wurde, dass die Mannschaft ihr Spiel verbessern und etwas tun müsse, um wieder zur alten Größe zurückzukehren."

Wie auch immer die genauen Worte gewesen sein mögen: Holliday blieb Trainer der Marshall Thundering Herd und blickt nun seiner elften Saison entgegen.

Namensgleichheit mit einem Revolver-Helden

Ein Trainer, der nach einem berühmten Western-Helden benannt wird, lässt sich eben nicht unterkriegen.

Zur Erklärung: Eigentlich heißt der Trainer John Holliday. Also genauso wie der Revolver-Held John Henry Holliday aus dem 19. Jahrhundert, der bereits Protagonist vieler Western-Filme war und den die Hollywood-Stars Dennis Quaid, Val Kilmer und Kirk Douglas darstellten.

Weil der 1887 verstorbene Western-Held hauptberuflich Zahnarzt war, bekam er den Namen "Doc" Holliday verpasst. Der Football-Trainer erhielt später den selben Spitznamen.

Der 63-Jährige, der 755.000 US-Dollar im Jahr verdient, hat mittlerweile selbst eine erfolgreiche Ära geprägt. In den vergangenen zehn Jahren stand er mit seinem Team sieben Mal in einem Bowl, sechs davon gewann er. Lediglich im vergangenen Jahr unterlag sein Team im Gasparilla Bowl den UCF Knights.

Junger Quarterback, schwierige Ausgangssituation

In der Saison 2020 muss Holliday neue Herausforderungen meistern. In Grant Wells ernannte er einen jungen Spielermacher zum Starting-Quarterback, der im College-Football bislang keinen einzigen Pass geworfen hat.

Und dann wären da noch die Besonderheiten rund um die Corona-Situation. Holliday versucht, diese auszublenden: "Ich habe den Jungs gesagt, dass wir uns nur um die Dinge Gedanken machen sollen, die wir kontrollieren können. Und der Stand der Dinge ist nun einmal, dass wir spielen werden."

Der Trainer wird seine erfolgreiche Ära fortführen und im Idealfall wieder ein Bowl-Spiel gewinnen wollen. Möglicherweise denken Football-Fans dann bald nicht nur an Randy Moss, wenn sie von der Marshall University hören, sondern auch an Doc Holliday.

Den Coach, nicht den Western-Helden.

Oliver Jensen

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