Früher Quarterback, heute Head Coach: Jim Harbaugh von den Michigan Wolverin... - Bildquelle: imago/ZUMA PressFrüher Quarterback, heute Head Coach: Jim Harbaugh von den Michigan Wolverines © imago/ZUMA Press

Ann Arbor/München - Es war ein ungewöhnlicher Karriereschritt, den Jim Harbaugh im Dezember 2014 vollzog. Er galt damals als einer der heißesten Trainer der NFL. Praktisch im Handumdrehen war es ihm gelungen, aus der Verlierertruppe der San Francisco 49ers ein Gewinner-Team zu machen.

Acht Jahre hintereinander hatten die 49ers die Playoffs verpasst, ehe Harbaugh kam und den schnellen Erfolg brachte: In den Spielzeiten 2011, 2012 und 2013 erreichten die 49ers durchgängig das NFC Championship Game, standen im Februar 2013 sogar im Super Bowl. Nach der Saison 2014, als die 49ers die Playoffs verpassten, erfolgte die Trennung.

Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Harbaugh bei einem anderen NFL-Team unterkommen würde. Doch es kam anders: Der Trainer besann sich auf seinen Ursprung, die Michigan Wolverines, bei denen er selber einst Quarterback war, bevor er Profi wurde und 15 Jahre in der NFL spielte.

Ich habe immer davon geträumt, Michigan zu trainieren

Die Universitätsmannschaft, die mit ihrem 107.000 Zuschauer fassenden Michigan Stadium die größte Arena im gesamten American Football besitzt, steckte 2014 in der Krise. Zwei Spielzeiten in Folge hatten sie in der eigenen Conference eine negative Bilanz vorzuweisen.

Also vollzog Harbaugh den ungewöhnlichen Karriereschritt und wechselte von der NFL zurück an ein College. "Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, an der Universität von Michigan zu trainieren. Ich fühle mich privilegiert, eine Führungsposition an einer der besten Universitäten der Welt einzunehmen", sagte er damals.

Völlig selbstlos war dieser Schritt allerdings nicht. Finanziell hat es sich gelohnt, an die Basis zurückzukehren. 7,5 Millionen US-Dollar kassiert er pro Jahr. Verglichen mit den fünf Millionen US-Dollar, die er bei den 49ers in der NFL verdient hatte, entspricht das einer satten Gehaltsaufbesserung.

Harbaugh ist hinter Dabo Swinney (Clemson University, 9,3 Millionen Dollar) und Nick Saban (University of Alabama, 8,3 Millionen Dollar) der drittbestverdienende Trainer im College-Football.

Der Unterschied ist allerdings: Swinney und Saban haben Meisterschaften gewonnen. Harbaugh noch nicht. Das wird von ihm allerdings erwartet: Harbaugh soll mit Michigan die erste nationale Meisterschaft seit 1997 holen.

Eine positive Entwicklung ist zweifelsfrei festzustellen: In den vier Jahren unter Harbaugh gelang den Michigan Wolverines stets eine positive Bilanz. Vergangene Saison erreichten sie innerhalb der eigenen Conference acht Siege bei nur einer Niederlage. Zeitweise standen sie im College-Ranking auf Platz vier. Dies wäre gleichbedeutend mit der Teilnahme an den Playoffs gewesen.

Der Traum platzte allerdings, als Michigan von dem Division-Rivalen Ohio State Buckeyes mit 62:39 abgefertigt wurde. Das unschöne Image, in den entscheidenden Spielen zu versagen, haftet somit weiterhin an Harbaugh und den Wolverines. Dazu passt auch, dass die letzten drei Bowl-Spiele der Wolverines alle verloren wurden.

Die Geduld mit Harbaugh lässt nach  

"Die Geduld mit ihm lässt langsam nach", stellt Mike Persak von der Universitätszeitung "The Michigan Daily" fest. Auch dieses Jahr dürfte der Traum von der Meisterschaft unerfüllt bleiben. Mit einer Bilanz von 6-2 belegen die Wolverines im College-Ranking Platz 14. Heißt: Am Samstag muss gegen die Maryland Terrapins (Samstag, ab 16:45 Uhr live auf Pro Sieben MAXX und ran.de) zwingend ein Sieg her.   

Auf dem Papier erfüllt der Kader alle Voraussetzungen: Die Wolverines haben in Shea Patterson einen wurfstarken und beweglichen Quarterback, der 2020 ein Kandidat für die NFL ist. Auch die Defense ist individuell gut besetzt und lässt pro Spiel nur 270,4 Yards zu - der achtbeste Wert in der FBS.

Doch in den wichtigen Spielen, wie zum Beispiel in dieser Saison gegen Wisconsin oder Penn State, verlässt die Wolverines weiterhin das Glück.

 

Der Vertrag von Harbaugh läuft noch bis einschließlich der Saison 2021. Ob er bis dahin eine Meisterschaft gewinnt? Oder steigt er vorzeitig aus dem Arbeitsverhältnis aus und kehrt in die NFL zurück?

Harbaugh ein Kandidat für die Cleveland Browns?

Der frühere Football-Star O.J. Simpson schlug Harbaugh vor wenigen Tagen als Lösung für die kriselnden Cleveland Browns vor. "Viele großartige College-Trainer sind bei den Profis nicht gut", sagte Simpson per Twitter-Video. "Aber es gibt einen Typen, der ein guter College-Trainer ist, den ich aber als Profi-Trainer für noch besser halte. Und der befindet sich direkt in Eurer Umgebung, Cleveland! Er heißt Jim Harbaugh und ist das Heilmittel für all eure Probleme."

Ganz neu sind die Gerüchte um eine mögliche NFL-Rückkehr nicht. 2016 wurde er in den Medien bereits als nächster Head Coach der Los Angeles Rams gehandelt. Harbaugh bezeichnete diese These damals als eine Lüge.

Auch in diesem Jahr, als der Reporter Zach Barnett von "Football Scoop" das Gerücht in den Umlauf brachte, die Agenten von Harbaugh würden eine NFL-Rückkehr vorbereiten, dementierte der Coach. Er schrieb sogar einen Brief an die Eltern der Michigan-Spieler, bezeichnete die Gerüchte als "totalen Mist" und stellte klar, dass er nicht einmal einen Agenten habe.

Später versprach Harbough noch einmal bei ESPN: "Ich gehe nirgendwo hin. Ich bleibe in Michigan. Wir haben hier große Pläne und es gibt eine Menge, was wir erreichen wollen."

Denn eines ist klar: Nur wenn er früher oder später die nationale Meisterschaft gewinnt, hat sich Harbaughs einst so ungewöhnlicher Karriereschritt wirklich gelohnt.

Oliver Jensen

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