München/Ann Arbor - Für Julius Welschof gelten seit Wochen nur noch zwei Worte: Orange Bowl.

Denn in der Silvesternacht treffen seine Michigan Wolverines im zweiten Halbfinale der College Football Playoffs auf die Georgia Bulldogs (in der Nacht zum 1. Januar, live ab 01:30 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de).

Vor dem großen Duell um den Einzug ins National Championship Game in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar ab 01:45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de spricht der Defensive End im Interview mit ran über den berühmten Coach Jim Harbaugh, Uni-Alltag, seinen Weg am College und ein mögliches deutsches Duell.

ran: Herr Welschof, hinter Ihnen liegen spektakuläre, aber auch kräftezehrende Wochen. Wie geht es Ihnen?

Julius Welschof: Es waren zwölf, dreizehn Wochen Vollgas, da merkt man dann schon, dass der Körper mal eine Pause braucht. Zudem für mich während der Endphase der Saison auch noch meine Abschlussprüfungen anstanden.

ran: Wie kann man sich diese Kombination aus Uni und College Football auf Top-Niveau vorstellen?

Welschof: Es verlangt vor allem gutes Zeitmanagement. Aber wenn es mal nicht ganz hinhaut, kann man die Professoren eigentlich immer anschreiben und sie haben da Verständnis für. Das ist auf jeden Fall gut, weil alleine der Football natürlich sehr zeitintensiv ist. Aber zum Glück ist das jetzt geschafft und seit Mitte Dezember liegt der Fokus eigentlich bei uns allen auf dem Halbfinale.

ran: Erstmals seit der Gründung der College-Football-Playoffs 2014 ist Michigan Teil der vier Halbfinalisten. Wie ist der große Erfolg in dieser Saison zu erklären?

Welschof: Das ist immer schwer zu sagen. Ich glaube, wir brauchten anfangs ein paar Spiele, haben dann aber gemerkt, dass wir als Team einfach sehr gut sind. Natürlich haben wir auch viele gute Einzelspieler, aber der Erfolg hängt nicht von einem ab, sondern wenn jeder das tut, was er machen soll, sind wir als komplettes Team sehr gut.

Michigan-Trainer Harbaugh ein "Perfektionist" 

ran: Welchen Anteil hat Head Coach Jim Harbaugh daran?

Welschof: Er ist natürlich ein ziemlich erfahrener Coach und er wusste vor der Saison ganz genau, was es zu verbessern gilt. Man merkt ihm seine NFL-Erfahrung an, die Spielvorbereitung ist immer unglaublich gut. Aber er ist auch ein Perfektionist und eigentlich nie wirklich zufrieden.

ran: Und davon haben auch Sie profitiert?

Welschof: Definitiv. Er ist natürlich auch schon einige Zeit in Michigan und ich fand es gut, dass ich all die Jahre denselben Head Coach hatte. Ich habe ihm in meinen Jahren hier sehr viel zu verdanken, weil er auch ein Trainer ist, der sich viel um die Spieler kümmert, gleichzeitig aber auch seinem Coaching Staff vertraut und sie machen lässt. So konnte ich mich gut entwickeln.

ran: Dabei kannte sie vor einigen Jahren nicht einmal die Regeln vom American Football …

Welschof: Das stimmt. Ich war nach meinem Realschul-Abschluss in Jacksonville bei einer Gastfamilie. Als wir im Garten einfach mal so den Football hin und her geworfen haben, meinte mein Gastvater, dass ich für meine Größe sehr athletisch bin und bestimmt College Football spielen könnte. Zurück in Deutschland habe ich dann bei den Rosenheim Rebels mit dem Sport angefangen und schnell gemerkt, dass ich auf der Position des D-Liners auch mit weniger Erfahrungen gut sein kann und dass es dort viel auf die Athletik ankommt. Irgendwann bin ich dann mit einigen Teamkollegen wieder in die USA geflogen und konnte mich so für die Colleges empfehlen.

Sieg gegen Ohio State: "Das war unglaublich emotional"

ran: Mittlerweile sind Sie ein Teil der Rotation in der Defense, spielen viel Special Teams und stehen plötzlich im Michigan-Stadium vor über 100.000 Zuschauern auf dem Rasen. Was ist das für ein Gefühl?

Welschof: Anfangs war ich bei den Spielen noch sehr nervös, das ist aber weniger geworden. Die ganze Atmosphäre im Stadion ist sehr außergewöhnlich und mit nichts zu vergleichen. Es ist immer wieder emotional, wenn man sich mit dem Team gegenseitig anfeuert und dann aus dem Tunnel auf das Feld läuft.

ran: Gibt es da spezielle Ereignisse oder Highlights, die Ihnen in den Sinn kommen?

Welschof: Das Spiel gegen Ohio State war unglaublich emotional. Es wird einem hier wirklich immer wieder bewusst gemacht, wie wichtig es für Michigan ist, Ohio State zu schlagen. Bei jedem Workout hing eine große Leinwand im Raum, auf der stand: 'Was bist du bereit zu tun, um Ohio State zu schlagen?'. Wenn man es nach so langer Zeit (zehn Jahre, Anm. d. Red.) schafft, endlich mal wieder einen Sieg einzufahren und das ganze Stadion ausrastet, die Fans auf das Feld stürmen während es leicht schneit. Das werde ich nie vergessen.

ran: Einer der Helden in diesem Spiel war damals Aidan Hutchinson, dem drei Sacks gelangen. Im kommenden NFL Draft gilt er als Top-5-Pick, was ist er für ein Typ?

Welschof: Wir kennen uns sehr gut und wohnen zusammen in einer Zweier-WG. Man merkt schon, dass er anders ist. Er legt sehr viel Wert auf seinen Körper, isst kein Zucker und quasi nur Naturprodukte. Er ist einer der Ehrgeizigsten im Team und hasst es zu verlieren. Damit steckt er alle gewissermaßen an, auch das Beste aus sich rauszuholen.

"Das Team, das besser vorbereitet ist, gewinnt"

ran: Sie sind an Nummer zwei gesetzt und treffen im Halbfinale (in der Nacht zum 1. Januar, live ab 01:30 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) auf die Georgia Bulldogs. Wie sehen die letzten Tage vor dem Spiel aus?

Welschof: Wir sind gerade viel in der Analyse und sehen uns viele Spielszenen von Georgia an. Der Unterschied zur Regular Season ist, dass man einfach viel mehr Zeit hat, um sich auf das Spiel vorzubereiten. Unsere Coaches sagen uns auch immer: 'Wer besser vorbereitet in das Spiel geht wird gewinnen'."

ran: Und Sie werden besser vorbereitet sein?

Welschof: Das ist natürlich unser Ziel. Beide Defensiven sind sehr gut und es wird wahrscheinlich davon abhängen, welche Offensive den Gegner besser knacken kann.

ran: Im zweiten Halbfinale (31. Januar, live, ab 21:15 Uhr auf ProSieben MAXX und ran.de) steht mit Lorenz Metz ein weiterer Deutscher für Cincinnati auf dem Platz. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Welschof: Wir kennen uns noch von den Camps früher, er war ja auch ursprünglich mal ein Defensive End, ist dann aber in die O-Line gewechselt. Aber ich verfolge natürlich, was er macht und er hat eine ziemlich erfolgreiche Saison gespielt. Ich hoffe für ihn, dass es gegen Alabama klappt, ein deutsches Finale hätte schon etwas.

Das Interview führte: Timo Nicklaus

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

News-Ticker

Video-Tipps

Aktuelle Galerien