Lächelt nur, wenn er muss: Nick Saban. - Bildquelle: imago/ZUMA PressLächelt nur, wenn er muss: Nick Saban. © imago/ZUMA Press

München – Nick Saban ist kein Selbstdarsteller. Dann schon eher eine freudlose Spaßbremse, wie Kritiker ihn schon mal nennen. Ein verbissenes Arbeitstier. Es ist nicht so, als dass sich einer der erfolgreichsten College-Coaches (ab 31. August live auf ProSieben MAXX und ran.de) an das Gewinnen gewöhnt hätte. 

Überhaupt nicht. Saban brennt. Ist ehrgeizig. Will mehr.

Doch ausgelassene Freude, unbändiger Jubel, die ganz großen Emotionen gehören halt nicht zu seinem Repertoire. Drei Tage nach dem Gewinn des National Championship Game heißt es bei ihm: Das war toll, genug gefreut, an die Arbeit. 

Ein recht aktuelles Beispiel: Nach dem letzten Titelgewinn 2017 der Alabama Crimson Tide durch einen 41-Yard-Pass von Tua Tagovailoa auf DeVonta Smith in der Overtime saß Saban wenige Tage später wieder am Schreibtisch. Um sein Trainerteam für schlechtes Recruiting zu rügen. Andere hätten da vielleicht noch an der Bar gehockt und den großen Sieg genossen.

Blick nach vorne, voller Fokus

Doch für Saban liegt der Triumph in der Vergangenheit. Bedeutet: Blick nach vorne, voller Fokus, die Konkurrenz schläft nicht. Nicht zurücklehnen, denn so lernt man nichts, entwickelt sich nicht weiter. Stillstand ist Rückschritt.

Das kann anstrengend sein. Mit dieser Unerbittlichkeit kann dann auch nicht jeder umgehen. Mit dem "Alabama Faktor". 

Heißt laut Saban: "Ein Team zu haben, das mit viel Disziplin spielt, ein Team, in dem jeder verantwortlich ist, dass der Job auf einem hohen Level und Standard gemacht wird. Jeder stellt das Team an erste Stelle."

Unerbittlich. Auch gegen sich selbst. Ein Perfektionist, wie er im Buche steht. Immerhin: "Ich weiß, dass man nicht perfekt sein kann", sagt er. Aber klar: "Wir arbeiten daran, die Lücke zum Perfekten so klein wie möglich zu halten. Und wir wollen, dass alle rund um das Team das Gleiche machen."

Es ist nicht überraschend, dass Saban mit Patriots-Legende Bill Belichick gut befreundet ist. Was nicht nur an den kroatischen Wurzeln der beiden liegt. Denn er arbeitete Anfang der 90er Jahre bei den Cleveland Browns vier Jahre lang unter Belichick. 

Von Belichick geprägt

Eine Zeit, die ihn beeinflusste und prägte. "Nicht nur, was den Football betrifft, sondern auch was die Organisation betrifft, wie man ein gutes Programm führt und die Erwartungen setzt, so dass alle ihren Job gut machen können", sagte Saban.

Kennt man: Die "Do Your Job"-Mentalität. Verlieren ist keine Option. Lächeln aber auch nicht.

Es ist keine Frage: Der Erfolg gibt beiden Recht. Wenn auch auf anderen Niveaus, unter anderen Umständen.

Seit 2007 ist Saban Head Coach der Alabama Crimson Tide. Und erschuf eine Ära, eine Dynastie im College-Football. 2009, 2011, 2012, 2015 und 2017 gewann die Tide National Championship Game. Unter Saban feierte das Team 141 Siege bei 20 Niederlagen. 

Seine persönliche Bilanz als College-Coach: 232 Siege, 63 Niederlagen, seit er 1990 in Toledo erstmals als Head Coach übernahm. In der NFL war er auch, es blieb aber bei zwei Saisons, 2005 und 2006, bei den Miami Dolphins. Danach startete er in Alabama durch. 

Das Geheimnis?

Jemand wie Saban wird immer mal wieder nach dem Geheimnis des Erfolgs gefragt, jüngst ging es wieder um seine Fähigkeiten, dass er Dinge findet und herauskitzelt, die andere Kollegen so nicht finden. Außer vielleicht Dabo Swinney, der mit den Clemson Tigers 2016 und 2018 die Crimson Tide im großen Finale schlagen konnte. Den Erfolg lässt er sich mit 8,3 Millionen Dollar fürstlich entlohnen, nur Rivale Swinney verdient noch rund eine Million mehr.

Saban wirkt bei dem durch die Frage erzwungenen Eigenlob so ungelenk und freudlos wie er an der Seitenlinie oft aussieht. "Hart arbeiten" gehört dazu, "Wissen und Erfahrung im Staff", "viel Unterstützung", "wirklich gute Leute in der Organisation" und "gute Spieler, die wir anlocken konnten".

Man muss dazu wissen: Saban ist auch ein Champion im Understatement. 

Denn ein Selbstläufer ist die Ära natürlich nicht, im Gegenteil: Der 67-Jährige hat seit Jahren mit einer beispiellosen Fluktuation im Trainerstab zu kämpfen.

Was in erster Linie damit zu tun haben soll, dass es nicht einfach ist, unter Saban zu arbeiten. Saban investiert viel, er verlangt viel. Wenn dann noch einer zum Lachen in Keller geht, ist das nicht für jeden ein Umfeld, in dem er aufblüht und sich verwirklichen möchte.

In den letzten drei Jahren hatte Alabama vier Offensive Coordinators und drei Defensive Coordinators. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Assistenten nehmen Reißaus

Es ist trotzdem beeindruckend, wie er trotz des Aderlasses oft wieder einen Staff zusammenbekommt, der funktioniert. Immerhin müssen sich die neuen Trainer immer wieder eingewöhnen, an das System, an Saban, und der Head Coach umgekehrt auch an die Neuen. Wo andere auf dem Feld stets einen Neuaufbau zu bewältigen haben, kämpft Alabama auch abseits des Platzes damit. 

Ist es schwierig, mit ihm zu arbeiten? Zu schwierig?

Saban keilt zurück: "Es ist interessant, dass die Leute das sagen, aber wenn sie dann einen neuen Job bekommen, es exakt genauso machen wie wir." Die Zahl der Nachahmer ist in der Tat sehr hoch, die Zahl der Gescheiterten aber auch.

Saban betont, dass man mit Heranwachsenden zusammenarbeite. Mit 125 Spielern, die zum Team gehören. Saban: "Sie brauchen viel Unterstützung. Eine Richtung. Und viel Führung."

Er hat auch hier eine Maxime: "Willst du es richtig machen? Oder willst du alle glücklich machen?"

Als freudlose Spaßbremse macht es Saban lieber richtig.

Andreas Reiners

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