Tua Tagovailoa: Wie geht es für ihn weiter? - Bildquelle: imago images/ZUMA PressTua Tagovailoa: Wie geht es für ihn weiter? © imago images/ZUMA Press

München - Vergleiche können helfen. Sie können beruhigen. Klar, sie können auch Panik verbreiten.

In erster Linie helfen sie aber schon mal bei der Einordung, sie dienen als mögliche Anhaltspunkte.

Was besser als nichts ist, wenn im Grunde alles offen ist, wenn man nichts in den Händen und keine Ahnung hat. Wenn die bange Frage gestellt wird: Was wird jetzt aus Tua Tagovailoa?

Die Saison ist für ihn sicher beendet, aber ist es auch die Karriere? Aus der Traum von der NFL, bevor er überhaupt begonnen hat?

 

Der Quarterback der Alabama Crimson Tide hatte sich im Spiel bei den Mississippi State Bulldogs seine Hüfte ausgekugelt. Sie wurde noch im Stadion wieder eingerenkt. Laut "ESPN" hat er sich sogar die Hüfte gebrochen. Tagovailoa war von hinten getackelt worden und unglücklich gefallen.

Weitere Tests

"Er wird sich noch weiteren Tests unterziehen, um die beste Behandlungsmethode festzulegen. Wir erwarten, dass er sich vollständig erholt, aber er wird den Rest der Saison verpassen", sagte Teamarzt Lyle Cain. Eine Operation ist wahrscheinlich. 

"Vielen Dank für die Gebete und die guten Wünsche! Gott hat immer einen Plan", schrieb Tagovailoa auf Twitter. 

Eine seriöse Prognose kann man zu diesem frühen Zeitpunkt kaum treffen, selbst die Ärzte bleiben vage, denn eine vollständige Erholung muss nicht zwingend etwas über die professionelle Football-Karriere aussagen. 

Vergleiche mit Bo Jackson

Und doch fällt bei der Auseinandersetzung mit der für den jungen Quarterback so tragischen Verletzung immer wieder ein Name: Bo Jackson.

Der eingangs erwähnte Vergleich, um diese doch eher seltene Verletzung irgendwie einordnen zu können.

Jackson war in den 80er und 90er Jahren Superstar in der MLB und NFL und wurde in beiden Ligen ins All-Star-Team gewählt. Eine Verletzung beendete seine Karriere als Running Back und Outfielder abrupt: genau, er kugelte sich in einem NFL-Spiel die Hüfte aus.

Danach war das Vielseitigkeits-Phänomen nur noch ein Schatten erfolgreicher Tage. Aber: Bei ihm war nach der Verletzung auch noch eine aseptische Knochennekrose (unzureichende Blutversorgung des Knochens) diagnostiziert worden.

Vergleich mit Bo Jackson

Klar ist auch, wie Experten einwarfen: Tagovailoas Verletzung ist früher erkannt und durch das Einrenken sofort behandelt worden, um das Schlimmste zu verhindern. Die medizinische Unterstützung ist heute auch besser als noch vor 25 Jahren. Und sowieso kann der Vergleich nur ein Anhaltspunkt dafür sein, wie schwerwiegend die Verletzung ist.

Zumal ja auch noch nicht klar ist, ob es ein Bruch der Gelenkpfanne gibt, wo dieser wäre, wenn es ihn gäbe und wie sehr der Bandapparat in Mitleidenschaft geraten ist.

Deshalb bleiben natürlich große Fragezeichen.

Saban in der Kritik

Die erste ging an Head Coach Nick Saban: Warum musste er den Drive drei Minuten vor der Halbzeit bei einem Vorsprung von 35:7 noch unbedingt spielen? Warum hat Tagovailoa überhaupt gespielt? Er hatte sich zuletzt eine Sprunggelenksverletzung zugezogen und war operiert worden, sein Einsatz stand auf der Kippe.

Falsche Fragen. 

Denn natürlich ticken Spieler und Trainer so nicht. Ist Tagovailoa fit, spielt er. Spielt er, will er selbst so viel wie möglich auf dem Feld stehen. 

"Tua ist unser Nummer-1-Quarterback und wenn er körperlich in der Lage ist zu spielen, wollten wir ihn im Spiel sehen", sagte Saban anschließend. "Genau das wollte er, und genau das wollten wir. Hätte ich gewusst, dass etwas Schlimmes passieren würde, hätte ich ihn mit Sicherheit nicht in diese Situation gebracht."

Saban will auch nichts davon hören, dass die Sprunggelenksverletzung etwas mit der Szene zu tun hatte.

Bitter: Es wäre Tagovailoas letzter Drive gewesen. 

"Wir hassen es", sagte Saban. "Wir hassen es wegen ihm, wegen seiner Familie. Wir hassen es, wenn ein Spieler unserer Mannschaft verletzt wird. Wir hoffen, dass dies nicht so schlimm ist, dass es langfristige Auswirkungen auf seine Zukunft als Spieler hat."

Draft 2020? Oder doch das Senior-Jahr?

Die Eine-Million-Dollar-Frage: Wie sieht seine Zukunft aus? Es scheint unmöglich, dass der 21-Jährige rechtzeitig zum Draft im Frühjahr fit wird, geschweige denn zum Scouting Combine im Februar. 

Was theoretisch nicht tragisch wäre, denn er könnte sich Zeit nehmen und 2020 zu seinem Senior-Jahr auf das College zurückkehren.

 

Vom Heilungsverlauf und der Prognose wird es abhängen, ob er sich zum Draft 2020 anmeldet und an welcher Stelle er ausgewählt wird. Dass es nicht die von Experten vorhergesagten ersten Fünf sein werden, dürfte klar sein. Damit müsste er finanzielle Einbußen hinnehmen.

Doch das dürfte aktuell zweitrangig sein. 

Am wichtigsten ist die Genesung und dass er seine Karriere fortsetzen kann. Damit der Traum nicht ausgeträumt ist, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. 

Andreas Reiners

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