Schwer unter Druck: Clay Helton und die Trojans. - Bildquelle: imago/ZUMA PressSchwer unter Druck: Clay Helton und die Trojans. © imago/ZUMA Press

München - Die Auswahl war riesig. Eine unfassbar lange Liste. Ein Luxusproblem. Denn Amon-Ra St. Brown hatte die Qual der Wahl.

26 Division-I-Teams wollten ihn, darunter die Crème de la Crème des College-Footballs (ab 31. August live auf ProSieben MAXX und ran.de). Alabama, Stanford, Notre Dame, UCLA, LSU oder Michigan.

St. Brown entschied sich für die University of Southern California. USC also.

Tradition und Trara

Trojans. Tradition. Hype. Viel Trara, ordentlich Stimmung. Das historische Coliseum, 92.000 Fans, eine spezielle Stimmung. Eine der fünf großen Conferences, die Pacific-12-Conference. PAC 12. 

Deshalb ist da auch Druck. Schon vom Drumherum her eine gute Vorbereitung auf das, was ihn in der NFL erwartet.

Denn die Jahrzehnte ohne NFL-Teams haben Los Angeles geprägt, haben sich in Sachen Football um die Trojans und die rund 16 Kilometer entfernte University of California mit den UCLA Bruins eine große Fan-Gemeinde aufgebaut.

College-Football ist ein Universum für sich. Faszination, Spektakel. 

Legendär schlechte Saison 2018

Für die Trojans war es das zuletzt nicht mehr: Das Team von Coach Clay Helton kam nur auf eine enttäuschende 5-7-Bilanz. In den vergangenen 28 Jahren kam eine negative Bilanz nur einmal (2000, ebenfalls 5-7) vor. Die erste Saison seit 2000 also ohne Bowl-Game. Dazu eine 27:34-Schlappe gegen den Stadtrivalen.

Eine Katastrophe. 

Helton darf sie 2019 in seinem vierten Trojans-Jahr ausmerzen, was ungewöhnlich genug ist. College-Football ist ein knallhartes Geschäft, weshalb Helton schon länger auf einem der heißesten Stühle des Landes sitzt.

Man darf dabei nicht vergessen: 2016 und 2017 kam er auf eine 21-6-Bilanz, gewann den Rose Bowl und den Pac-12-Titel. Doch eine schlechte Saison mit uninspiriertem, schlechten Football reichte, um die Stimmung zu drehen. Nur wenige trauen es ihm zu, die Kurve zu kriegen.

Um das zu schaffen, hat Helton aber eine Menge umgekrempelt, sein Trainerteam durchgewürfelt. Aaron Ausmus soll als Konditionstrainer das Team nicht nur fit machen, sondern auch mehr Disziplin in den Laden bringen.

Nach der kurzen Episode mit Kliff Kingsbury, der im Grunde auf der Durchreise aus Texas verpflichtet wurde, um dann zu den Arizona Cardinals in die NFL zu gehen, wurde Graham Harrell als neuer Offensive Coordinator geholt.

Harrell steht für eine gewisse Art der "Air Raid"-Offense. Also sehr viel Passspiel mit vielen Wide Receivern auf dem Feld. Eine Offense, die auch für St. Brown wichtig werden könnte. Er zählte im Spring Camp bereits wieder zu den besten Receivern im Roster. 

Er hat vor seinem zweiten Jahr den nächsten Gang also schon eingelegt. Vor allem auf St. Brown und Quarterback JT Daniels ruhen viele Hoffnungen, dass die Offense endlich liefert. Die Erwartungen sind traditionell hoch. Der Druck deshalb auch.

Was ist ein perfekter Tag bei den Trojans?

Um das Selbstwertgefühl genauer zu erklären, reicht die Definition eines "perfekten Tages" bei den Trojans: Ein eigener Sieg und gleichzeitige Niederlagen der UCLA und von Notre Dame. 61 perfekte Tage gab es seit 1919, seit auch an der UCLA Football gespielt wird. Gegen die "Fighting Irish" geht es in jeder Saison ebenso um eine eigene Trophäe ("Jeweled Shillelagh") wie gegen UCLA ("Victory Bell").

Elf nationale Titel holten die Trojans seit 1928, darunter waren 13 ungeschlagene und acht perfekte Saisons, außerdem 39 Conference Championships. Die Bilanz seit dem Debüt 1888: 833–339–54.

Das College gilt nicht umsonst als eine der erfolgreichsten Talentschmieden: Elf Spieler wurden in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen. 

Sieben Heisman-Trophy-Gewinner kamen von der USC, darunter O.J.Simpson, Carson Palmer oder Reggie Bush. Der frühere Running Back sorgte allerdings auch für einen Skandal, als Untersuchungen ergaben, dass er Zuwendungen von Spielerberatern angenommen hatte. 

Den Trojans wurden unter anderem alle Siege unter Bush ab Dezember 2004 aberkannt, darunter auch den Orange Bowl 2005, außerdem wurde das Team für zwei Postseasons gesperrt.

500 Spieler im Draft

Auch wenn der ganz große Erfolg wie eine Meisterschaft (zuletzt 2004) schon länger ausbleibt, hält die Talentschmiede immer noch, was sie seit Jahrzehnten verspricht: 500 Spieler wurden bis heute im Draft ausgewählt, 81 davon in Runde eins (der letzte war 2018 Sam Darnold) – die Topwerte unter den Colleges. 

Dieser Tradition würde St. Brown zu gerne folgen. Schließlich hat er die USC auch deshalb ausgewählt.

Andreas Reiners

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