Desmond Ridder gehört zu den Top-Quarterbacks im College Football. - Bildquelle: Getty ImagesDesmond Ridder gehört zu den Top-Quarterbacks im College Football. © Getty Images

München/Cincinnati - Plötzlich wurde Desmond Ridder ganz nervös. Ein Blick aufs Handy. Da war er. Ein Anruf. Um ihn herum war es laut, hektisch, unruhig - nicht gerade die perfekte Atmosphäre für solch ein wichtiges Telefonat. 

Wohin also? Ridder blickte sich um und flüchtete in ein Dixi-Klo. Immerhin etwas Ruhe. Wenige Minuten später kam er wieder heraus. Sein Lächeln zog sich über das ganze Gesicht, soeben ist ein Traum Wirklichkeit geworden. Am anderen Ende des Apparats war Tommy Tuberville, Trainer der Cincinnati Bearcats. 

Ein College-Football-Team aus der Division I. Noch am Morgen hatte Ridder vor einem Scout vorgespielt. Dass er nur wenige Stunden später eine Zusage erhält, hatte er nicht erwartet. 

Vielleicht auch deshalb machte er sich nach seinem Tryout mit seinen Freunden auf den Weg zur Rennbahn. Es war das Wochenende rund um das weltberühmte Kentucky Derby - für ganz Louisville ein Feiertag. So auch für Ridder und seine Kumpels.

Desmond Ridder: Starker Saisonstart für die Bearcats

Rund fünf Jahre später steht Ridder kurz davor, sich seinen nächsten Traum zu erfüllen. Der Quarterback befindet sich in seiner letzten College-Saison, hat zusammen mit dem heutigen Head Coach Luke Fickell das Programm der Bearcats auf ein neues Level gehoben.

Der Schritt in die NFL ist nicht mehr weit - Ridder wird in den ersten Mock Drafts bereits als potenzieller Zweit- oder Drittrundenpick angesehen. Mit seiner Mannschaft steht er derzeit bei einer tadellosen Bilanz von 2-0. Gegen Miami-Ohio (49:14) und Murray State (42:7) fuhr Cincinnati zwei ungefährdete Siege ein. 

Samstag (ab 17.45 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) wartet mit den Indiana Hoosiers der erste Gradmesser auf Ridder und Co. Dennoch reisen die an Nummer Acht gelisteten Bearcats als Favorit an. 

Vor einigen Jahren wäre dies noch nicht denkbar gewesen. Cincinnati war ein Team der Mittelklasse. Große Auftritt im Fernsehen waren Mangelware, lange flog die Universität eher unter dem Radar. 

Ridder und Fickell führen Cincinnati zurück zum Erfolg

2017 übernahm Fickell das Kommando, Ridder setzte sein erstes Jahr noch aus, wurde 2018 dann aber direkt zum Starter. Seitdem führt er die Offensive an, kam in seiner besten Saison im Vorjahr auf 2.888 Total Yards und 31 Touchdowns. Der 22-Jährige wurde AAC Offensive Player of the Year und führte das Team zu einer 9-0-Bilanz nach der Regular Season. Schon in den Spielzeiten zuvor zeigte sich die Mannschaft mit Bilanzen von 11-2 (2018) und 11-3 (2019) deutlich verbessert. 

In das Playoff-Halbfinale wurde Cincinnati dennoch nicht gewählt. Zu schwach waren die Gegner, zu groß die Konkurrenz. Auch deshalb entschloss sich die Universität, die Seiten zu wechseln. Ab 2023 spielt Cincinnati in der "Big-12-Conference" und damit in einer der sogenannten "Power-5-Conferences", zu denen neben der Big-12 auch die Big-10, die ACC, die SEC und die Pac-12-Conference gehören. 

Die Bearcats verloren dann den Peach Bowl gegen Georgia knapp mit 21:24 - viele Experten dachten es wäre das letzte Spiel von Ridder gewesen. Im Draft 2021 wäre er wohl in der vierten bis sechsten Runde vom Board gegangen, etwas überraschend meldete er sich aber für seine finale Saison zurück. 

Ridder lebte und lernte bei seiner Großmutter

Dort zeigt er mit 538-Passing-Yards und sechs Touchdowns früh seine ganze Klasse. Mit 1,93 Meter und 98 Kilogramm bringt er die perfekten Maße mit. Auch in puncto Spielintelligenz überzeugt Ridder: "Er hat die einzigartige Fähigkeit, sich unglaublich gut an Dinge zu erinnern. Er ist in der Lage, mir die Spielzüge und Situationen zu erzählen, die ich oben von der Pressebox aus sehe. Normalerweise können Quarterbacks auf dem Feld das Spiel nicht so gut sehen wie ich von oben, aber Desmond kann das", sagt sein Quarterback Coach Gino Guidugli gegenüber der "Sports Illustrated". 

Beigebracht hat ihm das vor allem seine Oma Jan. Ridder wuchs zusammen mit seiner Mutter, seiner Tante, dem Onkel sowie einem adoptierten Cousin bei der Großmutter auf. Mutter Sarah war erst 15, als sie mit Desmond schwanger wurde. 

Im Garten spielte er damals Baseball, Basketball und Football. Immer unter der Anleitung der Oma, die ihm zeigte, wie man einen Football richtig zu werfen hat. Oft ging etwas zu Bruch. Böse war ihm dennoch keiner. 

Über die Traum-Highschool zur NFL?

Ridder hatte stets das Ziel, die St. Xavier Highschool zu besuchen. Über seinem Bett hing jahrelang ein großes X - das Symbol und Wappen der Highschool. Traum Nummer eins ging in Erfüllung, ebenso wie der Traum an einem Division-I-College Football zu spielen. 

Dass nun bald auch Traum Nummer drei in Erfüllung gehen könnte, kann der 22-Jährige selbst noch kaum begreifen: "Als ich aufwuchs, träumte ich natürlich davon, in der NFL zu spielen. Aber jetzt ist es einfach so unwirklich, dass das alles passiert. Das ist verrückt. Aber ich versuche, mich nicht mit all diesen Dingen zu beschäftigen", so Ridder zu "The Athletic". 

Fakt ist: Sollte rund um den 28. April 2022 beim NFL-Draft erneut das Telefon klingeln, wird Ridder mit Sicherheit nicht mehr auf ein Dixi-Klo flüchten müssen. 

Timo Nicklaus 

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