Kedon Slovis. - Bildquelle: imago images / ZUMA PressKedon Slovis. © imago images / ZUMA Press

München – Kedon Slovis hatte die Badehose eingepackt. Bildlich gesprochen. 

Denn es war nicht einfach nur ein Sprung ins kalte Wasser. Das kühle Nass war vor allem tief. College Football. USC Trojans. Pac 12. Hohe Erwartungen, eine Menge Druck. In Los Angeles ist man vor allem Erfolg gewöhnt.

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Der 18-Jährige erlebt aktuell das, was im Sport nicht einfach, aber eben doch alltäglich ist: Er bekam seine Chance, als sich sein Konkurrent verletzte. Und das ohne große Eingewöhnungszeit.

Drama um Daniels

Denn für den Freshman war eigentlich keine Einsatzzeit vorgesehen, unumstrittener Starter war JT Daniels, bis der sich in Week 1 schwer am Knie verletzte.

Slovis schwamm sich beeindruckend schnell frei, spielte so, als würde er nicht sein Debüt als Starter feiern, sondern den Job schon seit Jahren machen. Er führte die USC mit 377 Yards und drei Touchdown-Würfen – davon zwei zu Amon-Ra St. Brown – zu einem 45:20 gegen Stanford.

Und belebte damit eine Saison neu, die nach dem Kniedrama um Daniels bereits nach der ersten Woche verloren schien. Die Trojans stehen bei 2-0 (1-0-, 1-0 Pac-12). Alles im Lot also.

Dabei war der Druck hoch, die Erwartungen im Coliseum schwankten irgendwo zwischen Neugier, Hoffnung und Fatalismus. Nach der ersten Saison mit einer negativen Bilanz seit 2000 will man in so schnell wie möglich zurück in die Erfolgsspur, die eigentlich Standard ist. Keine einfache Situation für Slovis, der aber offenbar genau das braucht.

Sagt Hall of Famer Kurt Warner. Und der muss es wissen.

Unter Warners Fittichen

Denn der 48-Jährige war auf der Desert Mountain High Slovis' Offensive Coordinator. "Das hat er immer gewollt. Er wollte die Erwartungen auf seinen Schultern. Er wollte gepusht werden."

Die Schule unter Warner war hart. Um ein wenig im Bild zu bleiben, brachte ihm der frühere Super-Bowl-MVP das Schwimmen bei und packte ihm auch gleich die Badehose mit ein. 

Slovis setzte sich unter Warner als Starting Quarterback durch, saugte so viel wie möglich auf. So sollte er zum Beispiel die Spielzüge laut vor einem Spiegel aufsagen. So tun, als sei er der Starter. Als er den Job übernahm, bekam er viel Verantwortung aufgeladen. Da änderte Warner kurz vor dem Spieltag auch schon mal die Plays, damit sein Schützling lernt, damit umzugehen.

"Ich habe ihm die ganze Zeit gesagt: 'Wir werden mehr von dir verlangen als es wahrscheinlich von jedem anderen High-School-Quarterback verlangt wird. Wir erwarten, dass du dem gerecht wirst, denn das ist wohl die einzige Chance, dir wir haben'", sagte Warner.

2017 brachte er 64 Prozent seiner Pässe zum Mann, warf für 2987 Yards und 32 Touchdowns bei fünf Interceptions. 2018 kam er als Senior auf 62,2 Prozent für 2542 Yards mit 18 Touchdowns und sechs Interceptions.  

Doch er flog unter dem Radar. Sprich: Kein College meldete sich, bei den Scouts fiel er offenbar nicht auf. Oder durch.

In einem Alter, in dem ein junger Mann seine Identität sucht, in dem das Selbstvertrauen vielleicht auch nicht sehr ausgeprägt, sondern endlich ist, eine schwierige Situation. Ja klar: Alle, die ihn kennen, wussten, dass er das Zeug dazu hat. Die sind auch nicht überrascht, dass er so einen Start als Starter für die Trojans hingelegt hat.

Kein Selbstläufer

Doch es war kein Selbstläufer, sein Vater und Head Coach David Sedmak schickten Tape um Tape raus, um das Können des Quarterbacks anzupreisen, um ihn ein wenig mehr ins Rampenlicht zu rücken.

Slovis versuchte, sich parallel auf Camps und bei Junior Days zu zeigen. Er blieb positiv, verlor seinen Optimismus nicht, während alle anderen um ihn herum das Vertrauen in den Recruiting Prozess verloren. 

Bis der frühere Trojans-Quarterback-Coach Bryan Ellis an einem Frühlingstag in Scottsdale ein Video von Slovis aufnahm und es an Head Coach Clay Helton schickte. Der fühlte sich an Sam Darnold erinnert, der auch lange unter dem Radar flog und heute bei den New York Jets der Starter ist. Das Angebot der Trojans für Slovis war eines von zweien aus der Pac 12.

Er war eben "nur" ein Three-Star Recruit, ein Spätentwickler, ausgebildet allerdings von einem der berühmtesten NFL-Spätentwicklern. 

Warner war Undrafted Free Agent, begann bei den St. Louis Rams im Practice Squad und machte mit 28 sein erstes Spiel als Starter. Heute ist er Hall of Famer, eine Legende.

Dank an Warner

"Ich muss mich bei Warner bedanken", sagte Helton. "Er kam sehr erwachsen zu uns. Er ist ein Arbeiter, investiert sehr viel und will großartig sein. Er hat eine tolle Zukunft."

Aber klar: Das war erst einmal nur ein Spiel. Die See wird im Laufe der Saison rauer werden, der 18-Jährige wird mit den üblichen Rookie-Rückschlägen kämpfen, sich immer wieder freischwimmen müssen.

Aber die Badehose hat er ja bereits eingepackt.

Andreas Reiners

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