Rapper Drake ist einer der größten Stars der NBA-Playoffs - Bildquelle: GettyRapper Drake ist einer der größten Stars der NBA-Playoffs © Getty

München/Toronto - Er springt aufgeregt herum, schreit, provoziert gegnerische Spieler und rennt sogar aufs Spielfeld. Die Rede ist nicht etwa von einem NBA-Spieler, sondern von Rap-Superstar Drake. Der Musiker ist Edelfan der Toronto Raptors, die momentan in den NBA-Finals gegen die Golden State Warriors um den ersten Titel ihrer Franchise-Geschichte kämpfen.

Schon über die ganzen Playoffs hinweg stellt Drake sein Fan-Dasein offensiv zur Schau. Viele Fans feiern ihn für seinen Enthusiasmus und seine Leidenschaft, andere sind inzwischen genervt.

Drake ist "Globaler Botschafter" der Raptors

Doch Drake ist mehr als nur ein prominenter Fan. Dass der 32-Jährige seiner Heimatstadt Toronto sehr verbunden ist, ist bekannt. In vielen seiner Songtexte schwärmt er von der kanadische Metropole. Die Raptors ernannten ihn 2016 sogar zum "Globalen Botschafter" der Franchise. Er bekam einen Platz im Exekutiv-Komitee der Franchise und durfte das Logo- und Trikot-Design beim Rebrand des Teams mitbestimmen. Kein Wunder also, dass der Rapper besonders mit Kawhi Leonard und Co. mitfiebert.

Normalerweise sind Teams, die der Rapper unterstützt vom Pech verfolgt. Der "Drake-Fluch" ist inzwischen weltberühmt. Die Duke Blue Devils, verschieden Fußballer und sogar Box-Star Anthony Joshua - sie ließen sich mit Drake ablichten und mussten einige Zeit später bittere Niederlagen hinnehmen.

Drake und sein Fluch

In der zweiten Playoffrunde benutzte Drake sogar seinen eigenen Fluch gegen die Philadelphia 76ers, Kontrahent der Raptors. Er trug 76ers-Shorts - und Philadelphia verlor nach einem dramatischen Buzzer Beater in Spiel sieben.     

Die Aktion sorgte für viele Lacher und Drake stellte zur Schau, dass er auch über sich selbst lachen kann. Doch in den darauffolgenden Wochen drängte sich der Musiker immer aggressiver in den Vordergrund. Bei Heimspielen der Raptors tigerte er animiert die Seitenlinie auf und ab und provozierte gegnerische Spieler. Als Bucks-Superstar Giannis Antetokounmpo in den Eastern Conference Finals einen Freiwurf vergab lachte Drake ihn schamlos aus. 

Nach einem Run der Raptors sprang Drake auf und gab Raptors-Coach Nick Nurse eine kleine Rückenmassage. Bucks-Coach Mike Budenholzer zeigte sich genervt: "Dass Fans aufs Spielfeld laufen, geht nicht. Dafür gibt es Regeln und Grenzen und die Liga verbietet so etwas für gewöhnlich schnell", sagte Budenholzer auf einer Pressekonferenz nach dem Spiel. Und tatsächlich schickte die NBA deshalb eine Ermahnung an die Raptors.

Warriors sind keine Fans von Drakes Trash-Talk

Auch in den Finals zieht Drake weiterhin seine Show durch. Zu Spiel 1 erschien der Musiker in einem Raptors-Trikot mit der Aufschrift "Curry" damit ist allerdings nicht Steph Curry von den Golden State Warriors gemeint, sondern dessen Vater Dell Curry, der einst für die Raptors spielte. Während des Spiels schrie er immer wieder etwas in Richtung der Warriors-Bank. Der ewige Trash-Talk des Raptors-Botschafters löste am Ende sogar eine kleinere Rudelbildung aus.

Nachdem die Warriors die Serie in Spiel zwei ausgleichen konnten, war die Genugtuung groß. Im Spieler-Tunnel musste der Rapper sich einiges von den Warriors-Stars anhören. "Heute hast du nicht so eine große Klappe, Loser", rief ihm der verletzte Durant zu. "Das war leicht, du hast Glück, dass ich mich verletzt habe", meinte Klay Thompson, für den das Spiel frühzeitig beendet war. (Im Video ca. ab 1 Minute)

Nach dem Raptors-Sieg in Spiel drei schlug der Rapper zurück und trollte die Warriors auf Instagram.

Die Warriors sind nicht die einzigen, denen Drakes auffälliges Verhalten auf die Nerven geht. "Ich wünschte, Drake würde wieder gehen und mehr schreckliche Musik machen", twitterte ESPN-Reporter Doug Russell.

"Du kannst jemanden nicht dafür hassen, dass er Spaß hat"

Andere feiern den Rapper für seinen Enthusiasmus. "Er ist ein super Fan und es ist witzig, wie seine Leidenschaft das andere Team beeinflusst. Man sieht, dass es sie stört", meinte Norman Powell. Selbst Steph Curry verteidigte Drake: "Er ist unterhaltsam. Ich weiß, dass mit dem Laufen aufs Spielfeld schwierig ist. Aber letztendlich hat er Spaß - du kannst jemanden nicht dafür hassen, dass er Spaß hat", so der Warriors-Star.

 

Hinter dem Drake-Zirkus stecken sicherlich auch andere Motive, als nur die Leidenschaft für sein Team. Man kann argumentieren, dass Drake der größte Star der Raptors in den Playoffs ist. Kaum ein Spieler bekommt nach den Spielen so viel Aufmerksamkeit wie der Rapper - seinem eigenen Marketingpotenzial schadet das sicher nicht. Letztendlich ist Drake aber auch ein Fan und die reagieren auch mal emotional und ungehalten - Promi-Status hin oder her.

Julian Huter 

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