Die New York Knicks werden zur Lachnummer der NBA. - Bildquelle: imagoDie New York Knicks werden zur Lachnummer der NBA. © imago

München/New York City - Es war der 31. Januar 2019, an dem die NBA einen wahren Blockbuster-Trade serviert bekam.

Die New York Knicks einigten sich mit den Dallas Mavericks auf folgenden Deal: New York gab Kristaps Porzinigs, Courtney Lee, Trey Burke und Tim Hardaway Jr. ab. Im Gegenzug verschiffte Dallas DeAndre Jordan, Wesley Matthews, Dennis Smith Jr. und zwei zukünftige First Round Picks in den Big Apple.

Entscheidend bei diesem Deal war aber eigentlich nur eine Personalie: Kristaps Porzingis. Mit dem Abgang des Letten sicherten sich die "Knickerbockers" die Möglichkeit, sich in der Free Agency 2019 an die ganz großen Fische zu wagen.

Das Ziel war klar: Kevin Durant im Sommer von den Golden State Warriors nach New York zu locken. Mit dem Zugang des zweimaligen Finals-MVP sollte sich der Rest dann von selbst ergeben, sprich: auch andere namhafte Free Agents wie beispielsweise Kyrie Irving nach New York wechseln.

Durants Verletzung ändert alles

Die Verantwortlichen der Knicks fühlten sich wie der klare Sieger des Trades. "Wir haben rund 68 Millionen Dollar an Cap Space geschaffen", verkündete Team-Präsident Steve Mills damals stolz. Im Verlauf der Saison waren sich alle Experten einig, dass die teuerste Franchise der NBA alles richtig gemacht hatte. Niemand zweifelte daran, dass Kevin Durant sich für die Knicks entscheiden würde.

Doch es kam, wie es kommen musste: Nach einer Wadenzerrung in der ersten Runde der Playoffs gegen die L.A. Clippers kehrte der Small Forward zu früh aufs Parkett zurück und riss sich in den Finals gegen die Toronto Raptors ohne Fremdeinwirkung die Achillessehne.

Knicks wollen Durant nicht bezahlen

Die kommende Free Agency: von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt. Wie viel ist Kevin Durant noch wert? Sollte eine Franchise ihm nach so einer schweren Verletzung noch einen Maximalvertrag anbieten?

Golden State entschied sich dagegen, die Klubführung war der Meinung, das Risiko sei zu groß. Das Problem dabei für die Knicks: Ihnen fehlte plötzlich ein klares Aushängeschild beim Werben um andere Free Agents - und prompt entschied sich auch kein anderer Star für die "Knickerbockers". Stattdessen musste sich New York mit Spielern wie Wayne Ellington, Julius Randle, Taj Gibson oder Bobby Portis begnügen.

Brooklyn Nets kaufen Knicks den Schneid ab

Durant zog es dennoch nach New York. Zusammen mit Kyrie Irving schloss sich der zweimalige NBA-Champion dem Nachbarn aus Brooklyn an. Für Anhänger der Knicks fühlte sich das doppelt bitter an: Nicht nur bekamen sie ihren Wunschspieler nicht, ihre traditionsreiche Franchise kann nun offenbar auch nicht mal mehr mit dem einst belächelten Stadtrivalen mithalten.

"Wir verstehen, dass einige Knicks-Fans enttäuscht sind vom heutigen Tag", ließ Mills in einem Statement verlauten. "Wir werden aber weiter hart arbeiten und sind zuversichtlich, dass wir unsere Pläne für den Neuaufbau der Knicks umsetzen und in Zukunft um die Meisterschaft spielen können. Das wird durch den Draft und die Free Agency geschehen."

Chronische Erfolgslosigkeit

Mehr als eine Durchhalteparole scheint das aber nicht zu sein. Der letzte Titel liegt 46 Jahre zurück, die letzte Finals-Teilnahme 20 Jahre und die Playoffs erreichte New York in den vergangenen 18 Jahren ganze viermal. Darüber hinaus können die Verantwortlichen seit Jahrzehnten trotz des Standortvorteils keine namhaften Free Agents oder Rookies von sich überzeugen.

Eine Ausnahme bildete Kristaps Porzingis. Der Lette brachte alle Qualitäten eines Franchise-Spielers mit, jedoch gab es häufig Ärger zwischen ihm und dem Klub. Die einzige Lösung war schließlich ein Trade, auch wenn die Knicks damit ihren besten Spieler seit Carmelo Anthony aufgaben.

Team-Eigentümer James Dolan in der Kritik

Ein weiteres Problem der "Knickerbockers" ist hausgemacht: Eigentümer James Dolan sorgt regelmäßig für schlechte PR und stellt sich gerne in den Mittelpunkt, was teilweise sehr unrühmlich endet.

Im Februar 2017 beispielsweise kam es während eines Spiels zu einer Auseinandersetzung zwischen Knicks-Legende Charles Oakley und Dolan. Der Eigentümer wollte Oakley daraufhin aus der Arena befördern lassen, doch dieser wehrte sich. Das Ende der Geschichte: Oakley wurde in Handschellen abgeführt.

Auch vor kurzem sorgte Dolan für Unmut im Big Apple. Bei der Vorstellung des diesjährigen First-Round-Picks R.J. Barrett schloss der Owner die "New York Daily News" von der Presserunde aus, da diese mehrfach negativ über Dolan berichtet hatten. Die Knicks mussten daraufhin eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Dollar zahlen.

Alles Aktionen, die schlecht ankommen - vor allem bei Free Agents.

Knicks droht unbequeme Zukunft

Die wertvollste Franchise der NBA droht auch deswegen so langsam in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Denn Besserung scheint nicht in Sicht.

Zwar haben die Knicks mit Barrett, Kevin Knox, Randle, Dennis Smith Jr. und Mitchell Robinson einen soliden Kern mit jungen talentierten Spielern, allerdings genügt der wohl kaum, um in den kommenden Jahren um die Playoffs, geschweige denn um den Titel zu kämpfen.

Doch als wäre das für die Knicks-Fans nicht schon schlimm genug, müssen sie in den kommenden Jahren wohl auch noch dabei zusehen, wie die Nachbarn aus Brooklyn mit Kevin Durant und Kyrie Irving um die Trophy spielen, nach den großen Fischen angeln. So, wie es die "Knickerbockers" im Januar noch selbst geplant hatten.

Es kam - wie so oft - anders. Und die Knicks dümpeln wohl erst einmal in seichten Gewässern.

Raman Rooprail

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