Jimmy Butler ist der Superstar bei den Miami Heat. - Bildquelle: 2020 Getty ImagesJimmy Butler ist der Superstar bei den Miami Heat. © 2020 Getty Images

München/Orlando - 48 Sekunden sind über einen Zeitraum von 48 Minuten ein verschwindend geringer Zeitraum.

Eben jene 48 Sekunden bekam NBA-Superstar Jimmy Butler von den Miami Heat, während des fünften Finalspiels gegen die Los Angeles Lakers, als Pause zugestanden.

Die verbleibenden 47 Minuten und zwölf Sekunden Netto-Spielzeit nutzte Butler aber höchst eindrucksvoll. 35 Punkte, zwölf Rebounds, elf Assists und fünf Steals standen am Ende des knappen 111:108-Erfolgs der Heat hinter Butlers Namen.

Jimmy Butler stellt Rekorde auf

Es war bereits das zweite Triple-Double mit mehr als 30 Punkten in den NBA-Finals von Butler. Nur seinem Lakers-Konterpart, LeBron James, war dies bislang in einer Finalserie gelungen. Außerdem ist Butler der erste Spieler in der Geschichte der NBA-Finals, dem 35+ Punkte, 10+ Rebounds, 10+ Assists und 5+ Steals gelangen.

Dabei wirkte Butler Mitte des Schlussviertels platt, gezeichnet von den Strapazen dieser Partie. Sechs Minuten vor dem Ende schien die Entscheidung gefallen, als die Lakers sich eine Drei-Punkte-Führung erspielten, nachdem Butler und Co. zuvor Einiges liegen ließen.

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Doch "Jimmy Buckets" meldete sich wieder zurück und machte zwischenzeitlich acht Punkte am Stück in einem furiosen Schlagabtausch mit LeBron, der sieben Zähler in Folge machte.

Am Ende war seine Defense gegen LeBrons Zug zum Korb ausschlaggebend für den knappen Erfolg von Miami, die die Titel-Entscheidung damit noch einmal vertagten.

Coach Spoelstra lobt Jimmy Butler

"Das war herausragend. Dass er das nach 47 Minuten noch leisten konnte, ist herausragend. Jeder junge Spieler sollte Jimmy Butler studieren, er ist die Definition eines Two-Way-Players", adelte Heat-Coach Eric Spoelstra seinen Superstar, der das Team wieder einmal auf seine breiten Schultern nahm und sich selbst dabei am wenigsten schonte.

Davon zeugt Butlers Gang nach der virtuellen Pressekonferenz. Mit Ach und Krach bewältigte er die Stufe zwischen Podest und Boden, wie TV-Bilder zeigen.

Aber genau solche Leistungen und Szenen sind es, die Butlers steinigem Weg in Richtung NBA-Legende zur Vollendung verhelfen können.

Zur Erinnerung: Butler durchlebte eine schwierige Kindheit. Als er noch ein Baby war, verließ sein Vater die Familie. 13 Jahre später warf ihn dann auch noch seine Mutter raus. Butler kam bei verschiedenen Familien unter, bevor er schließlich am College landete.

Schwieriger Weg in die NBA

Nach einem Jahr am Tyler Junior College und zwei in Marquette wählten die Chicago Bulls Butler im NBA-Draft 2011 mit dem 30. Pick aus. In den Top 10 damals solch illustre Namen wie Derrick Williams, Jan Vesely oder Brandon Knight, die allesamt keine Rolle mehr in der NBA spielen.

Auch Butler war ein komplett unbeschriebenes Blatt, steigerte sich aber von Jahr zu Jahr. Der erste Lohn folgte 2015, als er den Award für den "Most Improved Player", als erster Bulls-Spieler überhaupt, einheimste.

In der 2016/17 gab es bei den Bulls erstmals Berichte über teaminterne atmosphärische Störungen in Verbindung mit Butler. Ein Muster, das sich wiederholen sollte. Bei den Minnesota Timberwolves harmonierte es mit Supertalent Karl-Anthony Towns nicht wirklich und in der vergangenen Saison gab es Reibereien mit Butler bei den Philadelphia 76ers um Joel Embiid und Ben Simmons.

So kam Butler im Sommer 2019 nach Miami zu den Heat. Dort konnte er zum ersten Mal vollumfänglich seine Qualitäten als Leader einbringen. Bemerkenswert: Jedes Team, in dem er in seiner Karriere gespielt hat, hatte mit ihm eine bessere Siegquote vorzuweisen als im darauffolgenden Jahr ohne ihn.

Butler hebt sein Spiel auf eine neue Stufe

 

Butler fühlt sich derweil pudelwohl in Miami, die Franchise mit Mastermind Pat Riley versprüht Gewinner-Mentalität, die Teamkollegen arbeiten nach dem Geschmack des Leaders, der sich nicht scheut, auf dem Parkett Anweisungen an seine Mitspieler zu geben.

Nicht immer ragt Butler mit solchen Leistungen wie in Spiel fünf der Finals heraus, vielmehr ist er in der Lage einer Partie den Rhythmus vorzugeben und dann in engen Phasen zu übernehmen.

Diese Fähigkeiten hat er in den Playoffs und insbesondere in den Finals noch einmal auf eine ganz neue Stufe gehoben.

"Keiner von uns geht nach Hause"

Personell dezimierte Heat führte er in Spiel drei als alleiniger Star zum Sieg und nun in Spiel fünf verdarb er den Lakers die mögliche Meisterparty mit einer gigantischen Leistung.

Spätestens zwei weitere Galas, verbunden mit Siegen der Heat, würden Butler dann endgültig in die Sphären der NBA-Legenden katapultieren. Aber schon jetzt sind seine Leistungen legendär, nicht nur wegen der 48 Sekunden Pause.

Am Selbstvertrauen wird es nicht scheitern. Vor Spiel fünf tönte Butler: "Wir glauben daran, dass wir es schaffen können. Keiner von uns geht nach Hause. Noch sind wir hier."

Markus Bosch

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