Kawhi Leonard verschob mit seinem Wechsel die Machtverhältnisse der NBA. - Bildquelle: imagoKawhi Leonard verschob mit seinem Wechsel die Machtverhältnisse der NBA. © imago

München/Los Angeles - Am 5. Juli gab es in Kalifornien ein Erdbeben mit der Stärke 6,9 auf der Richterskala. Dies vermeldete "US Geoloigical Survey". Doch das Beben war nicht das stärkste an diesem Tag. Chris Haynes von "Yahoo Sport" ließ die Bombe platzen: Kawhi Leonard hat sich entschieden und wechselt als erster amtierender Finals MVP der NBA Geschichte den Verein. Der 28-Jährige schließt sich den Los Angeles Clippers an.

Nur zwei Minuten später gab es gleich ein Nachbeben, welches mindestens genau so stark war. Wie NBA-Insider Adrian Wojnarowski von "ESPN" berichtete, tradeten die Clippers außerdem fünf (!) kommende Erstrundenpicks, Danilio Gallinari und Shai Gilgeous-Alexander nach Oklahoma City. Des Weiteren haben die Thunder in zwei Jahren das Recht, die jeweiligen Draftpicks zu tauschen. Im Gegenzug schickt Oklahoma Paul George, der in diesem Jahr dritter bei der Wahl des MVP wurde, nach L.A.

Der Deal um George erklärte Leonards Warten. "The Klaw" gab den Clippers die Zeit, um den Trade einzufädeln.

Clippers sind Titelfavorit

Damit katapultieren sich die Clippers mit einem Schlag an die Spitze der NBA. Die Wettanbieter aus Las Vegas sahen das ähnlich und änderten prompt alle Quoten. Das Team um Kawhi Leonard steht mit einer Quote von 4,0 nun ganz oben, gefolgt vom Stadtrivalen, den Los Angeles Lakers (6,0).

Die Lakers hatten bei dem Werben um Kawhi Leonard das Nachsehen. Das ist im Nachhinein doppelt bitter, denn während LeBron und Co. auf die Entscheidung von Leonard warteten, schlossen andere gute Rollenspieler Verträge bei Franchises ab, welche nicht im Rennen um den 28-Jährigen waren.

Kurz nachdem die Entscheidung des ehemaligen Raptors feststand, machten die Lakers Nägel mit Köpfen und verbrauchten ihren verbleibenden Cap Space für Danny Green, Rajon Rondo, JaVale McGee, Quinn Cook, Kentavious Caldwell-Pope, DeMarcus  Cousins und Avery Bradley. Allesamt brauchbare Rollenspieler, aber eben nicht Kawhi Leonard.

Lakers' Dynastie-Träume platzen

Die Fans der Traditionsfranchise hatten sich schon die nächste NBA-Dynastie ausgemalt. Bei einer Verpflichtung Leonards hätten die Lakers drei der besten acht Spieler der Welt in ihren Reihen gehabt. Der Trade um Paul George zu den Clippers wäre nie zu Stande gekommen.

Da davon auszugehen ist, dass Kevin Durant die gesamte nächste Spielzeit ausfällt und auch Klay Thompson bei den Golden State Warriors über die Hälfte der Saison verpasst, wäre das Team aus Inglewood haushoher Favorit auf den Titel im nächsten Jahr gewesen. Nun müssen sich die Lakers um LeBron James damit begnügen, dass sie nicht einmal in L.A. das stärkste Team haben.

"Father Time is Undefeated"

Darüber hinaus wird die kommende Saison für James eine ganz Wichtige. Der Superstar wird während der Saison 35 Jahre alt, es könnte vielleicht die letzte realistische Chance für LeBron sein, den Titel anzugreifen. Denn neben des stattlichen Alters könnten "The Purple & Gold" in der Free Agency 2020 in die Röhre gucken.

Alle Neuverpflichtungen besitzen im nächsten Jahr eine Spieleroption in ihrem Vertrag, sprich die Lakers könnten ihre ganzen Rollenspieler verlieren, falls es zu Problemen in diesem Jahr kommt. Auch der erst kürzlich ertradete Superstar Anthony Davis hätte die Möglichkeit, den Verein zu wechseln. Nachdem das Front Office Haus und Hof für den 26-Jährigen hergab, wäre ein Abgang nach nur einem Jahr eine Katastrophe.

Druck für LeBron

Die Lakers sollten im Idealfall also sofort funktionieren, wollen sie doch dem oben aufgeführten Worst-Case-Szenario aus dem Weg gehen. Das sorgt dementsprechend für noch mehr Druck auf den Schultern von James.

Das ist aber nicht alles. Nachdem der King im vergangenen Jahr nach 14 Jahren erstmals die Playoffs verpasste, wackelt sein Status als bester Spieler der Welt erheblich. Während "The Chosen One" die Post-Season nur von der Couch aus verfolgen konnte, spielten sich Stars wie Durant oder eben Leonard in den Vordergrund. Wer James kennt, weiß, dass er sich diesen Umstand nicht gefallen lassen wird.

Clippers gehört die Zukunft

Die Clippers hingegen konnten trotz der Deals um Paul George und Kawhi Leonard den Großteil des Teams zusammenhalten. Die beiden neu akquirierten Superstars sind mitten in ihrer Prime und haben noch drei bzw. vier Jahre Vertrag. Beide kommen ursprünglich aus Südkalifornien und wünschten sich schon länger, in der Nähe ihrer Heimat zurückzukehren.

Des Weiteren hat man Patrick Beverly, Ivica Zubac und "Sixth Man of the Year" Lou Williams noch mindestens zwei Jahre unter Vertrag. Das Gerüst der früher belächelten Franchise steht damit noch weit über nächstes Jahr hinaus.

NBA glänzt wieder mit Ausgeglichenheit

Nach fünf Jahren Dominanz der Golden State Warriors beginnt nun eine neue Zeitrechnung in der NBA. Die Liga ist so spannend und ausgeglichen besetzt, wie lange nicht mehr. Neben den Teams aus L.A. werden die Houston Rockets, Denver Nuggets, Portland Trail Blazers und sicher auch die Warriors ein Wörtchen um den Titel im Westen mitreden wollen.

Dennoch wird sich die ganze Saison über alles um die Vormachtstellung in Hollywood drehen. Denn möglicherweise beginnt die neue Zeitrechnung nicht nur in der NBA, sondern auch in Los Angeles.

Raman Rooprail

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