Tacko Fall sorgte bei der Summer League für viel Wirbel. - Bildquelle: imagoTacko Fall sorgte bei der Summer League für viel Wirbel. © imago

München/Boston - Tacko Fall hat in seinem Leben sicherlich schon einmal die Frage gestellt bekommen, ob er denn Basketball spiele. Bei 2,31 Metern auch kein Wunder.

Jedoch stellt genau diese immense Körpergröße ein Problem für Fall da.

Im NBA-Draft wagte sich kein Team, den 23-Jährigen zu draften. Viele General Manager hatten Zweifel, dass Fall mehr sein könne als eine reine Attraktion. Denn in der modernen NBA werden Spieler wie Fall nicht mehr gebraucht. Schnell, beweglich, Verteidigen von mehreren Positionen - das sind Attribute, die von Centern heutzutage verlangt werden.

Fall ist für seine Verhältnisse schnell und beweglich, jedoch sollte er gegen kleinere, wendigere Gegenspieler große Probleme bekommen. Dem Center selbst stört es, dass er nur auf seine Körpergröße reduziert wird.

"Ich will auf keinen Fall nur als Attraktion gesehen werden", sagte er bei einer Mini-Dokumentation bei "Bleacher Report". "Ich bin ein gläubiger, intelligenter Mann. Zu mir gehört mehr als nur meine Körpergröße. Ich bin ein Mensch, so wie jeder andere auch."

Starker Summer-League-Auftritt

Eine Woche vor dem Start der Summer League gaben die Boston Celtics Fall eine Chance und verpflichteten den Senegalesen für das jährlich stattfindende Nachwuchsturnier. Fall bedankte sich für das Vertrauen mit starken Leistungen. Neben 8,5 Punkten und 4,5 Rebounds in 14 Minuten pro Spiel lieferte Fall gleich mehrere spektakuläre Highlights.

Die Fans waren begeistert von den Auftritten des 23-Jährigen und forderten immer wieder lautstark seine Einwechslung. Sogar die Anhänger der rivalisierenden Los Angeles Lakers kamen teils nur für Fall in die Halle.

Auch der ehemalige NBA-Spieler Kendrick Perkins, der mit den Celtics 2008 Meister wurde, lobte Fall auf Twitter in den höchsten Tönen und riet Bostons GM Danny Ainge zu einer festen Verpflichtung des Senegalesen. Diese Aussagen gefielen auch dem aktuellen Celtics-Spieler Jaylen Brown.

Fall hat den Trubel um seine Person in dieser Form nicht erwartet: "Ich habe mit der Aufmerksamkeit zwar gerechnet, aber nicht in diesem Ausmaß. Es war wirklich überwältigend", gab der ehemalige Spieler von Central Florida bei Mark Anderson von "Clutch Points" an. "Die Aufmerksamkeit hat mir viel bedeutet. Die Liebe der Fans hat mir gezeigt, dass meine harte Arbeit nicht unbemerkt blieb."

Start erst mit 16 Jahren

Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass Fall erst vor sieben Jahren begonnen hat, Basketball zu spielen. Der damals 16-Jährige verließ seine Heimat Senegal und zog in die USA.

Dort konnte er sich nach zwei Jahren an der High School für die University of Central Florida empfehlen. In der NCAA legte Fall ebenfalls starke Statistiken auf: Der Senegalese traf fast 75 Prozent seiner Würfe aus dem Feld und kam neben 11,1 Punkten und 7,6 Rebounds zudem auf starke 2,6 Blocks pro Spiel.

Fall bringt Gegner zur Verzweiflung

Selbst gegnerische Trainer verzweifelten teilweise an Falls Physis. "Er hindert uns daran, die Hälfte unseres Playbooks zu nutzen", stellte Houston-Coach Kelvin Sampson fest. Denn es waren eben nicht nur leere Statistiken, die Fall zu bieten hatte. Er verhalf Central Florida auch zu einem Sieg bei der March-Madness und sicherte somit der Universität das beste Abschneiden ihrer Geschichte.

Die NBA stellt selbstverständlich eine deutlich größere Herausforderung als College-Basketball und die Summer League dar. Inwiefern Fall seine starken Leistungen in der NBA wiederholen kann, steht aktuell in den Sternen. Allerdings hat der 2,31-Meter-Mann bewiesen, dass er mehr als eine Attraktion ist.

Raman Rooprail