Indianapolis - Aus Österreich in die NFL: Die Indianapolis Colts schlugen in der dritten Runde des NFL Drafts 2022 zu und verpflichteten den Tackle Bernhard Raimann.

In einer Medienrunde äußerte sich der 24-Jährige über den Draft-Abend, seine ersten Kontakte bei den Colts und seine Ziele. ran hat die besten Antworten gesammelt.

Bernhard Raimann über... 

... die vergangenen Wochen: 

Es war eine verrückte Zeit. Die Draft-Woche war riesig für mich. Meine Eltern sind rübergeflogen und ich konnte mit ihnen Zeit verbringen. Das war super. Das Draft-Wochenende war stressig. Wir saßen alle vorm Fernseher und haben auf den Anruf gewartet. Dann gingen die ersten beiden Runden rum und als dann der Anruf in der dritten Runde kam, ist mir natürlich ein Stein vom Herzen gefallen.

... den Status als Drittrunden-Pick: 

Der Draft ist ja nicht das Ziel. Man arbeitet natürlich dafür, ein möglichst früher Pick zu sein, aber man kann es ja nicht groß ändern, für wen sich die Teams entscheiden. Ich habe es jetzt so hingenommen und mich sehr gefreut, dass ich bei den Colts bin. Die haben ein super Team, eine tolle Stadt und sind eine gute Franchise. Das ist eine tolle Möglichkeit für mich als Spieler und Mensch. Aber es motiviert mich natürlich umso mehr, dass so viele Tackles vor mir genommen wurden. 

... Matt Ryan: 

Mit Matt Ryan hatte ich noch keinen Kontakt, aber mir haben ein paar Teamkollegen auf Instagram geschrieben, beispielsweise Jonathan Taylor. Aber auch mit Marcel Dabo, meinem deutschen Teamkollegen, habe ich geschrieben.

... den ersten Kontakt mit den Colts: 

Ich hatte einige Interviews mit den Colts über die letzten Wochen. Die Colts haben mich dann ein paar Minuten vor dem Pick angerufen und gesagt, dass sie mich jetzt gleich nehmen werden. Da habe ich mich natürlich total gefreut. Die Colts waren immer relativ weit oben auf meiner Liste. Mit dem Coach der Offensive Line hatte ich viele gute Gespräche. Sie sehen eine Menge Potenzial bei mir und ihnen gefiel meine Athletik. Aber man konnte es natürlich nicht voraussagen, dass ich dort landen werde. 

... Kontakt zu den Vienna Vikings, bei denen Raimann lange gespielt hat:

Ich habe noch guten Kontakt zu einigen Coaches, weil sie mir unfassbar geholfen haben in meiner Entwicklung. 

... den Moment, als er gedraftet wurde: 

Wir haben uns alle riesig gefreut, als mein Name vorgelesen wurde. Dann hatte ich zehn Minuten danach schon das erste Medien-Treffen und habe erst mal 30 Minuten mit denen gequatscht. Aber mein Handy ist dann auch explodiert, weil sich so viele Freunde und Verwandte gemeldet haben. Das hat dann ein wenig gedauert, bis ich alle zurückgerufen hatte. Es war ein super emotionaler Abend und ich lag dann im Bett und konnte es gar nicht begreifen. Also schlafen konnte ich nicht.

 

... Kontakt zu Deutschen in der NFL:

Sebastian Vollmer war ein Riesenvorbild für mich und ich habe ihn bereits persönlich kennengelernt. Ich habe aber auch schon Jakob Johnson, Mark Nzeocha und Kasim Edebali kennengelernt, mit denen war ich dann auch schon was essen. Das war riesig. Diese Unterstützung hilft sehr. Wir haben einen Gruppenchat mit vielen Österreichern und Deutschen in der NFL. Da ist man nie allein und hat Bezugspersonen. 

... die Vorbereitung auf das Training der Colts: 

Meine Eltern sind wieder zurück nach Österreich geflogen und seitdem bereite ich mich vor. Ich trainiere so viel wie möglich und leite grad den Umzug nach Indianapolis ein. 

... Bammel beim NFL Draft 2022, als er zu Beginn nicht gewählt wurde:

Natürlich hat man da immer ein wenig Sorgen, aber mir war immer klar, dass ich es in die NFL schaffe. So oder so. Ich bin dann auch ab und an an die frische Luft gegangen und habe versucht, mich daran zu erinnern, dass es egal ist, wann und zu wem man gedraftet wird. Das ist nämlich nur der Anfang. 

... das neue Kapitel in der NFL: 

Man merkt natürlich schon, dass alles etwas größer ist. Meine Familie hat schon gefragt, wo man Fanartikel bestellen kann. Meine Trikotnummer kenn ich allerdings noch nicht, die werde ich in den kommenden Tagen herausfinden. 

... Starter-Chancen bei den Colts: 

Es stehen noch vier lange Monate an. Ich werde mich jeden Tag so vorbereiten, als wäre ich schon der Starter. Ich weiß von mir, dass ich das Potenzial und Können habe. Das muss ich jetzt auf dem Feld zeigen. Aber das ist natürlich letztlich eine Entscheidung der Coaches. 

... die Vertragsunterzeichnung: 

Den Vertrag werde ich am Donnerstag unterschreiben. Noch habe ich aber keine Idee, was ich mit meinem ersten Gehaltscheck machen will. Ich muss jetzt erstmal eine Wohnung finden. Geld und Geschenke müssen jetzt aber erstmal warten, ich will es zuerst in den Kader schaffen. 

... das Essen in Indianapolis: 

Ich versuche ab und an österreichisch zu kochen. Semmelknödel oder Wiener Schnitzel habe ich ab und an mal gemacht. Und dann war es natürlich toll, dass meine Mutter mich besucht hat, da schmeckt es immer am Besten. 

 

... Head Coach Frank Reich: 

Beim ersten Telefonat hat er mir nur gesagt, dass ich gedraftet werde und Teil eines tollen Teams und einer O-Line werde. Ich kann mich aber ehrlicherweise kaum noch an den ganzen Abend erinnern, weil man 100.000 Emotionen gleichzeitig hat. Als der Draft vorüber war, haben wir auch nochmal kurz telefoniert und etwas Small Talk geführt. 

... Vorbild-Funktion in Österreich: 

Ich hoffe, dass ich ein paar junge Österreicher und Europäer dazu motivieren kann, Football zu spielen. Ich versuche aber auch, meine Vorbild-Funktion weiter auszubauen, in dem ich Stammspieler werde. 

... den ungewöhnlichen Weg in die NFL: 

Die ganzen Hürden, die man überwinden muss, helfen einem natürlich im Nachhinein. Da zahlt sich dann die ganze Arbeit im Endeffekt aus. 

... die Saisonaussichten der Colts: 

Wir haben auf jeden Fall Chancen in die Playoffs zu kommen und sogar das Talent, um es in den Super Bowl zu schaffen. Die Coaches haben da ein gutes Team zusammengestellt. 

... Matt Ryan und Jonathan Taylor:

Natürlich ist es super, zwei solche Routiniers im Backfield zu haben. Aber ich habe mich umso mehr gefreut, einen Quenton Nelson mit mir in der Offensive Line zu haben. Die Möglichkeit, von ihm zu lernen, will ich nicht missen. 

... Quenton Nelson als Teamkollege: 

Ich freue mich riesig drauf. Er ist einer der besten Offensive Liner und ich denke, dass ich eine Menge lernen kann.

... das Scheme der Colts:

Es gibt einige schematische Ähnlichkeiten zu den Plays, die ich schon am College ausgeführt habe. Aber in der NFL ist alles nochmal komplexer. wir haben in der NFL deutlich mehr Playcalls und deutlich mehr Anpassungen vor dem Snap. Man muss sich dann einfach viel mehr merken.  

... seine Fähigkeiten im Colts-Scheme:

Ich bin ein athletischer Tackle und die Colts-Offensive passt gut zu mir. Und es freut mich dann natürlich auch für Jonathan Taylor zu blocken.

... seine Position bei den Colts: 

Ich denke, dass ich als Left Tackle angesehen werde, aber die Colts haben gesagt, dass die fünf besten Jungs auf dem Feld stehen werden. Also ich bin auch bereit, auf Center oder Guard oder im Special Team zu spielen.

... die Möglichkeit, ihn als Passempfänger einzusetzen (Raimann spielte früher Wide Receiver und Tight End): 

Da haben die Coaches und ich noch nicht drüber gesprochen, aber ich bin allzeitbereit. 

... die Kurzlebigkeit einer NFL-Karriere:

Verletzungen sind natürlich schrecklich, aber deshalb ist es mir auch wichtig, dass man jeden Tag nutzt und genießt. 

... seine Ziele: 

Ich will gut Football spielen und dann kommt es natürlich drauf an, dass ich irgendwann einen zweiten Vertrag erhalte. Das ist mein Ziel. Geld und sowas ist da für mich eher zweitrangig. 

... Gerüchte, dass er bei einigen Teams den Medizin-Check nicht bestanden habe:

Die Teams scannen einen komplett durch und da findet man sicherlich bei jedem Spieler einige Sachen, die für ein paar Teams nicht akzeptabel sind, aber für andere schon. Ich kann jetzt natürlich nur den anderen Teams zeigen, was sie verpasst haben. 

... die Wohnungssuche: 

In den ersten paar Wochen stellt das Team die Unterkunft. Danach muss man dann schauen, wo man unterkommt. Meine Freundin und ich schauen uns dann nach einer Wohnung um. 

... Geld im Football: 

Ich bin sehr gut aufgewachsen und meine Eltern haben mir sehr, sehr viel Kraft gegeben und nie gefordert, dass ich irgendwie viel Geld verdienen muss. Ich will Sport immer aus Leidenschaft spielen, nicht aus finanziellen Gründen. 

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