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von Luca Ostermeier

Stefon Diggs' dampfender Abgang nach der deutlichen 10:27-Niederlage gegen die Cincinnati Bengals stand symbolisch für den Frust aller Spieler der Buffalo Bills.

Weg. So schnell wie möglich. Der Realität nicht ins Auge sehen müssen. 

Denn zum dritten Mal ist einer der Favoriten der AFC mal wieder frühzeitig gescheitert. In diesem Jahr ist alles andere als der Einzug in den Super Bowl als Enttäuschung anzusehen.

Josh Allen allein auf weiter Flur

Einen einzelnen Schuldigen auszumachen wäre unfair und auch nicht möglich. Aber etwas funktioniert gerade nicht in Buffalo. Und die kommende Offseason muss einige Fragen beantworten.

Josh Allen ist und bleibt der Franchise Quarterback, diese Frage stellt sich auch direkt nach dem Playoff-Aus nicht. Den 258 Millionen Dollar schweren Langzeitvertrag hat er sich trotz des Ausscheidens weiterhin verdient.

Allen ist das wichtigste Puzzleteil der Bills, das so lange fehlte. In diesem Jahr spielte er lange in MVP-Form.

Buffalo Bills: Zu viel Last auf Allens Schultern

Und so stark seine Leistung in den ersten Wochen der Saison auch war, so zeigt es auch das Problem der Bills. Je näher die Spielzeit dem Ende kam, desto mehr musste Allen die Franchise allein auf seinen Schultern tragen. 

Allen hat den Arm und auch die Beine, ein Spiel allein zu tragen. Bis zu einem gewissen Grad.

Die Bills haben zwar ein Gerüst gebaut, um mit ihrem Quarterback nun seit drei Saisons die AFC East zu gewinnen. Doch die Stütze dieses Gerüsts war stets Allen, der sämtliche Last tragen musste. Die Bills haben vielleicht gehofft, dass ein Star-Quarterback reicht - die Quittung gab es gegen die Bengals. 

Buffalo Bills: Von Beginn an mehr Schein als Sein? 

Die Defense? Nicht nur gegen die Bengals zuletzt keine Hilfe. Die Offense? Nicht viel mehr als Allen und ein wenig Diggs. Gabe Davis, Cole Beasley oder Dawson Knox - alles Spieler auf NFL-Level. Aber nicht auf Super-Bowl-Level. 

Das Laufspiel war ebenfalls kein Unterstützung. Das Trio um James Cook, Devin Singletary und Nyheim Hines kann in der Postseason niemanden mehr erschrecken. 

Der Sieg in der Wild Card Round gegen die Miami Dolphins hatte schon gezeigt, dass das Titelfenster dieser Bills höchstens noch auf Kipp steht. Die Niederlage jetzt hat es endgültig geschlossen.

Allen hat genug getan, jetzt müssen die Bills handeln

Ob im Draft oder der Free Agency, Buffalo muss in der Offseason reagieren. Josh Allen von der Last befreien. Der Last, die Franchise alleine in den ersten Super Bowl seit 1993 zu führen, vielleicht sogar zum ersten Titel. 

Die Verpflichtung von Von Miller in der vergangenen Offseason sollte vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung sein. Aber es fehlte die Konsequenz. Entweder die Bills stellen Allen mehr erfahrene (Alt-)Stars an die Seite, gehen wie die Los Angeles Rams All-in. Investieren, und müssen vielleicht in zwei bis drei Jahren die Konsequenzen ohne Picks und mit teuren, alternden Stars tragen. 

Oder sie setzen im kommenden Draft aggressiv auf junge Talente, machen in der Gegenwart ein bis zwei Schritte zurück, um dann mit einem verjüngten Team um den dann Routinier Allen anzugreifen. Auf jeden Fall aber müssen sie etwas verändern. "Josh Allen wird das schon regeln" ist nicht die angebrachte Devise zum Erfolg.

 

Das mag von den Bills zwar viel verlangt sein, aber die Bills haben bisher viel - zu viel - von ihrem Franchise-Quarterback verlangt. Sie müssen jetzt eine klare Richtung einschlagen. Den Neuanfang wagen. Auch, wenn der mit Kosten verbunden sein sollte.

Die Franchise kann nicht noch einmal mit ansehen wollen, wie die Cincinnati Bengals und die Kansas City Chiefs um den Einzug in den Super Bowl kämpfen, während sie daheim auf der Couch sitzen.