München – "Make or break" sagt der US-Amerikaner gerne, wenn es um alles oder nichts geht. 

Wenn es zählt, wenn es darauf ankommt, wenn geliefert werden muss. "Do or die" bringt auch ganz anschaulich auf den Punkt, um wie viel es dann geht.

Matt Rhule nimmt mit einer 10:23-Bilanz seine dritte Saison bei den Carolina Panthers in Angriff und steht in Charlotte vor genau so einer Situation. 

"Do or die".

Deshalb geht der Panthers-Coach All-in, holt den bei den Cleveland Browns auf dem Abstellgleis gelandeten Baker Mayfield zu den Panthers. 

Seltsame Quarterback-Planung

All-in - und auch Win-Win?

Keine Frage: Man kann mit der Art und Weise, wie Rhule die Quarterback-Position zuletzt umbaute, durchaus fremdeln, um es vorsichtig auszudrücken.

Er hat Teddy Bridgewater geholt, außerdem ein paar Picks für Sam Darnold hingelegt, um dann Bridgewater wieder loszuwerden. Matt Barkley hat er geholt, Cam Newton auch, um die Panthers-Legende dann doch zu benchen und wieder loszuwerden. Barkley wurde wieder entlassen, PJ Walkers auslaufender Vertrag verlängert, Matt Corral dann gedraftet. 

Und nun kommt Mayfield. 

Ja, das kann man getrost planlos und chaotisch nennen. Falls der Überblick verloren gegangen ist: Im Roster sind aktuell Mayfield, Darnold, Walker und Corral.

Wobei der Trade kein Freibrief für Mayfield sein dürfte. Wie NFL-Insider Mike Garafolo berichtet, hat Darnold im Frühjahr wohl einen guten Eindruck hinterlassen. Demnach soll das Duell offen sein und eines der heißesten Themen im Panthers-Camp werden.

Finanzielles Risiko überschaubar

Das finanzielle Risiko beziehungsweise der Einsatz der Panthers ist vergleichsweise gering, fünf Millionen Dollar und ein Fünftrundenpick für 2024 sind überschaubar. 

Eine "himmlische Verbindung" nennt Ex-Quarterback Robert Griffin III die Kombination. "Baker muss den besten Football seiner Karriere spielen, um alle Zweifel auszuräumen, dass er DER Kerl ist, und das Trainerteam und das Front Office der Panthers brauchen seinen besten Football, um ihre Jobs zu retten", schrieb er auf Twitter. Eine dicke Prise Verzweiflung auf beiden Seiten.

Rhule legt sein Schicksal in die Hände des Nummer-1- und des Nummer-3-Picks von 2018. Denn er braucht Ergebnisse, und das sofort. Dafür hat er zwei ehemalige Top-Talente, die die Erwartungen bislang nicht erfüllen konnten, Mayfield noch eher als Darnold. 

Mann gegen Mann geht es in den kommenden Wochen, ein intensiver Kampf um den Starter-Job, mit allem, was dazugehört. Aufreibend, unterhaltsam, vielleicht sogar grenzwertig, definitiv aber spannend.

Im Normalfall mit dem besseren Ende für Mayfield. Aber am Ende dann auch mit der ultimativen Lösung für alle? 

Mayfield wird irgendwas zwischen heiß und geradezu übermotiviert sein. Er will es seinen Kritikern zeigen, den Zweiflern, den Zauderern, der NFL, den Browns, Ohio – Baker gegen den Rest der Welt. Das war schon öfter sein Motto - oft zog er dabei den Kürzeren, weil die Leistung nicht (konstant) stimmte.

McAdoo war kein Fan von Mayfield

Er dürfte sich vielleicht noch daran erinnern, dass sein heutiger Offensive Coordinator Ben McAdoo ihn 2018 bei den Quarterbacks an Nummer 6 (!) einstufte, hinter Darnold, Josh Rosen und Mason Rudolph (!). Nicht wenige halten deshalb die Kombination mit einem Coaching Staff, der auch Darnold offensichtlich nicht zu 100 Prozent vertraut, für toxisch.

Wie dem auch sei: Letztlich wird viel von den offensiven Möglichkeiten abhängen, und was Mayfield daraus macht.

Running-Back-Superstar Christian McCaffrey verpasste 2020 immerhin 13 und 2021 noch neun Spiele wegen einer Verletzung. Mit der Dual-Threat-Waffe stand und fiel das Spiel, ohne ihn waren die Panthers offensiv nicht einmal die Hälfte wert.

D.J. Moore fing in der vergangenen Saison 93 Pässe für 1.157 Yards und vier Touchdowns, Robby Anderson als eine gute Nummer zwei 519 Yards und fünf Touchdowns. Man darf allerdings nicht vergessen, unter welchen Voraussetzungen. Soll heißen: Besserer Quarterback, bessere Zahlen.

Mayfield zu den Panthers? "Nooooo"

Funfact: Mayfield dürfte sich möglicherweise auch an Andersons Instagram-Post vom April erinnern. Vielleicht entsteht da eine ganz besondere Verbindung.

Rashard Higgins, der in der Offseason verpflichtet wurde, kennt Mayfield aus Cleveland, hinzu kommen Terrace Marshall Jr. und die Tight Ends Ian Thomas und Tommy Tremble. Eine ordentliche Grundlage, auch wenn es einen nicht vom Hocker haut.

Doch es ist Mayfield, der den Unterschied machen soll, sogar machen muss, wenn er seine Karriere wiederbeleben will.

Für ihn heißt es 2022 also auch: Make or break. Do or die. Alles oder nichts.

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