München/Cleveland - Das bestimmende Thema der vergangenen Offseason ist vorerst beendet.

Quarterback Deshaun Watson wurde wegen sexueller Belästigung zu einer Sperre von sechs Spielen verurteilt. Damit wird er seinem neuen Team, den Cleveland Browns, bis Mitte Oktober fehlen.

Viele Fans und auch Reporter sind verwundert über die Kürze der Sperre. Die Urteilsbegründung der Richterin Sue Robinson bietet Aufklärung.

Keine Ausübung von Gewalt als Faktor

Ausschlaggebend für das vergleichsweise milde Urteil ist die Tatsache, dass bei keiner der Klägerinnen eine Gewalteinwirkung bewiesen werden konnte.

Dabei hielt sich Robinson an das Strafmaß ähnlicher Fälle um Ben Roethlisberger und Jameis Winston. "Big Ben" wurde 2010 wegen sexuellen Missbrauchs ebenfalls sechs Spiele gesperrt. Winston wurden 2018 wegen des "unangebrachten Anfassens einer Uber-Fahrerin ohne ihr Einverständnis" drei Spiele auferlegt.

"Andere Fälle von nicht-gewaltsamen Sexualdelikten wurden weit weniger hart bestraft als das, was die NFL in diesem Fall forderte", heißt es wörtlich in der Urteilsbegründung.

Die Liga forderte angeblich, Watson eine ganze Saison lang zu sperren.

Warum wurden Hopkins, Ridley und Co. länger als Watson gesperrt?

Unverständnis hegt sich in den sozialen Medien vor allem darüber, dass andere Spieler für vergleichsweise deutlich weniger schlimme Delikte teils länger gesperrt wurden.

2016 wurde Tom Brady wegen des ominösen "Deflate Gate", das bis heute nie abschließend bewiesen wurde, für vier Spiele gesperrt. Er soll angeblich Luft aus Spielbällen gelassen haben.

DeAndre Hopkins von den Arizona Cardinals wurde wegen der Einnahme von leistungssteigernden Mitteln für acht Spiele gesperrt und wird damit länger fehlen als Watson. Auch er beteuert bis heute seine Unschuld.

Am härtesten traf es Calvin Ridley von den Atlanta Falcons. Er wettete 2021 während seiner Football-Pause auf einen Sieg seines Teams und wird dafür die gesamte Saison 2022 gesperrt verpassen.

NFL behält sich Einspruch gegen Watson-Urteil vor

Diese Strafen jedoch wurden wegen Verfehlungen mittelbar oder unmittelbar im Zusammenhang mit der sportlichen Leistungen ausgesprochen. Dort kennt die NFL kein Tabu und greift hart durch. Watsons Strafe ist losgelöst von seiner Tätigkeit als NFL-Spieler.

Die NFL behält sich im Fall Watson weiterhin vor, Einspruch gegen die Kürze der Sperre einzulegen.

ProSieben MAXX und ran.de übertragen fünf Preseason-Spiele in der NFL ab 13. August live im Free-TV und im Stream.

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.