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München/Cleveland - Es war der Blockbuster-Trade der Offseason: Deshaun Watson verließ die Houston Texans und schloss sich den Cleveland Browns an, wo er auch noch einen neuen Vertrag erhielt.

230 Millionen Dollar erhält Watson - garantiert! Eigentlich wäre der Deal gar nicht so nennenswert, wenn nicht die realistische Chance bestünde, dass Watson kein einziges Spiel im Browns-Jersey absolviert. Jene Browns haben, geblendet von der Aussicht auf den großen Wurf, gefährlich gepokert - und verlieren womöglich alles.

Juristische Situation um Watson spitzt sich zu

Zur Ausgangslage: Gegen den 26-Jährigen laufen derzeit 24 Zivilklagen wegen sexueller Belästigung. Watson soll mehrere dutzend Masseurinnen über Social Media angefragt und teilweise einfliegen lassen haben.

Während er monatelang die Vorwürfe abstritt, gab er kürzlich zu, Geschlechtsverkehr mit einigen der Frauen gehabt zu haben. Er betont jedoch, dass dies einvernehmlich geschah.

Dennoch spitzt sich die Lage wohl zu. nachdem in den vergangenen Tagen die Zivilklagen Nummer 23 und 24 eingereicht wurden, will der Anwalt der Klägerinnen, Tony Buzbee, nun auch die Houston Texans an den Pranger stellen. Die sollen laut des Juristen nämlich vom Fehlverhalten ihres damaligen Spielmachers gewusst, aber nichts dagegen getan haben.

Zwar kündigte die NFL vor einigen Wochen an, dass "die Untersuchungen sich dem Ende neigen", jedoch war das vor den neuen Entwicklungen in der Causa Watson. Wann diese ein Ende hat, ist nicht abzusehen.

Alles auf die Karte Watson

In Cleveland derweil versucht man alles, sich öffentlich aus den juristischen Angelegenheiten rauszuhalten. "Wir hatten heute ein sehr gutes Training, mehr kommentiere ich nicht", sagte Head Coach Kevin Stefanski am Mittwoch bei einer Medienrunde am Rande des Minicamps. Auch Defensive End Myles Garrett wiegelte kürzlich alle Watson-Fragen ab: "Ich bin hier nicht der Richter", sagte er.

"Ich lasse die juristischen Dinge juristische Dinge sein", erklärte Stefanski. Auf die Frage, ob der Prozess sein Team belasten könne, sagte er nur: "Ich bin kein Hellseher. Mein Fokus liegt auf heute und morgen liegt mein Fokus auf morgen."

Obwohl die Browns von den Anschuldigungen wussten, haben sie ausgerechnet Watson mit dem ersten voll garantierten Mehrjahresvertrag für einen Quarterback in der NFL ausgestattet. Das Franchise aus Ohio pokert und setzt alles auf die Karte mit der Nummer vier.

Doch auch wenn Watson nicht gesperrt wird, haben die Browns ihre Zukunft aufs Spiel gesetzt. Sie haben drei First Round Picks plus zwei weitere Picks aufgegeben. Bis einschließlich 2026 wurde der Capspace mit 55 Millionen US-Dollar belastet.  Das ist mehr als ein Viertel der aktuellen Gehaltsobergrenze. Eine schwere Hypothek für die kommenden Jahre, egal ob mit Watson auf dem Feld steht oder möglicherweise im Gefängnis sitzt.

Plan B für 2022 - und dann?

Experten gehen davon aus, dass der Prozess wohl mindestens weit bis ins kommende Jahr andauern wird. Ob Watson gesperrt wird, liegt einzig und alleine im Ermessen der NFL und Commissioner Roger Goodell. Ob das passiert, steht ebenfalls noch in den Sternen. Doch mit jedem weiterem Vorwurf gegen den Quarterback wird es wahrscheinlicher.

Im Watson-Vertrag haben sich die Browns sich ein Hintertürchen einbauen lassen, sollte er in der kommenden Saison nicht spielen können. 2022 verdient er demnach nur rund zehn Millionen Dollar, zählt ebenso viel gegen den Cap der Browns. Zudem haben sie Jacoby Brissett als Backup unter Vertrag genommen, der bereits bewiesen hat, dass er als Starter in der NFL Spiele gewinnen kann.

Doch was ist ab 2023 und darüber hinaus? Fest steht, dass sich die Browns in die Gehalts-Hölle gefahren haben. Der Gegenwert, ein Top-Quarterback und die Aussicht auf den Gewinn des Super Bowls, war für die nach Siegen schlechteste Franchise des Jahrtausends wohl zu verlockend.

Die Browns sind mit Watson zweifelsohne "All In" gegangen. Doch das Risiko war bei keinem Team jemals so groß.

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