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München - Deshaun Watson feierte am 13. Spieltag beim Spiel der Cleveland Browns gegen die Houston Texans seine Rückkehr in die NFL, nachdem er aufgrund von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs für elf Spiele von der Liga gesperrt wurde.

Gegen sein langjähriges Ex-Team gewann Watson mit den Browns zwar mit 27:14 - und das ausgerechnet auch noch in Houstons NRG Stadium. Doch der Quarterback selbst lieferte mit 131 Passing Yards und einer Interception kein wirklich gelungenes Comeback.

NFL wollte Watson für ein Jahr sperren

Er braucht nach rund anderthalb Jahren Pause wohl noch etwas Zeit, um wieder in den Liga-Alltag reinzukommen.

Doch weshalb durfte Watson überhaupt schon wieder spielen? Schließlich gab die NFL zum Zeitpunkt des laufenden Verfahrens öffentlich bekannt, dass sie den Top-Quarterback auf unbestimmte Zeit, aber mindestens ein Jahr suspendieren wird.

Warum fiel die Strafe so gering aus?

Nun waren es lediglich elf Spiele, die Watson von außen verfolgen musste. Hinzu kam eine vergleichsweise mickrige Geldstrafe in Höhe von fünf Millionen US-Dollar (Watson unterzeichnete im März einen Vertrag mit einem garantierten Gehalt von 230 Millionen US-Dollar).

Warum fiel die Strafe so gering aus?

Zuerst sei erwähnt, dass ursprünglich von der unabhängigen Entscheiderin Sue Robinson eine Sperre von sechs Spielen verhängt worden war. Da Watson aber auch gegen die Richtlinien der NFL zum persönlichen Verhalten verstoßen hatte, durfte die NFL gegen dieses Urteil Berufung einlegen und selbst einen Entscheider dafür auswählen. Auch NFL-Commissioner Roger Goodell war eine Option dafür.

Spielergewerkschaft übte Druck auf NFL aus

Jedenfalls einigte sich die NFL zusammen mit der Spielergewerkschaft NFLPA auf eine Sperre von elf Spielen.

Laut einem Bericht von "Sports Illustrated" gehen die Gründe dafür auf einen 13-seitigen Brief der NFLPA an die Staatanwaltschaft zurück, die für den Fall von Goodell beauftragt wurde. Er ist auf den 5. August datiert, vier Tage nach der Bekanntgabe von Robinsons ursprünglicher Entscheidung, zwei Tage nach der öffentlichen Ankündigung der Berufung durch die NFL und 13 Tage vor der Bekanntgabe eines Vergleichs zwischen der NFL und Watson.

Demzufolge hat die NFLPA die rechtliche Lage gecheckt und offenbar große Chancen gehabt, eine Suspendierung Watsons vor einem Bundesgericht zu kippen. Das hätte jedoch ein schlechtes Licht auf die Liga und ihre Owner geworfen, da Watson dann gar keine Sperre erhalten hätte.

NFLPA vergleicht Watsons Fall mit deren von NFL-Ownern

Im Brief wurde auch Druck auf die NFL und Goodell ausgeübt, da bei Fehlverhalten diverser Franchise-Owner wie Daniel Snyder, Jerry Jones oder Robert Kraft keine Sperren oder ähnliches verhängt wurden. Der Liga wird von der Gewerkschaft also eine "heuchlerische Schönfärberei" vorgeworfen.

Konkret wird in dem Schreiben wohl eine im September 2020 eingereichte Klage zitiert, in der eine Frau - unter dem gängigen Pseudonym "Jane Doe" - berichtet, dass Jones sie "absichtlich, wissentlich und gewaltsam" geküsst und "begrapscht und betatscht" habe, ohne ihr Einverständnis einzuholen. Eine Strafe seitens der NFL blieb jedoch aus.

 

Die NFLPA argumentierte laut Bericht abschließend, dass die NFL (weißen) Besitzern, denen sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen wird, einen Freifahrtschein ausgestellt hat. Weiter zog die NFLPA im Schreiben auch das Beispiel Ben Roethlisberger herbei. Dem langjährigen Quarterback der Pittsburgh Steelers wurde 2010 von zwei Frauen gewaltsame Vergewaltigung vorgeworfen.

Goodell sah sich gezwungen, Sperre zu erhöhen

Eine der beiden einigte sich mit dem Quarterback, die andere ließ die Anschuldigungen fallen. Roethlisberger wurde nur für vier NFL-Spiele gesperrt. Die Gewerkschaft behauptete, dass bei Watson alle Fälle gewaltfrei stattgefunden haben und plädierte auch deshalb für eine geringe Strafe.

Abschließend behauptete die NFLPA, dass sie "erfahren" habe, dass Goodell "einem NFL-Besitzer gesagt habe, dass er sich gezwungen sehen würde, Watsons Strafe in der Berufung zu erhöhen, wenn Richter Robinson ihn für acht oder weniger Spiele sperren würde".

Weder die NFLPA noch die NFL äußerten sich zu diesem Schreiben, von dem "Sports Illustrated" erfahren haben will.