Aus London berichtet: Kevin Obermaier

London - Es ist nie zu spät für erste Male. Oder besser: Man ist nie zu alt für erste Male.

Ein erstes Mal kann es auch im zarten Alter von 103 Jahren noch geben.

Wie bei den Green Bay Packers.

Die älteste Franchise der NFL kommt am Sonntag zum ersten Mal für ein NFL-Spiel nach London (Giants at Packers am Sonntag um 15:00 Uhr live auf ProSieben und ran.de).

Ein klarer Fall von: Gut Ding will Weile haben. Oder?

Nun, ganz so banal ist es nicht.

Es hat gute Gründe, warum die Packers so lange auf ihre erste Reise nach Übersee warten mussten - oder eher: warten wollten.

Green Bay Packers in London: Das 17. Saisonspiel macht es möglich

"Das war lange in der Mache", sagte Aaron Rodgers am vergangenen Dienstag bei seinem wöchentlichen Auftritt in der "Pat McAfee Show".

Kein Team wolle so einfach "ein Heimspiel gegen die Packers aufgeben, weil unsere Fans überall in Scharen anreisen. Die Stadien sind immer voll."

Auch das der Packers selbst. Wütet nicht gerade eine Pandemie und gelten keine Zulassungsbeschränkungen, sind Heimspiele im Lambeau Field in Green Bay seit 1959 ununterbrochen ausverkauft. Über die Warteliste dauert es theoretisch fast 1.000 Jahre, an eine Dauerkarte zu kommen.

Klar, dass da nur ungern ein Spiel aufgegeben wird. Doch die Veränderungen im NFL-Spielplan ab 2021 machten es möglich.

Rodgers: "Wir verdanken es diesem wunderbaren 17. Saisonspiel, für das sich die Spielergewerkschaft aussprach. Wir wurden dieses Jahr mit neun Heimspielen bedacht, und haben uns entschlossen, eines davon in Tottenham auszurichten."

 

Packers in London: Rodgers' Plan mit dem Guinness

Nun, da es endlich geklappt hat, ist die Vorfreude groß. "Wir sind alle aufgeregt", gestand Rodgers, der in der "Pat McAfee Show" sogleich ein Trikot des englischen Fußballklubs Manchester City trug.

Der Quarterback wäre gern noch früher angereist, um "etwas von der Kultur zu erleben, sich die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, Fans zu treffen, in einen Pub zu gehen und ein Guinness zu trinken - oder was auch immer das lokale Bier ist."

Head Coach Matt LaFleur setzte dem aber einen Riegel vor, die Packers reisen nun erst in der Nacht auf Freitag an. So ein erstes Mal bringt nunmal von Natur her einige Unsicherheiten mit sich, vor allem im Vorfeld.

Deswegen wollte LaFleur die Woche "so normal wie möglich halten". Aber: "Seien wir ehrlich, es ist alles andere als normal. Die Vorbereitung wird entscheidend sein, vor allem die mentale."

Guinness im Pub hätte da wohl nicht geholfen.

Green Bay Packers nicht zum ersten Mal außerhalb der USA

Ganz unerfahren sind die Packers aber dann doch nicht, was geschäftliche Auslandsreisen angeht, auch wenn es bei der Vorbereitung auf das kommende Spiel wenig geholfen haben dürfte.

Das Duell mit den Giants mag das erste Spiel der Packers in London sein, das erste im Rahmen der International Series - doch nicht ihr erstes außerhalb der USA.

Davon gab es schon fünf: drei Preseason-Partien in Toronto 1997, Tokio 1998 und Winnipeg 2019 sowie zwei Freundschaftsspiele an Weihnachten 1932 und Neujahr 1933 auf Hawaii (das damals noch zu den USA gehörte).

Doch Toronto, Tokio und Winnipeg hin oder her - London wird ohne Frage das bisher wichtigste Spiel der Packers außerhalb der US-Grenzen. Rodgers und Co. wollen ihre Bilanz auf 4-1 aufbessern.

 

New York Giants: Große Erfahrung in London

Doch nicht nur Green Bays Spielmacher, der die Partie als "Trap Game" bezeichnete, weiß um die Schwierigkeit dieses Unterfangens.

Die Giants stehen nicht nur ebenfalls bei 3-1 und scheinen unter dem neuen Head Coach Brian Daboll zu alter Stärke zurückzufinden. Sie haben auch Erfahrung mit der Reise ins Königreich, ihr erstes Mal, schon lange hinter sich, und gute Erinnerungen daran.

Die "G-Men" waren beim ersten NFL-Spiel in London überhaupt dabei, 2007 schlugen sie die Miami Dolphins mit 13:10 (und gewannen danach übrigens den Super Bowl). 2016 folgte der zweite Auftritt, ein 17:10 gegen die Los Angeles Rams. Auch danach ging es in die Playoffs.

Nach Sonntag sind die Giants dann das achte Team mit mindestens drei Spielen in London, neben den Minnesota Vikings, New Orleans Saints, Jacksonville Jaguars, Las Vegas Raiders, Tampa Bay Buccaneers, Rams und Dolphins.

Giants at Packers: Novum in London

Übrigens: Erstmals, seitdem die NFL Spiele in London austrägt - also erstmals seit 15 Jahren bzw. 31 Partien - treffen mit den Packers und Giants am Sonntag (um 15:00 Uhr live auf ProSieben und ran.de) zwei Teams mit positiver Bilanz aufeinander.

Noch so ein erstes Mal.

Auch wenn für dieses nicht ganz so viel Zeit vergehen musste wie für das der Packers.

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